Ziegler-Gruppe: Was von dem Holzimperium übrigbleibt
Als die Ziegler-Gruppe vor knapp einem Jahr Insolvenz anmeldete, fand Volker Böhm ein Konglomerat mit mehr als 30 Tochtergesellschaften vor. Der Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Schultze & Braun war bei Ziegler vom Amtsgericht Weiden als Insolvenzverwalter eingesetzt worden. Sein Auftrag: Retten, was zu retten ist.
Die Gruppe von „Holzbaron“ Stefan Ziegler war in den Vorjahren stark gewachsen und betrieb nicht nur das größte Sägewerk Europas, sondern hatte auch zwei schwedische Sägewerke zugekauft. Ziegler zog ein Holzfaserdämmplatten-Werk hoch, nahm ein riesiges Pelletwerk in Betrieb, wollte zu einem der größten Öko-Fertighausbauer des Landes aufsteigen und investierte nebenbei kräftig in allerlei Unternehmen, die mit dem Holzgeschäft wenig zu tun hatten: darunter ein Architekturbüro, ein Haustechnikbetrieb, ein Baumarkt, Gastronomieunternehmen, ein Maschinenbauer und sogar ein Bahnhof.
Doch der auf Pump finanzierte Expansionskurs wurde dem Konzern zum Verhängnis – und verlangte auch Insolvenzverwalter Böhm früh eine grundlegende Entscheidung ab: Sollte er nach Investoren suchen, die den Konzern als Ganzes übernehmen würden? Oder wäre es aussichtsreicher, sich auf Käufer für die Einzelteile der Gruppe zu konzentrieren?
Die Zeit drängte. Zahlreiche Ziegler-Betriebe schrieben hohe Verluste, bei manchen war selbst eine Fortführung im vorläufigen Insolvenzverfahren fraglich. „Normalerweise können wir das vorläufige Insolvenzverfahren nutzen, um einen Geschäftsbetrieb so weit zu stabilisieren, dass der Abschluss des Investorenprozesses auch noch einige Monate nach Verfahrenseröffnung erfolgen kann“, sagt Böhm. „Bei Ziegler hatten wir hingegen bei den meisten Unternehmen nur maximal zehn Wochen Zeit, um eine Lösung zu finden und die Stilllegung zu vermeiden.“
70 Prozent der Jobs gerettet
Böhm setzte deshalb auf den raschen Verkauf der einzelnen Gesellschaften. „Wir haben die Betriebe je nach Geschäftstätigkeit in Einheiten zusammengefasst und sie passenden Investoren angeboten“, berichtet der Insolvenzverwalter. Inzwischen ist klar: Die Entscheidung war richtig, Böhms Strategie ging auf.
Von den 33 operativ tätigen Geschäftsbetrieben der Gruppe konnten 27 verkauft werden, darunter auch die Sägewerke. Rund 70 Prozent der Arbeitsplätze blieben erhalten: Von den einst 2600 Ziegler-Beschäftigten behielten knapp 1900 ihre Jobs. „Angesichts der schwierigen Ausgangslage“ sei das trotz der Arbeitsplatzverluste „ein großer Erfolg“, bilanziert Böhm.
Der erste Verkauf erfolgte bereits Mitte Januar 2025: Die Ziegler-Dämmstofftochter Naturheld ging an die Josef Rettenmaier Naturenergie Holding. Zwei Wochen später folgte der nächste Deal – die Rettenmeier Holding übernahm sechs holzverarbeitende Betriebe mit 650 Mitarbeitern. Danach ging es Schlag auf Schlag: Hausbaufirmen, Zimmereien, Auslandswerke fanden neue Eigentümer. Neben Böhms Team von Schultze & Braun waren unter anderem Berater von PwC und Taylor Wessing bei Ziegler im Einsatz. Gemeinsam mit anderen Dienstleistern kümmerten sie sich unter anderem um die Steuerung der Investorenprozesse, die Gestaltung der Kaufverträge und das Controlling.
Allerdings konnten nicht alle Unternehmensteile erhalten werden: Der Logistikbereich mit über 300 Mitarbeitern fand keinen Investor; rund 120 Stellen bei Eisen Knorr fielen weg – deren Schließung war bereits vor den Insolvenzanträgen beschlossen worden. Auch für die Zehendner Keramik GmbH gibt es bislang keinen Käufer.
Gemessen an der Komplexität des Falls ist das Ergebnis dennoch beachtlich. Für rund 3000 Gläubiger – darunter viele Handwerksbetriebe und regionale Dienstleister – konnten Einnahmen erzielt werden. Für viele betroffene Unternehmen noch wichtiger: Die verkauften Betriebe bleiben ihnen als Geschäftspartner erhalten. Darunter vor allem das Sägewerk im Oberpfälzer Wald als wichtiger Abnehmer für die regionale Forstwirtschaft.
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