Preisfrage: Diese Spielzeug-Marke produziert wieder in Deutschland
Eigentlich lohnt es sich für Heunec überhaupt nicht. Der Spielwarenhersteller aus Neustadt bei Coburg produziert in seiner Manufaktur in Handarbeit Plüschtiere. Die Gewinnmarge für die Bären, Lamas und Faultiere liegt bei gerade einmal ein bis zwei Prozent.
Und trotzdem hat sich das Traditionsunternehmen vor etwa fünf Jahren entschieden, wieder in Deutschland zu fertigen. Josephine Dransfeld, Co-Geschäftsführerin bei Heunec, begründet das so: „Wir wollen unser Handwerk bewahren, weil die Spielzeugherstellung in Deutschland ihr Zuhause hat.“
Tatsächlich hatte der Betrieb seine Produktion in den 1980er-Jahren beginnend komplett nach China ausgelagert. Dann meldete sich vor ein paar Jahren die Berufsschule aus dem benachbarten Sonneberg. Es gebe eine Interessentin für die Ausbildung zur Spielzeugherstellerin, aber bisher keinen Betrieb. „Wir haben uns intensiv beraten, ob wir ihr alles beibringen können, und uns dann zum Glück dafür entschieden“, sagt Dransfeld.
In der Manufaktur arbeiteten zu diesem Zeitpunkt zwar noch ausgebildete Spielzeugherstellerinnen und Näher. Die hatten seit Jahren aber höchstens beschädigte Chargen aus China repariert oder Einzelstücke gefertigt. Vieles musste sich die Belegschaft also auch selbst wieder beibringen.
Mit der neuen Auszubildenden kehrte zudem ein Teil der Produktion wieder nach Deutschland zurück. Das Stück für ihre Abschlussarbeit wurde ins Sortiment aufgenommen und wird seitdem exklusiv in der Manufaktur hergestellt. So handhabt es Heunec auch mit den Werken seiner anderen Auszubildenden. Wie sich der Preis für das Kuschel-Lama zusammensetzt, sehen Sie hier.
Zugegeben, es ist ein kleiner Teil seiner Palette, den Heunec in Deutschland herstellt. Von über 800.000 im Jahr 2024 verkauften Kuscheltieren stammen nur etwa 2200 vom Team vor Ort. Da Heunec den Preis für die deutschen Produkte nicht zu hoch ansetzen will und deren Marge deswegen so gering ist, werden sie von den Plüschfiguren aus China mitfinanziert.
Perspektivisch möchte Dransfeld die Kapazitäten in Deutschland erhöhen. Alle Auszubildenden, von denen Heunec momentan vier hat, sollen deshalb übernommen werden. In den nächsten zehn Jahren hofft das Unternehmen, wieder etwa ein Viertel seiner Produktion nach Deutschland verlagern zu können.
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