Bayer-Aktie: Lasst den Champagner noch im Kühlschrank!

Es läuft irgendwie bei Bayer. In der vergangenen Woche sorgten positive Testdaten beim Schlaganfall-Medikament Asundexian für einen unerwarteten Erfolg. Und nun das: Es kann tatsächlich sein, dass das schier unendliche Glyphosat-Drama, das Bayer und seine Aktionäre Milliarden gekostet hat, nun bald ein Ende nimmt.
Der US-Generalanwalt hat dem Obersten Gerichtshof der USA empfohlen, das Berufungsverfahren von Bayer anzunehmen. Entscheidet das Gericht dann im Sinne des Unternehmens, sind die meisten der über 60.000 Glyphosat-Klagen gegenstandslos. Und Bayer-Chef Bill Anderson kann sein Versprechen halten, die Klagen bis Ende 2026 weitgehend zu befrieden.
Die Börse feiert schon – nach der langen Leidenszeit durchaus verständlich. Der Champagner muss allerdings noch im Kühlschrank bleiben. Denn auch, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass alles zu einem guten Ende kommt, damit hoch ist: Eine Garantie, dass der Oberste Gerichtshof den Fall annimmt und für Bayer positiv entscheidet, gibt es nicht.
Bayer hat zwar gute und stichhaltige Argumente. Der Konzern beruft sich zu Recht darauf, dass die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat für sicher hält und Warnungen über angebliche Krebsgefahren ablehnt. Aber letztendlich entscheiden die neun Richterinnen und Richter immer noch autonom.
Und bei aller Freude: All der Ärger und die milliardenteuren Gerichtsverfahren, das hätte nicht sein müssen. Die Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto durch Bayer war und bleibt ein Fehler. Das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut ist dadurch nicht so in Schwung gekommen, wie es sich das frühere Bayer-Management um den damaligen Vorstandschef Werner Baumann vorgestellt hatte.
Immerhin waren zuletzt einige Aufwärtstendenzen zu erkennen. Für Glyphosat gilt das allerdings nicht – der Unkrautvernichter-Wirkstoff, der Bayer den größten Albtraum der jüngeren Konzerngeschichte bescherte, hat mit den Jahren immer mehr an Bedeutung verloren.
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