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Freefall-TowerDas Geschäft mit dem Adrenalin

Ewald Schneider hat den Höchsten. Der Schausteller lässt Besucher der Volksfeste aus 85 Meter Höhe frei fallen. Sein Turm der Superlative ist ein neues Kapitel im Kampf um die Gunst der Kunden und gegen die Konkurrenz.Maximilian Nowroth 11.09.2015 - 18:00 Uhr

Platz 10: Stuttgarter Frühlingsfest

Die Stuttgarter laden gleich zwei Mal im Jahr zum großen Fest, das erste Mal im Frühling. Das „Kleine Wasen“ – wie die Stuttgarter ihr Frühlingsfest nennen – findet zwischen Mitte April und Anfang Mai statt. Bekannt ist es dafür, dass dort neuentwickelte Fahrattraktionen zuerst ausprobiert werden dürfen. Flächenmäßig kann es mit dem Cannstatter Volksfest zwischen Ende September und Anfang Oktober nicht mithalten. Trotzdem ist es das größte Frühlingsfest Europas und mit 1,2 Millionen Besuchern das zehntgrößte Volksfest Deutschlands.
Das 78. Stuttgarter Frühlingsfest findet vom 16. April bis zum 8. Mai 2016 statt.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 9: Schützenfest Hannover

Die Geschichte des größten Schützenfests der Welt reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Traditionell wird getrunken: Am liebsten das „Hannöversch Fest-Bier“ vom Brauhaus Ernst-August und die „Lüttje Lage“ – eine Mischung aus Lüttje-Lagen-Schankbier und Kornbrand. Das Schützenfest auf dem zehn Hektar großen Schützenplatz in Hannover wartet mit über 250 Schaustellern auf und lockt über zehn Tage hinweg jährlich 1,5 Millionen Gäste.
Das 486. Hannoveraner Schützenfest ist soeben zu Ende gegangen und fand vom 3. bis zum 12. Juli 2015 statt.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 8: Nürnberger Volksfest

1826 wurde das Nürnberger Volksfest zum ersten Mal veranstaltet – zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. Schon damals gab es einen großen Festzug und Spiele wie Sack- und Eierlaufen. Aus den Spielen von damals ist ein riesiger Festbetrieb geworden, der unter anderem das „Daemonium“, die größte mobile Geisterbahn der Welt, bietet. Zwei Mal jährlich laden die Nürnberger zum Frühlings- und Herbstfest und locken damit jeweils 1,9 Millionen Besucher.

Vom 28. August bis 13. September 2015 findet das achtgrößte deutsche Volksfest das nächste Mal statt.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 7: Kieler Woche

Die Kieler Woche war ursprünglich eine Segelregatta. Seit Ende des 19. Jahrhundert wird die Regatta jährlich in Kiel ausgetragen und ist eines der größten Segelsportereignisse der Welt. Mittlerweile bietet die Kieler Woche über 2100 Einzelveranstaltungen, unter anderem 300 Konzerte. Jährlich kommen 3 Millionen Besucher. Traditionell endet die Kieler Woche mit dem „Sternzauber über Kiel“ ¬ einem großen Feuerwerk am Kieler Hafen – zuletzt am 28. Juni 2015.

Foto: dpa-dpaweb

Platz 6: Cannstatter Volksfest

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann eröffnet das Cannstatter Volksfest: Rund 35 Hektar werden jedes Jahr eine Woche nach dem Münchener Oktoberfest zum Platz für das „größte Schaustellerfest Europas“. Dazu kommen über 70 Geschäfte: Schieß-, Los- und Wurfbuden und eine Boxshow. Jedes Jahr besuchen 4 Millionen Besucher aus aller Welt das Volksfest.

Das 170. Volksfest in Cannstatt beginnt am 25. September 2015.

Foto: dpa

Platz 6: Freimarkt Bremen

Genau so viele Besucher wie das Cannstatter Volksfest locken auch die nächsten drei Feste. Was das Alter angeht, kann aber kaum eines der deutschen Volksfeste mit dem Bremer Freimarkt vergleichen. Seit 1035 findet der Freimarkt statt. Er findet in diesem Jahr zum 980. Mai statt und ist damit eines der ältesten Volksfeste Deutschlands. Die Bremer begehen die „fünfte Jahreszeit“ – so nennen sie ihre Freimarktstage – mit dem Ruf „Ischa Freimaak!“ Mit 4 Millionen Besuchern und 345 Schaustellern behaupten die Bremer, die größte Veranstaltung dieser Art in Norddeutschland zu organisieren.

Am 19. Oktober 2015 ist es wieder soweit: „Ischa Freimaak!“

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 6: Hamburger Dom

Die größte Veranstaltung dieser Art in Norddeutschland – das nehmen natürlich auch die Hamburger für sich in Anspruch. Der Hamburger Dom lockt drei Mal jährlich gut 4 Millionen Besucher, die von über 260 Schaustellern und 110 Gastronomiebetrieben auf einer Fläche von 160.000 Quadratmetern bespaßt werden.

Der Hamburger Sommerdom 2015 beginnt am 24. Juli und endet am 23. August.

Foto: dpa-dpaweb

Platz 6: Cranger Kirmes

Die Cranger Kirmes ist vierte im Bunde, die –wie passend – jährlich 4 Millionen Besucher lockt. Das ganze erwuchs im 15. Jahrhundert aus einem Pferdemarkt im heutigen Herner Stadtteil Crange. Mit den Jahren gesellten sich zu den Pferdehändlern Tänzer, Taschenspieler, Wahrsager und Gaukler und unterhielten die Besucher. Von der Pferdemarkt-Tradition hat sich die Kirmes bis heute nicht losgesagt: Am Tag vor Beginn der Kirmes gibt es jedes Jahr einen Pferdemarkt und Reitsport.

Am 7. August 2015 wird die Kirmes zum 580. Mal stattfinden.

Foto: dpa

Platz 2: Rheinkirmes

Mit 4,3 Millionen Besuchern im Jahr setzt sich die Düsseldorfer Rheinkirmes ab – für das größte Volksfest Deutschlands reicht es damit aber (noch) nicht. Das Fest hat eine Reihe von Traditionen und verläuft nach einem historischem Verlauf: Am Samstag eröffnet der Oberbürgermeister die Kirmes. Es folgen ein historischer Festzug des Schützenvereins mit über 3000 aktiven Teilnehmern, die Krönung des Schützenkönigs. Im Anschluss daran treffen sich 50.000 Homosexuelle auf der Kirmes. Ein bunter, leuchtender Spaß.
Am 17. Juli 2015 beginnt die Rheinkirmes, die zum 114. Mal veranstaltet wird.

Foto: dpa

Platz 1: Oktoberfest

Doch es geht nichts über das Oktoberfest: Hier können sogar Christian Ude (SPD), der bis 2014 Münchens Oberbürgermeister war, und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) miteinander. Die Wiesn lockt jedes Jahr 6,4 Millionen Gäste in die Hauptstadt des Freistaats. 60 Prozent von ihnen kommen aus München selbst, 18 Prozent aus dem Ausland – vor allem Italiener und Amerikaner stehen auf das Oktoberfest.

Das 182. Oktoberfest findet vom 19. September bis zum 4. Oktober 2015 statt.

Foto: dpa

Im vergangenen Jahr wurden 74.025 Hektoliter getrunken. Wer so viel trinkt, braucht etwas im Magen: 116 Ochsen, 85 Kälber, 58.697 Schweinehaxen, 3,8 Tonnen Fisch, 508.958 Brathendl und 115.015 Schweinswürstl vertilgten die Gäste. Das Oktoberfest hat eine Wirtschaftskraft von 1,1 Milliarden Euro – das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt von Grenada.

Foto: dpa

Das Festgelände, auf dem sich die über sechs Millionen Besucher tummeln, ist mit 420.000 Quadratmetern fast so groß wie der Vatikan. Gut 13.000 Angestellte bedienen die Gäste.

Foto: dpa

Das Gespräch neigt sich dem Ende, er hat viel erzählt über die technischen Raffinessen des Turms, den freien Fall mit 90 Stundenkilometern, die fünffache Erdbeschleunigung und die Magnetbremsen, da muss man ihn das einfach fragen: „Fahren wir mal eine Runde, Herr Schneider?“ Doch Ewald Schneider schüttelt den Kopf und sagt: „Auf solche Fahrgeschäfte gehe ich nur noch, wenn ich muss. Ich bin kein Karussell-Junkie. Ich bin Unternehmer.“

Gut, reden wir also übers Geschäftliche. Der 48-Jährige ist Schausteller, wie schon sein Vater. Auf dessen Autoscooter sei er aufgewachsen, sagt Schneider, die Schule hat er im Alter von 15 Jahren beendet. Seitdem gehört der Bielefelder zu einer Zunft, die ihre Attraktionen auf Festplätzen präsentiert und ihren Gästen viel Vergnügen verspricht. Der Deutsche Schaustellerbund zählt rund 9900 Volksfeste in Deutschland, insgesamt fließen pro Jahr mehr als zweieinhalb Milliarden Euro in die Kassenhäuschen.

Warum die Volksfestkultur die Anerkennung als Kulturerbe verdient
Gleich eine ganze Reihe von Gründen, warum die Volksfestkultur in Deutschland die Anerkennung als immaterielles Kulturerbe verdient, führen die Unterstützer der Bewerbung ins Feld. Ein Überblick.
Volksfeste sind kulturell tief in der Gesellschaft verwurzelt. Volksfeste und Kirmessen – und dazu gehören auch die Weihnachtsmärkte – sind über Jahrhunderte gewachsene, kulturell und kirchlich beeinflusste Veranstaltungen. So leitet sich das Wort Kirmes beispielsweise ab von Kirchmesse oder Kirchweihe. Und die Verleihung von Stadt- oder Marktrechten steht oft in Verbindung mit Volksfesten (zum Beispiel Oldenburger Kramermarkt anno 1608). Das älteste deutsche Volksfest ist das Lullusfest in Bad Hersfeld (1200 Jahre).
Auf den deutschen Volksfesten wird Brauchtum gepflegt, Gemeinschaft erlebt und die Tradition volksnaher Unterhaltung aufrechterhalten. Volksfeste üben seit Jahrhunderten im Kulturgebiet Deutschlands einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft, der menschlichen Sozialisation und des Tourismus aus und stellen ein einzigartiges und außergewöhnliches Zeugnis einer jahrhundertealten Kulturtradition dar.
Volksfeste sind gelebte Völkerverständigung und ein herausragendes Beispiel für Bräuche, die bedeutsame Abschnitte in der menschlichen Geschichte darstellen. So förderten beispielsweise das Deutsch-Französische und das Deutsch-Amerikanische Volksfest in Berlin nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die Wiederannäherung der Völker. Volksfeste sind eine kulturelle Ausdrucksform (wie Sprache, Handwerk oder Musik), die von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder neu gestaltet wird.
Volksfeste sind Besuchermagneten und bedeutender Wirtschaftsfaktor. Volksfeste sind die Werbe-Aushängeschilder der Städte und Gemeinden. Jedes Jahr locken sie Millionen Besucher aus nah und fern in die deutschen Städte und Regionen. Davon profitieren auch der Einzelhandel, Hotels, Gaststätten, Taxibetriebe und der öffentliche Nahverkehr.
Volksfeste sind Orte des sozialen Miteinanders. Volksfeste sind Orte der Integration und Identifikation („mein Volksfest“). Hier kommen Menschen von jung bis alt, von unterschiedlicher Herkunft und aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammen. Ihre soziale Funktion wird uns auch von den deutschen Gerichten, allen voran dem Bundesverwaltungsgericht (2009) bestätigt. Sie heben die Ausrichtung traditioneller Volksfeste und Weihnachtsmärkte als ein Stück Daseinsvorsorge für die Bürger hervor.
Die Schausteller sind seit jeher die Träger der deutschen Volksfestkultur. Ob Imbiss, Fahrgeschäft oder Schaubude: Schausteller passen den Auftritt ihrer Geschäfte seit Jahrhunderten dem spezifischen Charakter des jeweiligen Volksfestes stets von Neuem an und sorgen so für den richtigen Lokalkolorit und die passende Atmosphäre – vom Nürnberger Frühlingsfest bis zum Dresdner Weihnachtsmarkt. Die Schausteller geben ihr Wissen um die Bespielung der Volksfeste von Generation zu Generation weiter und tragen damit maßgeblich zum Erhalt einer lebendigen Volksfestkultur bei. Dieses Wissen gilt es zu schützen, denn es ist nicht verschriftlicht.
Mit ihren Darbietungen fördern die Schausteller den sozialen und kulturellen Austausch über nationale Grenzen und sprachliche Barrieren hinweg. Sie entführen die Besucher in eine Traumwelt und leben den europäischen Gedanken der Völkerverständigung. Sie handeln zukunftsorientiert, bewerben ihre Volksfeste in den neuen Medien und binden Veranstalter und Besucher interaktiv (zum Beispiel auf Facebook) mit ein.
Die gelebte deutsche Volksfestkultur ist einmalig auf der Welt. Die Verknüpfung von Tradition und Moderne und ihr ständiger Wandel machen die deutsche Volksfestkultur so lebendig. Die Vielfältigkeit der Volksfeste spiegelt sich in ihren regional unterschiedlichen Bezeichnungen wider: Die einen sagen „Kirmes“ oder „Kerwe“, die anderen „Messe“ und wieder andere „Markt“. In München zieht es die Besucher auf die „Wiesn“, in Stuttgart auf den „Wasen“, in Franken auf den „Plan“ und in Oberbayern auf die „Dult“. Im Elsass ist es der „Bungert“ und in Norddeutschland heißt die Messe „Brink“. In ihrer Vielfältigkeit repräsentieren die Volksfeste ganz Deutschland und seine Bevölkerung, nicht nur Teile davon. Das unterscheidet sie von anderen Segmenten im Freizeitsektor und macht sie schützenswert.
Die Anerkennung der Volksfeste als immaterielles Kulturerbe unterstützt den Fortbestand der Volksfeste. Viele kleine und mittlere Volksfeste und Stadtteilkirmessen mit langer Geschichte kämpfen heute ums Überleben. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Konkurrenz im Freizeitsektor, ein verändertes Freizeitverhalten (mehr Indoor, weniger Outdoor), aber auch ein mangelndes Bewusstsein und nachlässige Behandlung der Feste durch die Veranstalter. Vielerorts arbeiten Schausteller und Kommunen bereits eng zusammen, teilen sich Kosten und erarbeiten neue Marketingkonzepte, um das Fortbestehen der Volksfeste für die Zukunft zu sichern.
Mit der Aufnahme der gelebten deutschen Volksfestkultur in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ will der DSB die lebendige Volksfestkultur aufrechterhalten. Die Anerkennung der Volksfeste als immaterielles Kulturerbe hilft Politik, Veranstaltern und Schaustellern, die vielen traditionsreichen Volksfeste hierzulande durch kulturpolitische Maßnahmen zu schützen und damit den Volksfesttourismus und die Wirtschaft in den Regionen zu fördern. Denn die Aufnahme kultureller Ausdrucksformen, Bräuche und Traditionen in die Liste des immateriellen Kulturerbes hält diese auch in Zukunft lebendig.

Die größten Rummel sind das Oktoberfest in München, die Cranger Kirmes in Herne, die Rheinkirmes in Düsseldorf und der Cannstatter Wasen, jeweils mehr als vier Millionen Besucher strömen dort jedes Jahr hin – und Schneider ist immer mittendrin. Er sagt: „Wenn ich zu Hause bin, verdiene ich kein Geld.“

Das Geschäft ist hart, und jeder Schausteller muss sich etwas einfallen lassen. In den letzten 15 Jahren ging die Zahl der Volksfestbummler von 178 auf 148 Millionen zurück. In den Neunzigerjahren musste Schneider schmerzlich erfahren, was es bedeutet, wenn man die Aufmerksamkeit der Kundschaft verliert. Sein erstes eigenes Karussell kostete ihn damals 2,7 Millionen Mark und war „ein großer Reinfall“. Die Leute fanden es langweilig. Dann baute er eigenhändig einen Looping ein und erkannte, worauf die Leute abfahren: Adrenalin. Seitdem lautet sein Geschäftsmodell höher, schneller, weiter.

1998 verkaufte er sein Karussell, weil es etwas Neues gab, das fand er „spektakulär“: Freifalltürme. Sein erstes Modell hieß „Power Tower 1“, die Gondel fuhr auf 55 Meter Höhe. Fünf Jahre später kam der Nachfolger, immerhin elf Meter höher. Dieses Jahr sollten es eigentlich 100 Meter werden, Schneider hatte schon alles geplant und mit großem Tamtam auf Facebook verkündet: „Der größte mobile Freifallturm der Welt“. Aber dann gab es Probleme bei der Planung des „Hangover“, erzählt er. Das Fahrgeschäft im Wert von 2,8 Millionen Euro wurde nur 85 Meter hoch – den Superlativ reklamiert er trotzdem für sich.

An diesem sonnigen Mittag Ende Juli, das erste Wochenende der Düsseldorfer Kirmes ist gerade vorbei, steht Schneider auf dem Festplatz an den Rheinwiesen und dirigiert sein Familienunternehmen. „Hömma!“, ruft er. „Zeig den Arbeitern, was die noch machen müssen, Ewald!“ Schneiders 18-jähriger Sohn, Junior-Unternehmer, heißt wie der Senior. „Victoria, gibst du den beiden hier mal ihr Geld?“ Die 22-jährige Tochter hilft bei der Abrechnung. „Kommst du mal?“ Seine Frau Christina stammt ebenfalls aus einer Schaustellerfamilie, sie haben sich vor 24 Jahren auf einem Volksfest kennengelernt.

Jagd nach dem Höhenrekord ist kritisch

In Deutschland leben zwei Schausteller, die sein Geschäftsgebaren nicht so spaßig finden – denn sie wollen die Größten sein. Der Münchner Michael Götzke preist seinen Turm „SkyFall“ mit dem gleichen Weltrekord an wie Schneider, dabei ist er nur 80 Meter hoch. Andreas Zinnecker aus dem bayrischen Egglkofen motzt seinen „Mega King Tower“ gerade auf, um Schneider nachzueifern. Der deutsche Schaustellerbund dagegen sieht die Jagd nach dem Höhenrekord kritisch. Man wolle ja nicht, dass nur noch Düsenjäger-Piloten die Fahrgeschäfte nutzen, sagt Präsident Albert Ritter.

Es scheint aber genügend zu geben, denn seit sich Schneider auf Türme spezialisiert hat, sind Volksfeste für ihn Erfolgsfeste. Er mache einen siebenstelligen Umsatz, sagt der Unternehmer. Und wie viel Gewinn? „Moment, da muss ich meinen Steuerberater fragen.“ Ein Anruf, dann eine Zahl. 20 Prozent vor Steuern bleiben übrig.

Schneider schaut auf die Uhr, gleich macht die Kirmes auf. Statt seiner soll Sohn Ewald mit auf dem „Hangover“ fahren. Der 18-Jährige klettert in die Sitzschalen und schließt den Bügel. Es geht hoch. Die Beine baumeln frei in der Luft, die Gondel dreht sich, die Aussicht ist atemberaubend. „Guck während der Fahrt nach oben, das ist das Geilste“, sagt Ewald. Aus den Lautsprechern schallt ein Countdown. Drei, zwei, eins ... Die Haken lösen sich, die Gondel rast Richtung Boden, drei Sekunden freier Fall, Kirmes für die inneren Organe. Ewald grinst wie ein Junkie nach dem Kick. „Das Gefühl ist immer da, auch nach dem 100. Mal.“

Das ist insofern praktisch, als dass es höher als 85 Meter für Schneider junior und senior so schnell nicht hinausgehen wird. Der Traum des 100-Meter-Turms ist erst mal aufgegeben, Schneider muss jetzt zehn Jahre lang den neuen Turm abbezahlen.

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