Deutschlands beste Mittelständler: Der neue Stil der Hidden Champions
Mittelständische Marken im Ranking: Weltmarktführer der deutschen Familienunternehmen.
Foto: Getty Images, MontageDie Belastbarkeit einer Schraube kann man ziemlich genau berechnen und messen. „Klebstoff dagegen ist eigentlich blöd, denn da ist das schwieriger“, sagt Sabine Herold, Geschäftsführerin bei Delo, einem Hersteller von Industrieklebstoffen im bayrischen Windach bei München. Die Kunden, sagt Herold, kennen nicht alle Faktoren, auf die es beim Kleben ankommt. „Sie brauchen darum unsere Beratung.“
Delo gilt in der Branche als einer der bedeutendsten Anbieter der Welt. Mit Klebstoffen von Delo befestigen Hersteller von Notebooks und Smartphones die Minilautsprecher in ihren Geräten. Autobauer fixieren damit etwa die kleinen Piepser der Sicherheitsgurte, die den Fahrer zum Anschnallen auffordern. Und bei EC- und Kreditkarten findet sich der Kleber aus Bayern an den Chips unter dem kleinen goldenen Kontakt in der Mitte. Delo hat hier weltweit einen Marktanteil von 80 Prozent.
Bester Aufsteiger: Delo
Damit landet das Unternehmen zum ersten Mal unter den Top 20 der deutschen Mittelständler mit den stärksten Marken – und auf Anhieb auf Platz vier. Die Rangliste erstellte die Münchner Beratung Biesalski & Company zum dritten Mal nach 2011 und 2013 exklusiv für die WirtschaftsWoche. Biesalski untersucht den Stellenwert der Marke deutscher Weltmarktführer. Berücksichtig werden Unternehmen, die im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre bis zu 1,1 Milliarden Euro erwirtschafteten und ganz oder mehrheitlich in Familienbesitz sind. Der Platz im Ranking ergibt sich aus der Performance der Marke und dem wirtschaftlichen Erfolg.
Hüterin der Kronjuwelen: Delo-Chefin Herold hält die Rezepturen ihrer Klebstoffe streng geheim.
Foto: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
„Gerade weil unser Produkt auf den ersten Blick schwer verständlich ist, ist Vertrauen bei unseren Kunden enorm wichtig“, sagt Delo-Geschäftsführerin Herold, „und darum ist Markenbildung für uns sehr wichtig, auch wenn wir gar nicht im Geschäft mit Endverbrauchern unterwegs sind.“
Studienleiter und Biesalski-Partner Tomasz de Crignis lobt vor allem, dass die Geschäftsführung großen Wert auf interne und externe Kommunikation lege. „Für einen Mittelständler ist das sehr professionell und damit ungewöhnlich“, sagt de Crignis.
Vom traditionellen, oft patriarchalischen Führungsstil, bei dem sich der Chef nicht in die Karten schauen lässt, hält Delo-Geschäftsführerin Herold gar nichts. „Wir suchen für unser Unternehmen kluge und aktive Mitarbeiter“, sagt Herold, „die wollen wissen, was los ist.“ Bei einschlägigen Umfragen schneidet Delo denn auch regelmäßig als einer der beliebtesten Arbeitgeber des Landes ab.
Damit markiert der Mittelständler aus dem Süden Bayerns offenbar einen Trendwechsel. Im Zuge der Globalisierung des Geschäfts hat sich der traditionelle mittelständische, vielfach eigenbrötlerische Unternehmenspatriarch überlebt. Zwar spielt eine starke Führungspersönlichkeit bei vielen Weltmarktführern aus dem Mittelstand immer noch eine wichtige Rolle. „Aber sie werden kommunikativer“, sagt de Crignis. Früher hätten die Chefs und Gründer nicht gewollt, dass über sie geredet wird, sagt der Berater. „Das wird weniger. Viele der stillen Weltmarktführer sind nicht mehr so still.“
Bei einem Punkt wird Delo-Chefin Herold, die das Unternehmen 1997 zusammen mit ihrem Mann im Rahmen eines Management-Buy-outs kaufte, schmallippig: bei den Rezepturen für die Klebstoffe. „Das sind unsere Kronjuwelen“, sagt Herold, „und Kronjuwelen gehören weggeschlossen.“ Aus diesem Grund lässt Delo nicht jede Innovation patentieren. Denn dann müsste das Unternehmen die Rezeptur zumindest gegenüber dem Patentamt offenlegen, was die Gefahr des Know-how-Diebstahls erhöhen würde.
Etwa 15 Prozent des Umsatzes von zuletzt 74 Millionen Euro investiert der Klebstoffhersteller mit insgesamt 450 Mitarbeitern in die Forschung und Entwicklung (F+E). Üblich sind in der Branche zwischen drei und vier Prozent. Den Erfolg des Unternehmens, das inzwischen 70 Prozent seines Umsatzes im Ausland erzielt, führt de Crignis auch auf Kreativität und Innovationsfreude zurück. „Das Unternehmen ist extrem forschungsorientiert“, sagt de Crignis.
Platz 20 (26): Big Dutchman
Branche: Fütterungs-/Stallanlagen
Marken-Performance*: 54,4 (46,3)
Unternehmens-Performance*: 58,5 (54,3)
Gesamt-Performance²: 112,9 (100,6)
(Investitionsgüterhersteller, in Klammern: 2013)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Über die Studie: Die Studie „Die Marken der deutschen Hidden Champions 2015“ untersucht nach 2011 und 2013 zum dritten Mal die Bedeutung der eigenen Marke für den wirtschaftlichen Erfolg, den mittelständische deutsche Firmen im Geschäft mit anderen Unternehmen haben. Berücksichtigt wurden von Eigentümern geführte Unternehmen, die in ihrer Branche Weltmarktführer sind und maximal 1,1 Milliarden Euro umsetzen. 285 Branchenexperten wurden dazu befragt. Der Marken-Performance-Index beschreibt den Erfolg der Marke. Der Unternehmens-Performance-Index bewertet unter anderem Umsatzwachstum, Rentabilität und Innovationskraft.
Foto: PressePlatz 19 (14): Max Weishaupt
Branche: Energietechnik
Marken-Performance*: 52,6 (52,6)
Unternehmens-Performance*: 60,6 (59,0)
Gesamt-Performance²: 113,2 (111,6)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: Max Weishaupt GmbH
Foto: PRPlatz 18 (17): Sennheiser
Branche: Kopfhörer
Marken-Performance*: 58,1 (55,5)
Unternehmens-Performance*: 56,6 (54,1)
Gesamt-Performance²: 114,6 (109,7)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 17 (16): Renolit
Branche: Kunststofffolien
Marken-Performance*: 55,6 (52,3)
Unternehmens-Performance*: 60,5 (58,0)
Gesamt-Performance²: 116,1 (110,2)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: RENOLIT SE
Foto: PressePlatz 16 (11): KWS Saat
Branche: Saatgut
Marken-Performance*: 51,1 (53,3)
Unternehmens-Performance*: 65,4 (64,9)
Gesamt-Performance²: 116,5 (118,2)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: KWS SAAT AG
Foto: PRPlatz 15 (15): Abeking & Rasmussen
Branche: Schiffbau
Marken-Performance*: 61,4 (54,2)
Unternehmens-Performance*: 57,9 (56,8)
Gesamt-Performance²: 119,4 (111,0)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: ScreenshotPlatz 14 (13): Mennekes
Branche: Industriesteckverbindungen
Marken-Performance*: 66,1 (64,7)
Unternehmens-Performance*: 53,3 (53,0)
Gesamt-Performance²: 119,4 (117,7)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 13 (Neu): Sick
Branche: Sensortechnik
Marken-Performance*: 45,3
Unternehmens-Performance*: 75,3
Gesamt-Performance²: 120,7
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: SICK AG
Foto: PRPlatz 12 (12): Dorma Holding
Branche: Gebäudetechnik
Marken-Performance*: 56,3 (56,3)
Unternehmens-Performance*: 65,3 (61,5)
Gesamt-Performance²: 121,6 (117,8)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: Dorma Holding
Foto: PRPlatz 11 (Neu): Schunk
Branche: Greifsysteme
Marken-Performance*: 64,8
Unternehmens-Performance*: 58,3
Gesamt-Performance²: 123,1
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 10 (7): Peri
Branche: Schalungen / Gerüste
Marken-Performance*: 54,9 (58,1)
Unternehmens-Performance*: 68,2 (72)
Gesamt-Performance²: 123,1 (130,1)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 9 (8): Kaeser
Branche: Kompressoren
Marken-Performance*: 61,9 (67,5)
Unternehmens-Performance*: 63,1 (57,6)
Gesamt-Performance²:124,9 (125,2)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 8 (6): Duravit
Branche: Badausstattung
Marken-Performance*: 65,0 (67,6)
Unternehmens-Performance*: 61,9 (63,8)
Gesamt-Performance²: 126,9 (131,4)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: Philippe Starck
Foto: PRPlatz 7 (Neu): Haver & Boecker
Branche: Drahtweberei / Maschinenbau
Marken-Performance*: 68,7
Unternehmens-Performance*: 60,6
Gesamt-Performance²: 129,3
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 6 (5): Grimme Landmaschinenfabrik
Branche: Landmaschinen
Marken-Performance*: 66,6 (64,9)
Unternehmens-Performance*: 64,6 (67,2)
Gesamt-Performance²:131,2 (132,1)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 5 (Neu): Windmöller & Hölscher
Branche: Verpackungsmaschinen
Marken-Performance*: 72,7
Unternehmens-Performance*: 61,3
Gesamt-Performance²:134,0
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 4 (Neu): Delo
Branche: Industrieklebstoffe
Marken-Performance*: 69,2
Unternehmens-Performance*: 68,6
Gesamt-Performance²: 137,7
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: ©DELO
Foto: WirtschaftsWochePlatz 3 (2): Lürssen Maritime Beteiligungen
Branche: Schiffbau
Marken-Performance*: 74,7 (68,9)
Unternehmens-Performance*: 64,2 (65,6)
Gesamt-Performance²: 138,9 (134,5)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 2 (4): Otto Bock
Branche: Prothesen
Marken-Performance*: 70,7 (64,7)
Unternehmens-Performance*: 73,1 (67,6)
Gesamt-Performance²: 143,8 (132,4)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 1 (1): Herrenknecht
Branche: Tunnelbohrmaschinen
Marken-Performance*: 72,8 (72,9)
Unternehmens-Performance*: 76,6 (78,5)
Gesamt-Performance²: 149,4 (151,4)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpa/dpaweb
Vor wenigen Jahren sprachen nur Spezialisten über Industrie 4.0 oder das Internet der Dinge, wie die Digitalisierung und Vernetzung der Fertigung inzwischen heißt. Sick, weltweit führender Hersteller von Sensoren für die Industrieautomatisierung, hat früh erkannt, was kommen würde. Schon im Jahr 2004 änderte das 1946 gegründete Unternehmen aus dem badischen Waldkirch seine Werbeaussage von „Sensor“ zu „Sensor Intelligence“. Der Erfolg der vergangenen Jahre bescherte Sick den Sprung von null auf Platz 13 unter den 20 Topmarken im deutschen Mittelstand.
„Wir haben uns schon lange mit der Digitalisierung in Fabriken beschäftigt“, sagt Robert Bauer, der das Familienunternehmen mit gut einer Milliarde Euro Umsatz und fast 7000 Mitarbeitern seit 2006 als Vorstandschef führt. Sick sitze an einer Schnittstelle, nämlich genau dort, wo Signale aus Licht und Ultraschall in wertvolle Daten für die Fertigungssteuerung umgewandelt werden. Die Sensoren, die das Unternehmen baut, lesen beispielsweise Barcodes beim Paketversand oder bei der Gepäckabfertigung an Flughäfen. Auch in der Automobilfertigung oder in Verpackungsmaschinen kommen Sensoren von Sick zum Einsatz.
„Vor zwei oder drei Jahren hat man noch kaum über Sick gesprochen“, sagt Biesalski-Mann de Crignis, „auf einmal ist das Unternehmen präsent.“ Vor allem beeindruckt den Berater, dass der Mittelständler Großprojekte stemmen kann. So bestückt Sick etwa alle Mautbrücken, die hierzulande die Autobahngebühr für Lkws erheben, mit Sensoren. Als Referenzprojekt hat das Unternehmen außerdem ein Parkhaus gebaut, in dem Autos fahrerlos eingeparkt werden.
Platz 10 – Familie Werhahn
Mehr als 400 Familiengesellschafter zählt die Werhahn Gruppe mit Sitz in Neuss. Zum Unternehmen gehört die Messermarke Zwilling in Solingen, aber auch Baustoffe und Finanzdienstleistungen sind Teil des Portfolio. 1841 gründete Wilhelm Werhahn eine Holzhandlung in Neuss, in der auch Getreide, Dünger und Steine verkauft wurden. Noch heute sind die Nachkommen die alleinigen Eigentümer der Unternehmensgruppe. Es finden sich einige Familienmitglieder im Verwaltungsrat wieder. Die Geschicke der Firma werden in fünfter Generation durch Anton Werhahn (im Bild mit Finanzvorständin Kathrin Dahnke) gelenkt. Das Familienvermögen wird auf 2,9 Milliarden Euro geschätzt.
Datenquelle: Manager Magazin 2014
Foto: Photo: Wolfgang Bathe, Werhahn KGPlatz 9 – Familie Freudenberg
Zu den bekanntesten Marken der Freudenberg Gruppe mit Sitz in Weinheim gehören die Vileda Reinigungsprodukte. Freudenberg spielt aber in vielen anderen Industrien vorne mit – von der Automobilindustrie über Energie und Produktion, Gesundheit und Nahrungsmittel, Haushalt und Textil bis hin zu Dienstleitungen. Das Unternehmen wurde 1849 durch Heinrich Christian Heintze und Carl Johann Freudenberg als Gerberei für Kalbsleder gegründet. Nach dem Tod von Heintze 1874 wird Freudenberg alleiniger Firmeninhaber.
Ungefähr 320 Familienmitglieder haben Anteile am Unternehmen. Das Eigenkapital des Unternehmens beträgt 3,2 Milliarden Euro. Martin Wentzler (im Bild) ist Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Freudenberg & Co. KG und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Freudenberg SE. Neben ihm sind sechs weitere Familienmitglieder in den beiden Aufsichtsgremien tätig: Martin Freudenberg, Geschäftsführender Gesellschafter bei der Jumag Dampferzeuger GmbH in Heidelberg, die Biologin Dr. Maria Freudenberg-Beetz, die Supply Chain Managerin von Becton Dickinson, Maeva Kuhlich, Walter Schildhauer, Geschäftsführender Gesellschafter der speedwave GmbH, Mathias Thielen, Managing Director der Credit Suisse AG und der Rechtsanwalt PD Dr. Emanuel V. Towfigh.
Foto: PressePlatz 8 – Familie Miele und Zinkann
Die beiden Unternehmerfamilien prägen von Anfang an das Unternehmen Miele. 1899 gründeten Techniker Carl Miele und Kaufmann Reinhard Zinkann in der Nähe von Gütersloh eine Firma zu Herstellung von Milchzentrifugen. Daraus wuchs der heute weltweit aufgestellte Miele-Konzern. Das Unternehmen stellt Geräte für die Küche, Wäsche- und Bodenpflege für den Privatbereich und den gewerblichen Einsatz her. Familie Miele hält 51 Prozent der Anteile, die Familie Zinkann die restlichen 49 Prozent. Mittlerweile ist das Unternehmen in vierter Generation der Familie und kommt auf rund 60 Gesellschafter. Markus Miele (l.) und Reinhard Zinkann übernahmen 2004 Aufgaben in der Geschäftsführung. Das Familienvermögen wird mit 4,4 Milliarden Euro beziffert.
Foto: CLARK/obsPlatz 7 – Familie Siemens
1847 gründet Werner von Siemens die Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin und legt mit dem Handwerksbetrieb den Grundstein für den heutigen internationalen Konzernriesen Siemens, Anbieter von Technologielösungen für Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Der schätzungsweise 150 Personen starke Familienclan hat schrittweise mehr und mehr Macht in der Kontrolle des Konzerns abgegeben. Einziges Familienmitglied im Aufsichtsrat ist Nathalie von Siemens. Sie ist auch Geschäftsführerin und Sprecherin der Siemens-Stiftung. Die Familie hält mittlerweile noch rund sieben Prozent der Anteile am Unternehmen. Das Vermögen der Siemens Dynastie wird auf fünf Milliarden Euro geschätzt.
Foto: PressePlatz 6 – Familie Merck
Mittlerweile 13 Generationen reicht die Tradition der Unternehmerfamilie zurück. 1668 gründete Friedrich Jacob Merck das Unternehmen mit einer Apotheke in Darmstadt. Rund 200 Personen umfasst der Familienclan heute, davon sitzen 130 im Gesellschafterausschuss. Dieser bestimmt wiederum neun Personen, die die Gesellschafter im sogenannten Familienausschuss vertreten. Das Familienvermögen wird auf 6 Milliarden Euro geschätzt.
Das älteste Pharmaunternehmen der Welt aus Darmstadt zählt bis heute zu den wichtigsten Unternehmen der Branche. Öffentlicher Vertreter des Familienclans ist Frank Stangenberg-Haverkamp als Vorsitzender im Aufsichtsrat. Er löste Anfang 2014 Joe Baumhauer ab, der aus Altersgründen ausschied. Beide sind direkte Nachkommen des Gründers in elfter Generation.
Foto: dpaPlatz 5 – Familie Haniel
Die Ursprünge des Familienunternehmens reichen bis ins Jahr 1756 zurück. Damals gründete Jan Willem Noot, der Großvater von Franz Haniel, dem eigentlichen Treiber des Firmenaufbaus, ein Kolonialwarengeschäft in Duisburg. Der Hauptsitz des Konzerns befindet sich heute noch dort. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem wichtigen Spieler in der Schwerindustrie. Es betrieb Schifffahrtslinien, Kohleminen und Eisenhandelsfirmen. Heute liegt der Schwerpunkt auf internationalem Handel und Dienstleistungen. Bekannteste Marken im Portfolio des Mischkonzerns sind der Handelsriese Metro und der Wäschemietservice CWS-boco. Mittlerweile gehören mehr als 600 Personen zum Haniel Clan. Das Vermögen der Dynastie beläuft sich geschätzt auf 6,5 Milliarden Euro.
Franz M. Haniel, hier rechts im Bild gemeinsam mit Metro-Chef Olaf Koch, vertritt die sechste Generation der Familiendynastie. Er ist seit 2003 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Franz Haniel & Cie. GmbH und seit 2007, mit kurzer Unterbrechung in den Jahren 2010/2011, auch bei der Metro AG. Er war nie im operativen Bereich des Konzerns tätig. 1917 hatte die Familie festgeschrieben, dass Kapital und Konzernführung strikt getrennt sein sollen.
Foto: dpaPlatz 4 – Familie Heraeus
Die Familie Heraeus steht in vierter Generation mit nur einem bekannten Gesicht in der Öffentlichkeit. Jürgen Heraeus ist heute Vorsitzender des Aufsichtsrats und des Gesellschafterausschusses der Heraeus Holding GmbH. Er durchlief die unterschiedlichsten Stationen und Positionen im weltweit aufgestellten Unternehmen unter anderem als Geschäftsführer der Heraeus GmbH sowie der Holding des Konzerns. Unter seiner Führung wuchs das Unternehmen zum Weltkonzern. Das Gesamtvermögen der Familie wird mit 6,5 Milliarden Euro beziffert. Das Unternehmen hat seinen Ursprung 1851 in einer Apotheke in Hanau. Erfolgreich wurde Gründer Wilhelm-Carl Heraeus durch die Entwicklung einer Methode zur Platinschmelzung. Heute ist das Unternehmen führender Anbieter von Komponenten und Materialsystemen im Bereich Edelmetalle. Der Konzern liefert an unterschiedlichste Industrien, darunter Stahl, Elektronik, Chemie, Automobil und Telekommunikation.
Foto: dpaPlatz 3 – Familie Porsche
Der Porsche-Clan ist in der Öffentlichkeit öfters anzutreffen, teils freiwillig, teils unfreiwillig. Die Cousins bemühen sich um zwar um ein geschlossenes Auftreten. Dass sich die beiden Hauptakteure der zweiten Familiengeneration, Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche, jedoch nicht immer einig sind, ist spätestens seit der großen Übernahmeschlacht zwischen Volkswagen und Porsche weitläufig bekannt. Die beiden Familienstränge des rund 60-köpfigen Clans halten gemeinsam in der Porsche Holding SE 50,7 Prozent der Volkswagenanteile. Das Gesamtvermögen der Porsche-Dynastie beläuft sich auf zehn Milliarden Euro. Bei der Aufgabenverteilung im Gesamtkonzern sind die beiden Cousins eng verwoben: Ferdinand Piëch ist Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Volkswagen und MAN und Mitglied des Aufsichtsrats der Porsche AG und der Porsche SE. Wolfgang Porsche ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Porsche AG und der Porsche SE und Mitglied des Aufsichtsrats von Volkswagen. Der Großvater der beiden, Ferdinand Porsche, galt als großer Erfindergeist und wirkte unter anderem bei Daimler und Volkswagen bei entscheidenden Entwicklungen mit. Seine Kinder Ferry Porsche und Louise Piëch gründeten das Unternehmen Porsche Konstruktionen GmbH 1947 in Österreich.
Foto: dpa, MontagePlatz 2 – Familie Henkel
Die Düsseldorfer Unternehmerfamilie betreibt den Henkel-Konzern mittlerweile in fünfter Generation. Das Gesamtvermögen der Familie beläuft sich geschätzt auf 20 Milliarden Euro. Der Familienclan hat heute über 100 Mitglieder. Das Unternehmen wurde 1876 von Fritz Henkel und zwei Compagnons in Aachen als Waschmittelfirma gegründet. Heute ist das Dax-Unternehmen weltweit mit Marken wie Persil, Schwarzkopf oder Loctite in drei Geschäftsfeldern tätig: Wasch- und Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe.
Auf dem Bild ist eine der wichtigsten Akteure der Familiendynastie zu sehen: Simone Bagel-Trah ist eine direkte Nachfahrin vom Unternehmensgründer. Sie ist seit 2009 Vorsitzende des Aufsichtsrats und Gesellschafterausschuss von Henkel. Sie folgte damit auf Albrecht Woeste, der diese Aufgabe seit 1990 wahrnahm. Er ist einer der Urenkel des Gründers. Ein weiterer wichtiger Kopf der Familie, Christoph Henkel, Nachfahre vom Bruder des Firmengründers, ist seit 1994 stellvertretender Vorsitzender des Gesellschafterausschuss. Er setzt sich vor allem für Nachhaltigkeitsthemen ein und trägt die Ehrendoktorwürde der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.
Foto: PressePlatz 1 - Familie Brenninkmeijer
Die niederländische Unternehmerfamilie mit Wurzeln im westfälischen Mettingen bringt es auf ein Gesamtvermögen von 21,5 Milliarden Euro. Das macht sie mit Abstand zur reichsten Unternehmerfamilie in Deutschland. Das Unternehmen C&A wurde 1841 durch die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer in Sneek in den Niederlanden gegründet und trägt noch heute deren Initialen. Mittlerweile wird das Unternehmen in der sechsten Generation geführt. Es gehören mehr als 500 Personen zur Familiendynastie. Sie gelten als streng katholisch. Heute ist C&A in 21 europäischen Ländern zu finden und darüber hinaus auch in Brasilien, Mexiko und China.
Auf den Bildern sind drei Mitglieder der Unternehmerfamilie zu sehen. Dominic Brenninkmeijer (links) sanierte das deutsche Tochterunternehmen nach hohen Verlusten in 2000/2001 und war Vorsitzender der Geschäftsführung bis 2006. Bart Brenninkmeijer (rechts) hat 2006 den Vorsitz der Geschäftsführung von Cousin Dominic übernommen und ist seit 2012 Marketing Chef von C&A in Deutschland. Philipp Brenninkmeijer (Mitte) ist Schauspieler und gilt als der Rebell der Familie. Er ist aus dem Verbund ausgetreten und hat mit dem Unternehmen nichts am Hut.
Foto: dpa, Montage
Der Markt für Sensoren, wie Sick sie fertigt, hat derzeit ein jährliches Volumen von rund 40 Milliarden Euro, Tendenz stark steigend. Eine große Nische sei das, findet Vorstandschef Bauer, in der allerdings auch immer neue Anbieter versuchen, Fuß zu fassen. Aus China etwa kommen neue Konkurrenten, die allerdings zurzeit noch hauptsächlich einfache Sensoren anbieten, also nichts, womit sie den Badenern direkt auf den Leib rücken könnten.
Wie Delo setzt auch Sick auf aktives Marketing. Der Markenwert sei auch im Geschäft mit Unternehmen nicht zu unterschätzen, sagt Bauer. „Auch wenn eine Anlage jeden Tag eine Million Kekse herstellt, muss sie absolut zuverlässig arbeiten“, sagt der Sick-Chef. „Und dass sie das kann, muss man dem Kunden glaubhaft erklären.“ Der Markenauftritt müsse darum realistisch und nachvollziehbar sein. „Marketingsprüche wie ,Wir können alles‘ gehen in unserem Geschäft gar nicht.“
Platz 15: Bender
Standort: Grünberg
Unternehmensfokus: Elektrotechnik
Umsatz 2014: 100 Mio. Euro
Innovationsscore: 163
Um Deutschlands innovativste Mittelständler zu ermitteln, wertete die Unternehmensberatung Munich Strategy Group (MSG) zunächst die Daten von 3300 deutschen Unternehmen aus, die zwischen zehn Millionen und einer Milliarde Euro umsetzen. Die Berater analysierten Jahresabschlüsse und Präsentationen, sprachen mit Kunden und Branchenexperten sowie Geschäftsführern, Inhabern und Beiräten der Unternehmen.
Nach den Experteninterviews und Erfolgsanalysen nahm MSG 400 Unternehmen in die engere Wahl. Für jedes errechnete die Beratung einen eigenen Innovations-Score. Dabei achteten die Berater darauf, dass sich das Unternehmen durch ständige Neuheiten auszeichnet, von Wettbewerbern als innovativ angesehen wird und eine ideenfördernde Kultur etabliert hat. Zudem flossen zu einem Drittel auch wirtschaftliche Indikatoren wie Umsatz- und Gewinnwachstum in die Bewertung ein. „Ein innovatives Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es mehr als 25 Prozent seines Umsatzes mit Produkten macht, die erst in den vergangenen vier Jahren entstanden sind“, sagt MSG-Gründer und Studienleiter Sebastian Theopold.
Das erste Ranking dieser Art hatte MSG im vergangenen Jahr für die WirtschaftsWoche erstellt (Heft 15/2014). Anders als im Vorjahr haben es diesmal auch viele Hersteller von Konsumprodukten unter die Top 50 geschafft, so etwa Ravensburger (Spiele), Rügenwalder (Wurst) oder Soldan (Bonbons).
Der Großteil der Innovations-Champions entstammt allerdings nach wie vor der traditionellen Paradedisziplin des deutschen Mittelstands: dem Maschinenbau.
Foto: PRPlatz 14: Biotest
Standort: Dreieich
Unternehmensfokus: Bioheilmittel
Umsatz 2014: 582 Mio. Euro
Innovationsscore: 164
Platz 13: Rapunzel
Standort: Legau
Unternehmensfokus: Biolebensmittel
Umsatz 2014: 169 Mio. Euro
Innovationsscore: 166
Unternehmensgründer Joseph Wilhelm bringt jährlich etwa 20 neue Produkte auf den Markt. Die ersten Müslis des 1974 gegründeten Unternehmens mischte er noch selbst in der Badewanne. Um Kontrolle über die Herkunft der Zutaten zu haben, initiiert das Unternehmen selbst Anbaustrategien und kauft direkt vom Bauern.
Foto: PRPlatz 12: Metabo
Standort: Nürtingen
Unternehmensfokus: Elektrowerkzeuge
Umsatz 2014: 374 Mio. Euro
Innovationsscore: 167
Foto: PR
Platz 11: Brückner
Standort: Siegsdorf
Unternehmensfokus: Folienmaschinen
Umsatz 2013: 754 Mio. Euro
Innovationsscore: 171
Platz 10: Sennheiser
Standort: Wedemark
Unternehmensfokus: Mikrofone
Umsatz 2014: 635 Mio. Euro
Innovationsscore: 172
Platz 9: Rügenwalder Mühle
Standort: Bad Zwischenahn
Unternehmensfokus: Wurst
Umsatz 2014: 175 Mio. Euro
Innovationsscore: 173
Platz 8: Ravensburger
Standort: Ravensburg
Unternehmensfokus: Spiele
Umsatz 2014: 373 Mio. Euro
Innovationsscore: 175
Platz 7: Beumer
Standort: Beckum
Unternehmensfokus: Fördertechnik
Umsatz 2014: 680 Mio. Euro
Innovationsscore: 177
Platz 6: Balluff
Standort: Neuhausen a.d. Fildern
Unternehmensfokus: Sensortechnik
Umsatz 2013: 335 Mio. Euro
Innovationsscore: 178
Platz 5: Hansgrohe
Standort: Schiltach
Unternehmensfokus: Armaturen
Umsatz 2014: 874 Mio. Euro
Innovationsscore: 182
Platz 4: Rimowa
Standort: Köln
Unternehmensfokus: Koffer
Umsatz 2014: 275 Mio. Euro
Innovationsscore: 185
Platz 3: Infiana
Standort: Forchheim
Unternehmensfokus: Spezialfolien
Umsatz 2014: 200 Mio. Euro
Innovationsscore: 186
Platz 2: Kaeser Kompressoren
Standort: Coburg
Unternehmensfokus: Druckluftsysteme
Umsatz 2013: 650 Mio. Euro
Innovationsscore: 188
Platz 1: Rational
Standort: Landsberg am Lech
Unternehmensfokus: Großküchengeräte
Umsatz: 497 Mio. Euro
Innovationsscore: 192
Der Gewinner: Herrenknecht
Eigentlich hat Martin Herrenknecht mit seinem Unternehmen alles erreicht, was man erreichen kann. Der 73-Jährige aus Lahr im Schwarzwald ist seit Jahren unangefochtener Weltmarktführer bei Maschinen zum Tunnelbau, sogenannten Tunnelvortriebsmaschinen. Der Umsatz des Unternehmens aus Baden-Württemberg steigt Jahr für Jahr, zuletzt auf 1,1 Milliarden Euro.
Herrenknecht zieht in seinem Markt, der weltweit ein jährliches Volumen von 1,6 Milliarden Euro umfasst, stets die spektakulärsten Aufträge an Land. Seine Maschinen gruben beispielsweise mit am Gotthard-Basistunnel, einer 57 Kilometer langen Eisenbahnröhre durch die Alpen, und sie bohren am Eurasia-Tunnel unter dem Bosporus. Kein Wunder, dass Herrenknecht zum dritten Mal den ersten Platz im Markenranking der deutschen Mittelständler belegt.
Und doch kommt der Ingenieur, der das Unternehmen, das heute rund 4900 Mitarbeiter beschäftigt, im Jahr 1977 gründete, nicht zur Ruhe. „Mein Sohn ist in der Firma“, lächelt Herrenknecht, „der ist ruhig und seriös, gar nicht überheblich. Sehen will man in der Welt aber mein Gesicht.“
Alles im Griff: Henrik Schunk (l.) leitet den Marktführer für Greifsysteme mit Schwester Kristina und Vater Heinz-Dieter.
Foto: Presse
Ständig denkt der Firmenchef über mögliche neue Projekte nach. Einen Tunnel durch die Beringstraße bei Alaska zu graben sei technisch durchaus machbar, schwärmt er. Auch bringt Herrenknecht sich für ein Megavorhaben der chinesischen Regierung ins Spiel: Mithilfe einer riesigen Röhre will Peking Wasser aus dem Süden des Riesenreichs in den trockenen Norden pumpen und damit 400 Millionen Menschen versorgen. „Wasser wird in Zukunft ohnehin wichtiger als Öl werden“, glaubt Herrenknecht. Mehr als 90 Prozent seines Umsatzes erzielt der Mittelständler im Ausland. Egal, ob in den USA, Saudi-Arabien oder auch Ägypten, wo Herrenknecht zurzeit vier Maschinen für einen Tunnel unter dem Suezkanal liefert, überall sei fortschrittliches Marketing enorm wichtig.
Die Kunden dort wollen genau wissen, mit wem sie sich für solche Milliardenprojekte einlassen. Bei Preisen für Herrenknechts Maschinen zwischen 30 und 50 Millionen Euro ist das verständlich. Schon vor 16 Jahren hat der Chef und Gründer darum einen Marketingmanager eingestellt. „Aber wir übertreiben es nicht“, sagt Herrenknecht. Ganz in der Tradition eines deutschen Mittelständlers nehme man sich stets etwas zurück. In der Firma haben sie dafür einen Vergleich: „Wir tragen den silbernen Helm, nicht den goldenen“, sagen die Mitarbeiter, das sporne an, sich weiter anzustrengen. „Vielleicht ist das altmodisch“, sagt Herrenknecht, „aber besser klein anfangen und groß aufhören, als umgekehrt.“
Der Vorreiter: Schunk
„Jens Lehmann verkörpert Dynamik, Biss, Siegeswillen und Überlegenheit“, sagt Henrik Schunk, „also genau die Werte, für die die Marke Schunk steht.“ Das Unternehmen aus Lauffen am Neckar ist Weltmarktführer für Greifsysteme und Spanntechnik, wie sie etwa bei Industrierobotern verbaut werden. Vor drei Jahren verpflichtete Schunk den früheren deutschen Fußballnationaltorhüter Jens Lehmann als Markenbotschafter. „Es gelang, unseren Kernkompetenzen, nämlich dem präzisen Greifen und dem sicheren Halten, ein Gesicht zu geben“, sagt Henrik Schunk, der das Familienunternehmen gemeinsam mit seiner Schwester Kristina I. Schunk und seinem Vater Heinz-Dieter Schunk führt.
Dank Lehmann gelang Schunk das Kunststück, seine nüchternen und sehr sachlichen Produkte zu emotionalisieren. Das Unternehmen mit 2300 Mitarbeitern und einem Umsatz von 325 Millionen Euro im vergangenen Jahr verfolgt diese Strategie, um im Ausland zu expandieren.
1989 gründete Schunk die ersten Niederlassungen in der Schweiz und Belgien. Es folgten die USA, Frankreich, Schweden und kürzlich auch China. Insgesamt hat das 1945 gegründete Unternehmen heute 30 Tochtergesellschaften im Ausland. In den kommenden zehn Jahren soll es zu einem der bekanntesten Global Player im Maschinenbau werden. Das jedenfalls will Geschäftsführer Henrik Schunk, der Platz elf des Markenrankings belegt und seine Mannschaft unermüdlich antreibt.
Fest steht, dass der Mittelständler vom Neckar in einem absoluten Wachstumsmarkt unterwegs ist. Der Trend zur Digitalisierung der industriellen Fertigungsprozesse dürfte Schunk in den kommenden Jahren einen kräftigen Schub geben. Die Voraussetzungen dafür schafft das Unternehmen durch intensive Forschung. Rund acht Prozent des Umsatzes fließen bei Schunk in die Entwicklung neuer Produkte und Lösungen. Das Unternehmen hält etwa 160 Großpatente, die jeweils mehrere Produkte umfassen.
Schunk nehme in seiner Branche eine Vorreiterrolle ein, sagt Biesalski-Mitarbeiter de Crignis. Die Greifer und Haltesysteme von Schunk findet man unter anderem in den Fabriken aller europäischer Autohersteller, aber auch bei Bosch und Airbus, beim Uhrenhersteller Rolex und in der Konsumgüterindustrie.
Guter Riecher: Mennekes
Walter Mennekes zeichnet sich aus durch einen guten Riecher für neue Trends und Märkte. Schon 1995 – der Boom in China hatte noch gar nicht richtig begonnen – startete Mennekes ein Joint Venture in der Nähe von Shanghai. Sieben Jahre später eröffnete der Chef des Mittelständlers aus Kirchhundem im Sauerland eine Fabrik in Nanjing, die ausschließlich für den chinesischen Markt fertigt: Stecker und Steckverbindungen für den Einsatz in der Industrie.
Auch als sich die Elektromobilität als Zukunftsthema ankündigte, wusste Mennekes, was zu tun ist. „Stecker, das sind wir, diesen Stecker müssen wir bauen“, sagte er, als die europäische Autoindustrie nach Ladevorrichtungen für die künftigen Autos verlangte. Mennekes entwickelte einen Stecker und wurde belohnt: Im Frühjahr vergangenen Jahres erklärte das EU-Parlament den Stecker aus dem Sauerland zum europaweiten Standard.
„Ein Verständnis, sich in einem dynamischen Markt richtig und zukunftsfähig auszurichten“, bescheinigt Biesalksi-Berater de Crignis dem Unternehmen, das im Markenranking auf Platz 14 landete. Walter Mennekes’ Vater Aloys hatte das westfälische Unternehmen 1935 gegründet. Heute beschäftigt Mennekes rund 1000 Mitarbeiter, die Hälfte davon am Stammsitz, und kam 2014 auf einen Umsatz von 130 Millionen Euro.
Im Vergleich mit dem Ranking vor zwei Jahren hat das Unternehmen einen Rang verloren. Ein Grund: die vagen Aussichten beim Geschäft mit der Elektromobilität. Auch wenn die Stromer von der Regierung gefördert würden, wären sie für Mennekes erst in etwa fünf Jahren ein großes Geschäft.