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Hans Van Bylen übernimmt HenkelSo tickt der neue Henkel-Chef

Nach Abgang des hyperaktiven Kasper Rorsted setzt der Henkel-Clan mit Hans Van Bylen auf Ruhe und Kontinuität in der Chefetage. Doch Anleger fürchten Langeweile und Stagnation – nicht zu Unrecht.Mario Brück 25.01.2016 - 12:00 Uhr

Hans Van Bylen

Foto: Henkel

Ein besseres Abgangszeugnis hätte sich Kasper Rorsted nicht mal selber schreiben können: Nachdem der amtierende Henkel-Chef am vergangenen Montag seinen Abgang verkünden ließ, brach der Aktienkurs um vier Prozent ein. Bei seinem künftigen Arbeitgeber Adidas sauste der Kurs des Sportartikelherstellers um zwölf Prozent hoch. Unterm Strich verlor Henkel an dem Tag knapp zwei Milliarden Euro an Wert, Adidas legte um gut eine Milliarde zu. Ist Rorsted also drei Milliarden Euro wert?

Fakt ist: Bei Henkel hinterlässt der vorzeitige Abgang des dänischen Überfliegers eine gewaltige Lücke, die sein Nachfolger schwer wird schließen können. Hans Van Bylen, unternehmensintern als treuer Konzernsoldat bekannt, wirkte zehn Jahre unauffällig als Vorstand der Kosmetiksparte mit der Topmarke Schwarzkopf. Nun muss er ins Rampenlicht, Eigentümer und Mitarbeiter begeistern.

Kosmetikriesen: Henkel und Procter & Gamble im Vergleich
Umsatz und Gewinn der Kosmetikparten.Quelle: Unternehmen
Produkte: Schwarzkopf, Syoss, DialGesamtumsatz(in Mrd. Euro): 16,4...davon Anteil an Kosmetika: 22%...davon Umsatz mit Kosmetika(in Mrd. Euro): 3,54...davon Gewinn mit Kosmetika(in Mio. Euro): 554
Produkte: Head & Shoulders, Pantene, WellaGesamtumsatz(in Mrd. Euro): 77,6...davon Anteil an Kosmetika: 24%...davon Umsatz mit Kosmetika(in Mrd. Euro): 18,2...davon Gewinn mit Kosmetika(in Mrd. Euro): 2,6

Immerhin: Wenn Rorsted wirklich so ein herausragender Manager ist, sollte er seinen Noch-Arbeitgeber so gut aufgestellt hinterlassen, dass das börsennotierte Familienunternehmen nicht im Chaos versinkt. Seinen Posten wird er Ende April räumen. Das zeugt von Weitsicht der Gesellschafter, voran Simone Bagel-Trah als Oberhaupt des Henkel-Clans. So kann Van Bylen mit seinen Vorstandskollegen federführend an der neuen, Henkel-üblichen Vierjahresstrategie arbeiten, die im November verkündet werden soll.

Die Experten der internationalen Unternehmensberatung OC&C Strategy analysieren jährlich, wer die weltweit führenden Konsumgüterhersteller nach Umsatz sind. Mit Henkel hat es lediglich ein deutsches Unternehmen in die Top 50 geschafft. Die Ergebnisse im Überblick.

Foto: dpa

Rang 41: Henkel

Als einziges deutsches Unternehmen hat es Henkel unter die Top 50 geschafft mit einem Umsatz von 9,96 Milliarden US-Dollar. Mit 9,8 Prozent Wachstum konnten die Düsseldorfer, die Marken wie Persil, Pril, Perwoll, Weißer Riese und Spee vertreiben weit über dem internationalen Branchenschnitt wachsen. An die Umsätze der internationalen Konkurrenz kommt der Konzern aber nicht heran.

Foto: dpa

Rang 10: L’Oreal

Der derzeit größte Kosmetikhersteller der Welt stammt aus Frankreich. Mit Marken wie L’Oreal Paris, Garnier, Essie, Lancôme und Body Shop kommt das Unternehmen auf einen Umsatz von 28 Milliarden US-Dollar.

Foto: REUTERS

Rang 9: Mondelez

Der Lebensmittelkonzern Mondelez hat seinen Sitz in Chicago. Ursprünglich wurde das Unternehmen 1903 als Kraft Foods gegründet. Heute beträgt der Umsatz 29,6 Milliarden US-Dollar. Der US-Konzern ist unter anderem für seine Kaffee-Marken bekannt (Jacobs, Tassimo, Kaffee Hag). Er vertreibt aber auch Schokolade (Milka), Schokoriegel (Daim, Oreo), und Fertigprodukte (Miracoli).

Foto: AP

Rang 8: Tyson Foods

Auf Rang 8 findet sich mit Tyson Foods ein weiteres US-Unternehmen. Tyson Foods vermarktet Hähnchen-, Rind- und Schweinefleisch und beliefert unter anderem McDonald’s, Burger King, Wendy’s, Wal-Mart, Taco Bell und Kentucky Fried Chicken. Insgesamt generiert das Unternehmen einen Umsatz von 41,4 Milliarden US-Dollar.

Foto: REUTERS

Rang 7: AB InBev

Die belgische Brauerei AB InBev vertreibt 200 Marken in mehr als 140 Ländern. Zu den in Deutschland bekanntesten Marken zählen Budweiser, Corona, Beck’s, Leffe, Diebels und Hasseröder. 2014 produzierten die Belgier 411 Millionen Hektoliter Bier und hatten damit ein Fünftel des Weltmarkts inne. Der Umsatz 2015 betrug 43,6 Milliarden US-Dollar.

Foto: AP

Rang 6: Coca-Cola Company

Der größte Softdrinkhersteller der Welt belegt mit einem Umsatz von 44,3 Milliarden US-Dollar Rang 6. Die bekanntesten Produkte sind Coca-Cola, Fanta, Sprite, Lift, Bonaqa, Apollinaris und Nestea. Zwei Drittel des Gesamtumsatzes werden außerhalb der USA generiert – Coca-Cola exportiert seine Getränke in rund 200 Ländern.

Foto: REUTERS

Rang 5: JBS
Rang 5 wird ebenfalls nicht von einem US-Unternehmen belegt. Die brasilianische Aktiengesellschaft JBS (José Batista Sobrinho Sociedade Anómina) ist der größte Fleischproduzent der Welt. Mit der Verarbeitung und dem Vertrieb von frischem und gefrorenem Fleisch generiert das Unternehmen einen Umsatz von 47,9 Milliarden US-Dollar.

Foto: dpa

Rang 4: Unilever

Der niederländisch-britische Konzern Unilever erreicht mit einem Umsatz von 59,1 Milliarden US-Dollar Rang 4. Die Hauptgeschäftsbereiche umfassen die Produktion von Kosmetika und Körperpflege-Produkten, Nahrungsmitteln sowie Haushaltsprodukte. Bekannte Marken aus dem Lebensmittelbereich sind unter anderem Ben & Jerry’s, Bifi, Knorr, Langnese, Lätta, Rama. Im Kosmetik- und Körperpflegebereich ist Unilever für Axe, Dove, duschdas und Rexona bekannt.

Foto: REUTERS

Rang 3: PepsiCo

Zwar kann PepsiCo auf dem Getränkemarkt noch nicht an der Coca-Cola Company vorbeiziehen – was den Gesamtumsatz betrifft, hängt der Getränke- und Lebensmittelkonzern Coca-Cola allerdings ab. 63,1 Milliarden US-Dollar Umsatz generierte PepsiCo vergangenes Jahr. Neben seiner Getränkemarke Pepsi produziert der Konzern unter anderem 7 Up und die Chips der Marke Lay’s.

Foto: AP

Rang 2: Procter & Gamble

Der US-amerikanische Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble belegt mit einem Umsatz von 75,8 Milliarden US-Dollar Rang 2. Mit Marken wie Always, beld-a-dent, Braun, Febreze, Gucci (Foto), Gilette, Hugo Boss, Lacoste, Pampers, Wella, Swiffer und Wick kommt wohl kaum ein Verbraucher an den Produkten des Konzerns vorbei.

Foto: REUTERS

Rang 1: Nestlé AG

Mit einem Umsatz von 92,4 Milliarden US-Dollar führt das Schweizer Unternehmen das Ranking an. Die Liste der Marken, die der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern vertreibt, ist lang: Zu den bekanntesten Produkten gehören die Frühstücksflocken Nestlé Corn Flakes, die Kaffeemarken Nescafé und Nespresso sowie die Wassermarken S. Pellegrino und Vittel.

Foto: dpa

Rorsted hatte zuletzt bei Henkel mit schleppenden Geschäften in Russland, den USA und China zu kämpfen. Diese Probleme muss der 54-jährige Belgier Van Bylen in Angriff nehmen. Die Rendite beim Konsumgüterkonzern weiter in die Höhe zu treiben wird für den dreifachen Familienvater nach Einschätzung von Analysten schwierig. Schließlich trimmt sein Vorgänger seit acht Jahren Henkel brutal auf Profit.

Damit er bei dieser Herausforderung stets die Nerven behält, dürfte Van Bylen seinen Schokoladenkonsum weiter steigern. Enge Mitarbeiter berichten, dass die braunen Tafeln vor ihm nirgendwo sicher seien, besonders belgische Schokolade. Im Notfall täte es aber auch Schokolade aus der Schweiz.

Adidas

Warum sich Kasper Rorsted schwertun wird

von Peter Steinkirchner und Mario Brück

Freunde und Gegner

Van Bylen gehört dem Henkel-Vorstand seit mehr als zehn Jahren an, etwa doppelt so lange wie die anderen vier Vorstände. Seit 32 Jahren ist er bei Henkel: Als 23-jähriger Außendienstler für Waschmittel stieg er 1984 bei den Düsseldorfern ein. Er kennt Marken und Märkte und hat die Kosmetik zu einer soliden Sparte mit einem Umsatz von 3,6 Milliarden Euro und einer Umsatzrendite von 15,3 Prozent geformt.

Zudem wird van Bylen eine große Fähigkeit bescheinigt, Talente zu fördern und Führungskräfte zu entwickeln. So stammen die Vorstandskollegen Carsten Knobel (Finanzen) und Bruno Piacenza (Waschmittel) aus seiner Schmiede, dem Führungsteam im Kosmetikgeschäft. Sie dürften auch weiter eng an seiner Seite stehen. Auch seine ehemalige Marketingchefin Tina Müller hat Karriere gemacht: Sie ist heute Marketingvorstand bei Opel.

Henkel-Chefin Simone Bagel-Trah

"Das ist eine Zerreißprobe für Europa"

von Mario Brück, Stephanie Heise und Miriam Meckel

Immer wieder berichten allerdings Henkelaner von einer gewissen Janusköpfigkeit des Belgiers, der vor allem in seiner Sparte eine Schreckensherrschaft aus überzogenen Forderungen und öffentlichem Abmeiern führe. „Mit den Zahlen gehe ich nicht zu Hans. Da bringe ich mich lieber um“, ist ein Zitat, das in diesen Tagen die Runde macht.

Ziele und Visionen

Ein Topmanager, der lange eng mit Hans Van Bylen zusammengearbeitet hat, beschreibt den Belgier als „sehr soliden operativen Arbeiter, der aber alles andere als ein Visionär oder Stratege ist“. Van Bylen, der die Berge liebt und passioniert Ski fährt und joggt, sei vielmehr der Mann, der künftig das Geld für die Henkel-Familie zusammenhalten und in kleinen Schritten vermehren werde, so sein Urteil. Damit füllt Van Bylen offenbar die Strategie der Henkel-Erben mit Leben, vor der Rorsted Reißaus nahm: die Verwaltung des Status quo.

Auch Clanchefin Simone Bagel-Trah befeuert in diesen Tagen nicht gerade die visionäre Strahlkraft des Konzerns. „Wir wollen als Kern unserer Strategie weiter nachhaltiges Wachstum. Dazu gehört, dass größere Akquisitionen möglich sind.“ Das ist so wunderbar weichgespült, wie es selbst Vernell nicht hinbekommen würde. Wie Van Bylen bei der gewaltigen Herausforderung einen kühlen Kopf behalten will, wissen enge Mitarbeiter: Der Mann ist dafür berüchtigt, sein Büro und seinen Besprechungsraum immer auf frischen Temperaturen zu halten. Dort, so wird berichtet, sei es selten wärmer als 18 Grad Celsius. Van Bylen erklärt das damit, er könne so besser arbeiten.

Stärken und Schwächen

Bei Henkel polarisiert wohl kein Vorstandsmitglied mehr als Hans Van Bylen. „Hans ist ein unprätentiöser Manager, der hohe emotionale Kompetenz mitbringt“, sagt etwa Ernst Primosch, Deutschlandchef der internationalen Beratung Hill & Knowlton und langjähriger Weggefährte Van Bylens als Konzernsprecher bei Henkel. Andere Kollegen und Exmanager beschreiben Van Bylen bisweilen als ruppig im Umgang, destruktiv und extrem detailverliebt. So lasse er seinen Mitarbeitern wenig Raum. Zudem sei er versessen darauf, nicht aufzufallen.

Dabei musste der Kopf hinter der Henkel-Kosmetik mit Marken wie Schwarzkopf, Fa, Syoss oder Dial in der glamourösen Beautywelt oft im Rampenlicht stehen, Hände schütteln und Laufsteg-Schönheiten wie Heidi Klum oder Claudia Schiffer busseln. Doch bisher hat der Flame das Scheinwerferlicht schnell wieder verlassen. Er steht lieber etwas abseits und lächelt wohlwollend.

Auch intern hält sich Van Bylen seit Jahren abseits: Er residiert nicht wie andere Vorstände und Mitglieder des Gesellschafterausschusses im hochmodernen Neubau namens A33 auf dem Executive Floor im fünften Stock, sondern 100 Meter entfernt, in einem alten Backsteingebäude außerhalb des Firmengeländes. Das dürfte sich bald ändern.

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