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InvestmentlegendenVon Börsengurus und smarten Spekulanten

Ob Warren Buffett oder George Soros – was macht Profianleger zur Investmentlegende? Ist es ein hohes Maß an volkswirtschaftlichem Durchblick? Sind es quasi hellseherische Fähigkeiten, zukünftige Kursverläufe prognostizieren zu können? Ist es das unternehmerische Kalkül, neue erfolgreiche Finanzprodukte zu kreieren? Oder ein großes rhetorisches Talent, Zusammenhänge an den Märkten so originell wie möglich zu kommentieren? Wahrscheinlich ist es von allem etwas.Peter Hermann 18.04.2016 - 14:21 Uhr

Der in Ungarn geborene Börsenexperte und Bestsellerautor André Kostolany gilt als einer der sympathischsten Spekulanten, mit dem sich Generationen von Anlegern identifizierten.

Foto: dpa/dpaweb

Wer Investmentlegenden sucht, kommt am 20. Jahrhundert nicht vorbei. Denn erstens beginnt die Geschichte der modernen Aktienmärkte, wie wir sie kennen, erst kurz vor 1900 und zweitens braucht es zur Legendenbildung mehr als ein, zwei Jahrzehnte. Und natürlich kommen die ganz großen Trendsetter des Börsenhandels aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Mythos Wallstreet bildet den idealen Nährboden für die Entwicklung von Legenden.

Benjamin Graham - Vater des "Value Investing"

Einer der ganz Großen, der mit Fug und Recht als solcher bezeichnet werden kann, ist Benjamin Graham. Benjamin Graham (1894-1976), US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, gilt als Begründer der fundamentalen Wertpapieranalyse, die er in seinen Werken wie „Security Analysis“ von 1934 oder „The Intelligent Investor“ von 1949 einem breiten Publikum erörterte.

Benjamin Graham (1894 - 1976)

Graham wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, nachdem seine verwitwete Mutter alles Hab und Gut durch Aktienspekulationen verloren hatte. Der Ausnahmeschüler schloss bereits mit 20 Jahren sein Studium ab und arbeitete anschließend an der Wall Street, wo auch die New Yorker Börse beheimatet ist. Später lehrte er an der Columbia University Wirtschaftswissenschaften. Sein Buch "Security Analysis" (1934) gilt als Standardwerk, die spätere populärwissenschaftliche Version "Intelligent Investor" gilt als Bibel der sogenannten Value-Investoren und war ein Bestseller.

Foto: WirtschaftsWoche

André Kostolany (1906 - 1999)

In Budapest geboren kam Kostolany 1940 in die USA, wo er später bis 1050 eine Finanzfirma leitete. Legendär machten ihn jedoch Kolumnen, Vorträge und zahlreiche Bücher, die in acht Sprachen übersetzt wurden und sich millionenfach verkauften. Gemeinsam mit Gottfried Heller gründete er 1971 die Vermögensverwaltung Fiduka, eine der ältesten Deutschlands. Seine Börsenweisheiten aus seinen Veröffentlichungen und Auftritten werden noch heute gerne zitiert, zum Beispiel: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.“

Foto: dpa/dpaweb

Warren Buffett (geb. 1930)

Als Sohn eines Brokers erwarb Buffett seine ersten Aktien mit elf Jahren. Während des Studiums war Benjamin Graham einer seiner Professoren, später stieg Buffett in dessen Brokerunternehmen Graham-Newman als Wertpapieranalyst ein. Niemand setzte die Strategie Grahams an der Börse erfolgreicher um, fundamental unterbewertete Aktien günstig zu kaufen und auf ihre langfristige Wertentwicklung zu setzen. Buffett zählt heute zu den reichsten Menschen der Welt, sein Vermögen wird auf mehr als 60 Milliarden Dollar geschätzt. Es steckt fast vollständig in der von ihm selbst aufgebauten Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway, die große Aktienpakete an Unternehmen wie etwa Coca Cola, Wells Fargo, McDonalds und großen Versicherungen wie Geico oder Munich Re hält. Die Renditen seiner Investments haben sich meist weit überdurchschnittlich entwickelt und viele seiner Aktionäre reich gemacht.

Foto: REUTERS

George Soros (geb. 1930)

Geboren im ungarischen Budapest kam Soros 1956 in die USA und übernahm 1968 einen Hedgefonds, später folgten die berühmten Quantum-Fonds. Mit dem Kauf und Verkauf von Aktien der französischen Großbank Société Générale verdiente er 1988 Millionen, wurde aber mehr als zwei Jahrzehnte später wegen Insiderhandels bei diesen Geschäften verurteilt. Vor allem seine Wetten gegen - aus seiner Sicht überbewertete - Währungen wie das Pfund Sterling 1992 machten ihn berühmt und bescherten ihm Milliardengewinne. Soros geht mit seinen Geschäften offen um, zumal er sie häufig politisch begründet. 2008 war er mit einem Einkommen von 1,1 Milliarden Doller der bestbezahlte Hedgefondsmanager der Welt. Soros ist aber auch ein großer Menschenfreund, der sich für eine offene Gesellschaft engagiert und Milliarden spendet.

Foto: dpa

Jens Ehrhardt (geb. 1942)

Ehrhardt stieg bereits mit 27 Jahren als Partner in die Vermögensverwaltung Portfolio Management ein, gründete 1974 jedoch seine eigene Firma, die Dr. Jens Ehrhardt Vermögensverwaltung, die heute als DJA Kapital AG firmiert. Schon seine Doktorarbeit widmete sich dem Einfluss der Geldmengensteuerung durch die Notenbanken auf die Entwicklung der Börsenkurse. Seine Strategie orientiert sich bis heute an den Bestimmungsfaktoren der Aktienkurse jenseits der Unternehmen. Ehrhardts seit 1974 erscheinender Börsenbrief "Finanzwoche" gilt als einer der erfolgreichsten hierzulande und erscheint noch heute.

Foto: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Benjamin Graham ist der geistige Vater des von ihm so benannten „Value-Investing“. Diese Anlagestrategie, die bis zum heutigen Tage von zahlreichen Aktienfonds erfolgreich betrieben wird, setzt vereinfacht dargestellt in erster Linie auf substanzstarke, unterbewertete Gesellschaften. Nicht allein, dass Benjamin Graham ganz klar als Investmentlegende bezeichnet werden muss, er ist auch Lehrmeister und „geistiger Vater“ von jüngeren Börsengurus wie Warren Buffett und George Soros. 1973 erschien eine der weiteren Auflagen von Grahams „The Intelligent Investor“ unter der Mitarbeit von Warren Buffett.

Warren Buffett - Orakel von Omaha

Und das Warren Buffet bei Graham viel gelernt hat, ist offensichtlich. Buffett gilt als einer der reichsten Menschen auf diesem Planeten. Und die Liste huldvoller Titulierungen für den bescheidenen mann ist lang: vom Dalai Lama oder Mozart der Finanzwelt über das Orakel aus Omaha bis hin zur freundlichsten Heuschrecke der Welt. Tatsache ist jedenfalls, dass Buffetts Beteiligungsgesellschaft „Berkshire Hathaway Holding“ eines der profitabelsten Unternehmen der Welt ist.

Die Berkshire Hathaway Holding erwirtschaftete ihren Rekord-Gewinn im Jahr 2015: 24,1 Milliarden US-Dollar! Das Unternehmen ist in vielen unterschiedlichen Branchen vertreten. Neben dem neuesten Zukauf, dem  Eisenbahnunternehmen BNSF, ist Berkshire Hathaway an der Bank Wells Fargo oder am Versicherungskonzern Geico beteiligt. Darüber hinaus mischt Buffett in diversen anderen Bereichen wie der Bekleidungs-, Nahrungsmittel- oder der Immobilienbranche mit.

Warren Buffett hat seine erfolgreiche Anlagestrategie früh verinnerlicht. Als 19-jähriger Student der Wirtschaftswissenschaften stößt er auf den Klassiker seines Professors Benjamin Graham über die Analyse von Wertpapieren. Wie bereits angesprochen gilt es dabei, unterbewertete Aktien zu finden, frühzeitig zu kaufen und danach wenigstens so lange zu halten, bis diese ihren wahren Wert erreichen. Buffett wartet viele Jahre geduldig auf seine Chance. Dann jedoch trifft er die fällige Entscheidung schnell und vor allem komplett emotionslos.

Rang 10: DaVita HealthCare Partners und DirecTV

(Davita: WKN 897914; DirectTV: A1J1EZ)

DaVita HeathCare Partners ist eines der größten Nierenpflege-Unternehmen Amerikas mit mehr als 41.000 Beschäftigten. Warren Buffett hält 17 Prozent der Anteile – das entspricht einem Wert von 2,9 Milliarden US-Dollar. Genauso viel ist Buffetts sechs-Prozent-Beteiligung an DirecTV wert, dem größten Pay-TV-Anbieter der Welt mit rund 20 Millionen zahlenden Kunden.

Quelle: DPA

Foto: dpa

Rang 9: U.S. Bancorp

(WKN 917523)

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Minneapolis ist die fünftgrößte Bank der Vereinigten Staaten. Die Einlagen haben einen Wert von 341 Milliarden US-Dollar. Buffett besitzt 4,7 Prozent der Aktien – das entspricht einem Wert von 3,6 Milliarden Dollar.

Foto: AP

Rang 8: Procter & Gamble

(WKN 852062)

Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble ist bekannt für Marken wie Always, Braun, Dolce & Gabana, Febreze, Gilette, Pampers und viele mehr. Im vergangenen Jahr machte P&G einen Umsatz von mehr als 83 Milliarden Dollar. Buffett hält über seine Holding Berkshire Hathaway zuletzt 1,9 Prozent im Wert von 3,8 Milliarden Dollar.

Foto: dapd

Rang 7: Walmart

(WKN A14PRL)

Walmart ist mit fast 500 Milliarden Dollar Jahresumsatz das umsatzstärkste Unternehmen der Welt. Wegen der Ausbeutung des ohnehin schon schwachen Arbeitsrechts in den USA steht Walmart immer wieder in der Kritik. Den Wert des Investments für Buffett schmälert das allerdings nicht. Die 1,8-Prozent-Aktienanteile, die Buffett besitzt, sind rund vier Milliarden Dollar wert.

Foto: AP

Platz 6: Munich Re

(WKN 843002)

Das einzige deutsche Unternehmen auf der Liste ist die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Munich RE. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 56,31 Milliarden Dollar. Buffett hält 11,6 Prozent der Anteile – das entspricht einem Wert von 4,4 Milliarden Dollar.

Foto: dpa

Rang 5: American Express

(WKN 850226)

Als Buffett 1994 bei der Kreditkartenfirma American Express einstieg, investierte er 1,3 Milliarden Dollar. Der 15-Prozent-Anteil, den er damit erwarb, ist heute 11,7 Milliarden Dollar wert – ein lohnendes Investment.

Foto: AP

Rang 4: IBM

(WKN 851399)

IBM hat seit Jahren mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Auch der Aktienwert hat in den vergangenen drei Jahren um 20 Prozent nachgelassen – im gleichen Zeitraum legte der Dow Jones um 35 Prozent zu.

Foto: REUTERS

Platz 3: Coca Cola

(WKN 850663)

Buffetts Vorliebe für den Getränkeriesen ist hinlänglich bekannt. Im Alter von sechs Jahren verdiente der Milliardär sein erstes Geld, indem er Coca-Cola-Sixpacks für 25 Cent kaufte und die einzelnen Flaschen für jeweils fünf Cent wieder verkaufte. Schon damals wusste er, wir man aus Cola Kapital schlägt. Sein heutiger Anteil am Konzern betrug zuletzt gut neun Prozent und ist etwa 15,8 Milliarden Dollar wert.

Foto: REUTERS

Platz 2: Kraft Heinz

(WKN A14TU4)

Gemeinsam mit dem brasilianischen Investmentfonds 3G hatte Buffets Fonds Berkshire Hathaway Heinz im Jahr 2013 für 23 Milliarden Dollar gekauft. Buffett fädelte die im März beschlossene Megafusion der Lebensmittelriesen Heinz Ketchup und Kraft Foods mit ein. Nun ist er mit gut 26 Prozent bzw. etwa 23,5 Milliarden Dollar am fusionierten Konzern beteiligt.

Foto: REUTERS

Platz 1: Wells Fargo

(WKN 857949)

Wells Fargo ist die größte Position im Portfolio von Berkshire Hathaway. Knapp neun Prozent hält Buffett an der US-Großbank. Der Anteil entspricht einem Marktwert von etwa 25,4 Milliarden Dollar.

Foto: REUTERS

George Soros - der gewiefte Spekulant

Neben Warren Buffett gibt es mindestens noch einen weiteren Schüler Benjamin Grahams, der das Zeug zur waschechten Investmentlegende hat: George Soros. Der 1930 in Budapest geborene Soros besitzt einen Ruf wie Donnerhall. Der gewiefte Stratege hat wie kein anderer bewiesen, was eine gezielte Spekulation bewirken kann.

Der von ihm geführte Quantum Fund erlangte große Berühmtheit, weil sein spektakulärer Anlagestil alles bislang Dagewesene in den Schatten stellte. Die Abwertung des britischen Pfundes im September 1992, dem ein Kräftemessen zwischen dem Ungarn und der Bank of England vorausgegangen war, geht auf die Aktivitäten des Quantum Fonds zurück. Die Folge: Die Briten mussten das Europäische Währungssystem verlassen und Soros verdiente an diesem Coup angeblich etwa eine Milliarde US-Dollar.

André Kostolany - König der Börsen-Bonmots

Übrigens scheint Budapest eine ausgezeichnete Keimzelle für angehende Investmentlegenden zu sein. Denn auch ein europäischer Börsenguru ist hier geboren: André Kostolany. Und obwohl er es nie auch nur annähernd zu einem ähnlichen Vermögen gebracht hat wie seine US-amerikanischen Kollegen, schaffte es der sympathische Spekulant, dass sich Generationen von Anlegern mit ihm identifizierten.

Kostolany hielt die Massenpsychologie für die wichtigste Wissenschaft, um das Handeln der Marktteilnehmer zu verstehen. "Die Kursentwicklung hängt allein davon ab, ob mehr Dummköpfe als Papiere da sind oder mehr Papiere als Dummköpfe!" Überhaupt waren es seine flotten, mit Metaphern gespickten Sprüche, die ihn bereits vor seinem Tode 1999 zur Legende machten.

George Soros

"Europa? Gibt's doch nicht mehr"

von Gregor Peter Schmitz

Kostolany wird auch heute noch oft und gern zitiert. Standpunkte wie „Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren“ oder „Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt mit Sicherheit“ werden von Börsianern noch immer mit viel Spaß in ihre Gespräche eingeflochten.

Jens Ehrhardt - antizyklisch zur Börsenstimmung

Der jüngste Vertreter unserer kleinen Galerie der Investmentlegenden ist der Deutsche Jens Ehrhardt. Der Gründer einer eigenen Fondsgesellschaft, der DJE Kapital AG, hat sich schon immer konsequent sein eigenes Urteil gebildet und auf die Ansichten und Einschätzungen anderer selbsternannter Finanz-Experten verzichtet.

Bei Ehrhardt ist antizyklisches Vorgehen Programm: Er gilt als Spezialist für die so genannten Stimmungsindikatoren. Wenn die überwiegende Zahl der Anleger gegenüber dem Aktienmarkt positiv eingestellt ist, ist seiner Ansicht nach die beste Zeit an den Börsen vorüber. Der gebürtige Hamburger veröffentlicht seit Anfang der 1970er Jahre mit der "Finanzwoche" einen der erfolgreichsten Börsenbriefe Deutschlands.

Um noch einmal auf André Kostolanys zurückzukommen, einer seiner zahlreichen Buchtiteln lautete: „Die Kunst über Geld nachzudenken“. Wenn sich der deutsche Kabarettist Hanns Dieter Hüsch mit dem Metier beschäftigt hätte, wäre er vielleicht ebenfalls zur Investmentlegende geworden. Er hat einmal gesagt: „Die Kunst besteht darin, vorher nachzudenken.“

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