Aktien, Anleihen, Fonds: Die Anlagetipps der Woche
Rentable Dosis; Tabletten in Gerresheimer-Verpackungen.
Foto: obsAktientipp: Gerresheimer - Gesunder Trend in der Verpackungsindustrie
Das amerikanische Marktforschungsinstitut IMS Health rechnet damit, dass der weltweite Medikamentenverbrauch bis 2020 um mehr als ein Fünftel zunimmt, auf dann 4,5 Billionen Einzeldosierungen. Besonders hoch ist hierbei der Bedarf in den Schwellenländern, auch wenn die aktuelle Wirtschaftsschwäche dort zu einer vorübergehenden Verlangsamung führt. Gewinner des steigenden Medikamentenbedarfs sind nicht nur die großen Pharmahersteller, sondern auch Zulieferer wie das MDax-Unternehmen Gerresheimer, ein Spezialist für Pharmaverpackungen aus Glas und Kunststoff.
29 Prozent mehr Gewinn netto machte Gerresheimer im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2016 (bis 30. November). Der Gewinnsprung ist vor allem der im vergangenen Jahr übernommenen amerikanischen Centor zu verdanken, dem Marktführer bei Kunststoffbehältnissen für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA. Dank Centor dürfte in diesem Jahr nicht nur das Geschäftsvolumen auf 1,5 Milliarden Euro (plus neun Prozent) klettern.
Auch die Nettorendite (Reingewinn vom Umsatz) ist mit mehr als acht Prozent so hoch wie noch nie. Zum weiteren Gewinnanstieg wird auch beitragen, dass Gerresheimer das schwierige Geschäft mit Röhrenglas für 200 Millionen Euro verkaufen konnte. Zum Verkauf steht zudem die eher margenschwache Sparte Laborglas. Mit der Übernahme von Centor erzielt Gerresheimer nun ein Drittel seines Umsatzes im Dollar- Raum. Angesichts der Turbulenzen um den angeschlagenen Euro ist das kein Nachteil.
Aktientipp: Cisco - Schneller im iPhone und schlauer mit Watson
Der amerikanische Hightechkonzern Cisco ist im Umbruch. Treibende Kräfte sind die Megatrends Digitalisierung, Internet der Dinge und Mietsoftware via Internet (Cloud). Der damit verbundene enorme Anstieg des Datenverkehrs erhöht die Anforderungen an die Übertragungstechnik. Allein in Deutschland rechnet Cisco damit, dass bei der Vernetzung alltäglicher Dinge bis 2020 an die 800 Millionen Geräte verbunden werden müssen. Auf den neuen Boom ist Cisco gut vorbereitet. Auf politischer Ebene leistet der langjährige Konzernchef und heutige Chairman John Chambers Vorarbeit.
Als Schlüsselmärkte mit hohem technischem Know-how und vielversprechenden Startups gelten dabei Frankreich, Indien und Israel. Mehr als 15 junge Unternehmen hat Cisco seit einem Jahr übernommen, die vor allem auf die Themen Internetsicherheit, Mietsoftware und Digitalisierung spezialisiert sind. Technische Neuheiten kommen hinzu. Über eine neue Plattform von Cisco lässt sich der Datenverkehr von Applikationen leichter auswerten. Seinen Unternehmenskunden bietet Cisco ein neues System an, das die digitale Umstellung erleichtert; für Mietsoftware gibt es weitere Sicherheitstools. Mit dem Smartphone-Hersteller Apple arbeitet Cisco an einer gemeinsamen, schnellen Übertragungstechnik, mit der Unternehmen bestimmte Anwendungen bevorzugt einsetzen können.
Zudem wird Ciscos Kommunikationsplattform Spark in Apples iPhone integriert. Mit IBM läuft die Zusammenarbeit im Cloud-Geschäft, bei der auch IBMs Programm zur künstlichen Intelligenz (Watson) eingebaut wird. Der stabile Geschäftsverlauf und die führende Marktposition in der Übertragungstechnik machen Cisco zu einem Kerninvestment. Die Bilanz ist mit 52 Prozent Eigenkapitalquote gut gepolstert, in der Kasse liegen 35 Milliarden Dollar Cash.
Aktientipp: Capitaland - Immo-Blue-Chip zurück zu alten Kurshöhen
Hinter dem führenden Immobilienkonzern Südostasiens steht der singapurische Staatsfonds Temasek. Dieser kontrolliert 39,56 Prozent des Aktienkapitals. An der Börse wird Capitaland aktuell mit 13,1 Milliarden Singapur-Dollar bewertet, umgerechnet 8,8 Milliarden Euro. Das 45,6 Milliarden Singapur- Dollar schwere Immobilienvermögen besteht zu 76 Prozent aus Bestandsimmobilien, die wiederkehrende Einnahmen bescheren.
Den Rest führt Capitaland im Handelsbestand. In China befinden sich 46 Prozent der Vermögenswerte, dort vor allem in den elf Topmetropolen. Auf Singapur entfallen 36 Prozent. Zwölf Prozent verteilen sich auf das übrige Asien, wo die Konzernleitung Indonesien, Malaysia und Vietnam als neue Wachstumsmärkte auserkoren hat. Capitaland managt außerdem 15 Immobilienfonds für Private-Equity-Gesellschaften sowie fünf börsennotierte Real Estate Investment Trusts (REITs).
Im ersten Quartal 2016 erzielte der Immobilienkonzern bei 894,2 Millionen Singapur-Dollar Umsatz 458,2 Millionen Singapur-Dollar Gewinn vor Zinsen und Steuern. Das waren 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dazu beigetragen haben vor allem höhere Wohnungsverkäufe in Singapur, China und Vietnam. Die Bilanzkennziffern haben sich zuletzt verbessert. So erhöhte sich die sogenannte Interest Coverage Ratio (ICR) von 6,1 auf 6,3. Diese Kennzahl gibt Auskunft darüber, wie gut ein Unternehmen in der Lage ist, seine Zinsen zu zahlen.
Je höher der Wert, umso einfacher können die Zinsen aus dem operativen Ergebnis bestritten werden. Die durchschnittliche Verzinsung des Fremdkapitals liegt bei 3,5 Prozent. 2011 mussten noch 5,6 Prozent aufgebracht werden. Seit sieben Jahren läuft die Aktie seitwärts. Das Kursband hat sich zuletzt aber eingeengt. Ein Ausbruch nach oben machte den Weg frei bis zum alten Hoch bei sieben Singapur-Dollar. Für steigende Kurse spricht schon jetzt die zunehmende relative Stärke asiatischer Börsen.
Anleihetipp: Neuseeland - Kiwis locken mit Traumrenditen
Anleger zahlen Staaten Geld, damit sie ihnen welches leihen dürfen. Das ist verrückt, aber heute normal. Das Anleihevolumen mit negativen Renditen nimmt weltweit stetig zu. Die Ausnahme unter den Industrieländern: Neuseeland. Der Inselstaat im südlichen Pazifik bietet Anleihegläubigern noch positive Renditen – nominal und real. „Neuseeland war abseits des Radarschirms internationaler Anleger der performancestärkste Anleihemarkt in diesem Jahr“, sagt Enzo Puntillo. Der Leiter Fixed Income beim unabhängigen Vermögensverwalter GAM in Zürich setzt auf eine Fortsetzung der Dynamik. „Neuseeländische Staatsanleihen sind einer der wenigen risikolosen Märkte mit positiven Nominal- und Realzinsen und einer Zentralbank, die die Zinssätze tatsächlich noch senken kann.“ Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) war eine der wenigen Zentralbanken, die die Zinsen nach der Finanzkrise angehoben hatte.
Das verschaffte ihr Raum für Zinssenkungen. Davon machte die RBNZ auch Gebrauch. Seit Juni 2015 senkte sie den Leitzins um 1,25 Prozentpunkte auf aktuell 2,25 Prozent. Bei einer Teuerungsrate, die sich zuletzt auf 0,4 Prozent abgeschwächt hat, errechnet sich, gemessen am Leitzins, immer noch ein Realzins von 1,85 Prozent. Die hohe Realzinsdifferenz gegenüber der Euro-Zone spricht für einen stabilen Neuseeland-Dollar. Dieser könnte gar weiter aufwerten, wenn die RBNZ die Zinsen nicht weiter absenkte. Die Notenbank sorgt sich nämlich um die Finanzstabilität, weil der heimische Immobilienmarkt allmählich überhitzt. Allein 2015 stiegen die Preise um 14,6 Prozent, die Verschuldung der Privathaushalte erreicht inzwischen 163 Prozent der verfügbaren Einkommen. Fazit: Wer bereit ist, 10 000 Neuseeland-Dollar (umgerechnet 6387 Euro) Mindestanlagesumme aufzubringen, findet in neuseeländischen Staatsanleihen eine renditestarke und währungsstabile Anlage.
Fondstipp: Siemens Global Growth - Münchner Elektroriese mit angeschlossener Bank
Über Altersarmut müssten sich die Bundesbürger weniger Sorgen machen, wenn sie seit 2006 in einen der Topsparplanfonds eingezahlt hätten. Zwei von ihnen haben das über zehn Jahre aus monatlich 100 Euro eingezahlte Vermögen von 12.000 Euro locker verdoppelt, auf bis zu 28.320 Euro. Dabei wurden Ausgabeaufschläge berücksichtigt. Allerdings hätten sich Anleger auf einen volatilen Branchenfonds wie den DWS Biotech einlassen müssen.
Um durchschnittlich 16,4 Prozent pro Jahr ist das Vermögen bei dem Sparplan gewachsen. Zwischenzeitlich benötigten Anleger allerdings gute Nerven. Im Juli 2015 kostete ein Fondsanteil 260 Euro, aktuell nur 171. Auch mit den weniger exotischen welt- oder europaweit gemischten Aktienfonds konnten Anleger gut abschneiden. Der milliardenschwere Allianz Wachstum Europa brachte 19.617 Euro (siehe Tabelle), mit dem UniGlobal von der Volksbanken- Fondsschmiede Union Investment gab es 18 282 Euro – 8,2 Prozent Wertzuwachs pro Jahr in der turbulenten Zeit.
Den Namen Siemens hätte man in diesem Ranking nicht erwartet. Aber neben Kraftwerken, ICEs oder medizinischen Geräten gibt es von den Münchnern auch Fonds. Die Siemens Fonds Invest ist für die betriebliche Altersvorsorge des Hauses zuständig und bietet zehn Fonds auch Nicht-Siemensianern an. Beim Siemens Global Growth wählt das Management Aktien wachstumsstarker Unternehmen vor allem aus den Branchen Internet, Technologie, Telekommunikation und Biotech. Da ist es keine Überraschung, dass die Hälfte des Fondsvermögens in US-Unternehmen steckt, Europa kommt nur auf 26 Prozent, Japan auf 19 Prozent. Unter den größten Positionen sind aktuell viele Japaner wie etwa mixi, das größte japanische Social Network, der Internetwagniskapitalgeber Cyber Agent sowie der Betreiber von Internet-Shoppingseiten Start Today. Auf größere Anteile kommen auch der Laborausrüster Sartorius und der Bausoftwarespezialist Nemetschek aus Deutschland.
Sparplanfonds - Topergebnisse für 100 Euro pro Monat