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IkeaAb Mitte 30 ist Schluss mit Selberschrauben

Wer Mitte 30 ist, hat nun wirklich keine Lust mehr auf den Einkauf bei Ikea, besagt eine amerikanische Umfrage. In Deutschland sieht das etwas anders aus. 12.01.2017 - 15:55 Uhr

Einkaufen bei IKEA

Foto: dpa

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran“, sang Udo Jürgens. Eine neue Umfrage der Online-Bank earnest legt nahe, dass es früher beginnt: Mit 34. Ab dann verbringen Menschen nicht mehr ihre Samstage in diesem schwedischen Möbelhaus, um mit Teelichtern im Wagen und HotDog im Bauch abgekämpft nach Hause zu fahren, um dann Vallentuna (Sofa), Kvistbro (Mülleimer) oder Lixhult (Kabinettschrank) aufzustellen oder zusammenzuschrauben.

Irgendwann wächst der Mensch aus Ikea heraus. Das ist das Ergebnis der Befragung von earnest unter mehreren Tausend seiner amerikanischen Kunden. Im Alter von 24 Jahren, so die Studie für den Raum USA, ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass der Möbel-Interessent zu Ikea fährt.

Danach lässt die Lust aufs Gedränge am Küchenplanungsschalter, die Suche nach dem richtigen Hochregal und Ausweichmanövern mit dem Einkaufswagen in der Pflanzen- und Accessoires-Abteilung nach. Das, so die Analysten, habe natürlich auch mit dem steigenden Einkommen und der Möglichkeit, die Möbel auszusuchen, die geliefert und aufgebaut werden, zu tun.

Die uneinnehmbare Burg

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad galt als extrem sparsam. So ist beispielsweise überliefert, dass der Milliardär selbst am liebsten auf Flohmärkten shoppen ging. Aber auch für sein Unternehmen gilt: Sparen, sparen, sparen. Deshalb hat Kamprad den Ikea-Konzern schon 1982 in die gemeinnützige Stiftung „Stichting INGKA Foundation“ mit Sitz in den Niederlanden umgewandelt. Die Steuerersparnisse dadurch sind enorm.

Aber das hatte auch einen zweiten Vorteil: Die Möbelkette ist so gut wie sicher vor Übernahmen durch andere Firmen. Zwar haben Kamprads Söhne wichtige Positionen im Unternehmen, aber selbst sie können die Firma nicht verkaufen.

Foto: REUTERS

Die Anfänge in Deutschland

Das Foto aus dem Jahr 1974 zeigt das erste in Deutschland eröffnete Ikea-Möbelhaus in Eching bei München. Seit damals sind Dutzende Filialen in der Bundesrepublik hinzu gekommen: Aktuell sind es 53 Möbelhäuser und damit mehr als in jedem anderen Land, in dem der Konzern aktiv ist (Stand: September 2017). Die bisher letzten drei Einrichtungshäuser in Deutschland wurden in Wuppertal, Wetzlar und Magdeburg eingeweiht.

Foto: dpa

Erfolgreich mit Köttbullar

Das Geschäft mit Köttbullar und Co. boomt. Der Gesamtumsatz der deutschen Ikea-Restaurants, Bistros, Schwedenshops und Mitarbeiterrestaurants lag 2017 bei 1,8 Milliarden Euro.

Ingvar Kamprad hatte schon früh Restaurants in den Filialen etabliert. Seine Überzeugung lautete, dass man mit knurrendem Magen nicht so gerne shoppen geht.

Foto: dpa

Wie Ikea zu seinem Namen kam

Der Name des Möbel-Riesen ist den meisten Menschen ein Begriff – obwohl er eigentlich gar kein richtiges Wort ist. „Ikea“ ist ein Akronym. Ikeas Gründer setzte den Konzernnamen zusammen aus den Anfangsbuchstaben seines Vor- (Ingvar), seines Nachnamens (Kamprad), der elterlichen Farm auf der er aufwuchs (Elmtaryd) und seines Heimatortes (Agunnaryd).

Foto: dpa

Beliebter als die Bibel

Jedes Jahr im Herbst beginnt für Ikea die hektischste Phase des Jahres. Dann bringt das Unternehmen nämlich seinen neuen Katalog heraus – und lockt in den folgenden Monaten die meisten Kunden in die Einrichtungszentren. Mittlerweile gibt es den über 300-seitigen Katalog auch digital und als App. Aber nach wie vor ist der gedruckte Katalog das wichtigste Marketinginstrument des Unternehmens. Mit einer Auflage von 203 Millionen Exemplaren in 52 Ländern und Übersetzungen in 35 Sprachen ist es das meistverbreitete Buch der Welt (Stand: 2018).

Hinzu kommt noch der virtuelle Katalog: Laut Ikea hatten die digitalen Angebote der Katalog- und Store-App 2017 137 Millionen Besucher.

Foto: WirtschaftsWoche

Alle zehn Sekunden ein Billy

Das Bücherregal „Billy“ ist einer der Ikea-Verkaufsschlager schlechthin. Seit 1979 verkauft der Konzern das schlichte Bücherbord in rauen Mengen. Deutlich über 41 Millionen Stück sollen es bis 2014 gewesen sein, genaue Zahlen veröffentlicht das Möbelunternehmen nicht. Wie „BBC News“ 2014 errechnet hat, nimmt das Bücherregal damit weltweit einen Spitzenplatz ein: Alle Ikea-Filialen und rund 690 Millionen Besucher jährlich zusammengenommen, kauft alle zehn Sekunden ein neuer Kunde ein Billy-Regal. Seit Sie das erste Bild dieser Galerie aufgerufen haben, sind also wieder Dutzende Bücherregale verkauft worden.

Foto: dpa

So kommen die Möbel zu ihren Namen

Ikeas „Klippan“ ist nicht nur ein Sofa für die Studentenbude, sondern auch ein kleines Kaff in der schwedischen Provinz. Kein Zufall. Die Ikea-Möbel werden systematisch mit Worten aus dem skandinavischen Sprachraum benannt. So tragen alle Teppiche dänische Ortsnamen, Sofas, Sessel oder Couchtische meistens schwedische. Badezimmerartikel sind nach Flüssen und Seen benannt.

Dass die Möbel Namen statt Nummern tragen hat einen Grund: Ingvar Kamprad konnte sich keine Zahlen merken.

Foto: dpa

Gut gebettet

Jeder zehnte Westeuropäer wird auf einer Ikea-Matratze gezeugt – behauptet Jan Kluge in seinem Buch „Unliebsame Wahrheiten“. Besonders die Engländer scheinen sich dabei auf schwedischen Matratzen wohlzufühlen. In dem Königreich soll sogar jedes fünfte Neugeborene ein Ikea-Kind sein.

Foto: dpa

Eine Menge Holz

Ikea ist der unangefochtene Gigant unter den Möbelhäusern – und einer der ganz Großen auf dem weltweiten Holzmarkt. Dem „Pacific Standard“ berichtete 2013, dass der schwedische Konzern rund ein Prozent der weltweiten Holzproduktion verbrauche. Insgesamt sind das rund 14 Millionen Kubikmeter Holz, die Ikea pro Jahr in Bretter und Spanplatten steckt – Papier und Verpackung nicht mitgerechnet.

Foto: dpa

Das Milliardenvermögen

Mit seiner Sparsamkeit hat es Ingvar Kamprad zu beträchtlichem Reichtum geschafft. Er galt als einer der reichsten Männer der Welt. Wie groß sein Vermögen wirklich war, bot immer wieder Stoff für Diskussionen, denn die Schätzungen gehen weit auseinander. So ging das US-Wirtschaftsmagazin „aForbes“ 2014 davon aus, dass sich Kamprads Vermögen auf rund 3,4 Milliarden Dollar belief. Bloomberg und das Schweizer „Wirtschaftsmagazin“ schätzten es hingegen auf deutlich mehr als 30 Milliarden Dollar. Der Grund für diese weite Spanne ist, dass Ikea ein Stiftungsunternehmen ist. Kamprad hatte also je nach Auslegung Zugriff auf das Vermögen des Konzerns - oder nicht.

Foto: dpa/dpaweb


Im deutschen Markt, dessen Kunden Udo Jürgens' Text ansprach, sieht es etwas anders aus. Hier bleiben die Menschen länger jung und fit – oder sie lieben es zu sehr, nach Köttbullar im Restaurant noch in der Leuchtenabteilung Batterien einzupacken und die speziellen Angebote der Family-Card zu prüfen – beide Interpretationen lässt eine Erhebung dreier Gesellschaften unter mehr als 20.000 Bundesbürgern zu.

Die Begeisterung der deutschen Kunden für die teils schwierig auszusprechenden und noch schwieriger zu montierenden Möbel ist ungebrochen. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr steigerte Ikea Deutschland den Umsatz um 7,2 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Durchschnittlich 91,40 Euro geben die Deutschen pro Einkauf in den 50 Filialen aus – allein die Restaurants steuerten 221 Millionen Euro zum Umsatz bei. Ebenfalls ein Wachstum von 8,3 Prozent. Und immer mittendrin: Kunden aus allen Altersschichten.

Welche Möbel die Deutschen wollen
Wenig gefragt sind hierzulande Esszimmermöbel. Nur 13 Prozent gaben an, in den nächsten Monaten neue anschaffen zu wollen.Befragt wurden 810 Deutsche – Mehrfachnennung war möglich.
Auch die meisten Kinder gehen leer aus. Ebenfalls nur 13 Prozent wollen neue Kinderzimmermöbel kaufen.
16 Prozent haben keine genauen Pläne, was den Möbelkauf betrifft, wollen aber zulangen.
Wichtiger ist den Deutschen in diesem Jahr das Bad. Jeder Fünfte will hierfür neue Möbel erstehen.
Vier von zehn Deutschen wollen in den nächsten Monaten Möbel für ihre Küche kaufen.
36 Prozent planen neue Schlafzimmermöbel anzuschaffen.
Mehr als jeder zweite Deutsche will sein Wohnzimmer neu einrichten. 53 Prozent der Befragten gab an, neue Wohnzimmermöbel kaufen zu wollen.


Zwar sinkt die Zahl der Ikea-Kunden in den Altersgruppen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung auch in Deutschland. Doch selbst in der Altersgruppe zwischen 40 und 49 Jahren gaben 22 Prozent an, bei Ikea Kunde zu sein. Das sind nur drei Prozentpunkte weniger als in der stärksten Käufergruppe zwischen 20 und 29 Jahren. Einen erheblichen Abfall der Zahl gibt es erst in der Gruppe der 50- bis 59-Jährigen, von denen nur noch 13,1 Prozent erklärten, bei Ikea einzukaufen.

Wer die 60 überschritten hat, geht kaum noch zu Ikea. Lediglich fünf Prozent der Befragten jenseits des 60. Geburtstags kaufen noch bei Ikea. Vielleicht hatte Udo Jürgens ja doch recht.

tus
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