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Gold, Diamanten, SeideLuxus aus dem Labor

Eine neue Generation Start-ups produziert seltene Luxusgüter im Labor. Für die etablierten Anbieter stellt sich die Frage: Sollen sie mitmachen?Thomas Stölzel 28.03.2017 - 16:17 Uhr
Foto: WirtschaftsWoche

Der Apothekergeselle Johann Friedrich Böttger wagt im Oktober 1701 das Unmögliche. Vor vier Zeugen taucht er in der Zornschen Apotheke in Berlin eingeschmolzene Groschenstücke in eine geheime Tinktur. Kurz darauf zieht er feinstes Gold aus dem dunkelroten Glas. Die Kunde verbreitet sich schnell. Böttger, der später das Meissener Porzellan erfinden soll, flüchtet. Als die Monarchen von Sachsen und Preußen davon hören, hoffen sie auf unermesslichen Reichtum und lassen nach dem Alchemisten fahnden. Doch dessen Experiment war nichts als Schwindel.

Heute ist es möglich, in einem Teilchenbeschleuniger wie dem bei Genf Gold herzustellen. Allerdings nur Atom für Atom. Für 50 Gramm würde das Millionen Jahre dauern. Bei anderen edlen Materialien aber geht das deutlich schneller – etwa bei Leder, Seide und jahrzehntealten Spirituosen. Findige Start-ups aus Europa und Amerika zaubern mittels Hightech in kürzester Zeit und zu einem Bruchteil der Kosten aus scheinbar wertlosen Zutaten feinste Luxusgüter, deren Qualität oft besser ist als die der natürlichen Originale.

Die Luxusbranche, die allein im vergangenen Jahr weltweit die gigantische Summe von mehr als einer Billion Euro umgesetzt hat, ist aufgeschreckt. Sie sieht sich auf einmal um all die Argumente gebracht, mit denen sie bislang ihre hohen Preise begründet: dass die Herstellung so aufwendig, die Qualität so außergewöhnlich und die Rohstoffe so selten sind.

Was die modernen Alchemisten schon herstellen
Die Alchemisten der heutigen Zeit schaffen es zwar immer noch nicht, Gold und Platin herzustellen. Dafür produzieren sie jedoch bereits künstliche Diamanten, Leder, Seide und edlen Schnaps.
Im Herbst stellte Adidas seinen ersten Turnschuh aus Biotech-Seide vor. Der soll nicht nur biologisch komplett abbaubar sein. Er ist auch superstabil. Mit einer bleistiftdicken Schnur aus dem Material ließe sich eine Boeing 747 anheben. Das Material kommt vom Münchner Start-up Amsilk, dass das Material in riesigen Stahltanks produzieren lässt.
Der US-Outdoorausrüster Patagonia hat derweil einen Vertrag mit dem Biotech-Seiden-Start-up Bolt Threads geschlossen. Der Konzern plant nun seine erste Outdoor-Kollektion aus dem Material.
Amsilk aus München arbeitet auch an Anwendungen in der Medizin. So werden beispielsweise Brustimplantate, die mit der Biotech-Seide ummantelt sind, vom Körper besser angenommen.
Dem kalifornischen Unternehmen Lost Spirits ist es gelungen, 20 Jahre alt schmeckenden Rum in sechs Tagen herzustellen. Dafür beschleunigt es in einer Maschine die Bildung von Estern, die sonst beim Reifen im Fass entstehen. Die Ester sorgen beispielsweise für den fruchtigen Geschmack des Rums.
Das Start-up Cleveland Whiskey setzt auf eine andere Technik, um den Geschmack von altem Whiskey zu reproduzieren. Mittels Hochdruck und Vakuum presst das Unternehmen den Schnaps zuerst in das Fassholz und saugt ihn danach wieder raus. Da Cleveland Whiskey zum Reifen Stahltanks benutzt und das Holz einfach mit hineingibt, kann es auch Sorten benutzen, die für die Fassherstellung ungeeignet sind. So hat Cleveland Whiskey auch solche Tropfen im Programm, die nach Kirschbaum oder Zuckerahorn schmecken.
Das New Yorker Start-up Modern Meadow will in Zukunft massenhaft Biotech-Leder herstellen, und damit der umstrittenen Rinderzucht Konkurrenz machen. Das Material soll in Form von Portemonnaies oder Autositzen gezüchtet werden, sodass kaum Verschnitt anfällt. Zudem braucht es weniger Chemie, um die Biotech-Häute zu gerben.
Das kalifornische Start-up, in das auch der Hollywood-Schauspieler Leonardo DiCaprio investiert hat, lässt Kohlenstoff unter hohen Temperaturen und im Vakuum zu Diamanten kristallisieren. Die Steine lässt das Unternehmen, das vom gebürtigen Münchner Martin Roscheisen gegründet wurde, dann nahezu zum Preis von echten Diamanten verkaufen – beispielsweise im New Yorker Nobelkaufhaus Barneys.
Auch der weltgrößte Diamantenkonzern De Beers stellt Diamanten in der Retorte her. Allerdings tut er das, um eine Maschine zu entwickeln, die echte von synthetischen Diamanten unterscheiden kann. So richtig zuverlässig ist die allerdings nicht. In der Vergangenheit deklarierte sie auch immer wieder natürliche Diamanten als synthetisch.

Wie teuer und womöglich gar aussichtslos es für die etablierten Anbieter werden kann, lässt sich am Luxemburger Diamantenkonzern De Beers beobachten: Die edlen Steine lassen sich schon seit einigen Jahren künstlich herstellen. Und so muss De Beers inzwischen Millionen investieren, um die Anbieter von lupenreinen Labordiamanten auf Abstand zu halten.

Einer der Rebellen ist Jens Klein, 45 Jahre alt, blonder Dreitagebart. Das von ihm geführte Biotech-Start-up Amsilk, eine Ausgründung aus der Technischen Universität München, macht mithilfe von Spinnen-DNA Seide. Gezüchtet wird der besonders für seine kühlende Wirkung auf der Haut geschätzte Superstoff in bis zu drei Stockwerke hohen Stahltanks. Genmodifizierte Kolibakterien vermehren sich darin und hinterlassen weißes Seidenpulver.

Aus dem lässt Klein Seidenfasern machen und schließlich Fäden spinnen. Kolibakterien sind echte Arbeitstiere der Biotechnologie. Sie produzieren schon heute massenhaft billiges Insulin für die Pharmabranche.

Der fränkische Sportartikelkonzern Adidas hat im Herbst in New York erstmals einen aus Kleins Seide gestrickten Laufschuh präsentiert. Die Fasern sind so stabil, dass sie, zu einer bleistiftdicken Schnur verwebt, einen Jumbo-Jet anheben könnten. Zugleich soll der Schuh komplett biologisch abbaubar sein.

Seiden-Treter: Biotechseide in Laufschuhen ist nur der Anfang. Start-ups wollen ihre Edelfasern ins Auto und in Implantate bringen.

Foto: WirtschaftsWoche

Amsilk ist nicht das einzige Start-up, dass an Biotechseide werkelt. Der kalifornische Konkurrent Bolt Threads, in den Investoren wie der PayPal-Gründer und Trump-Vertraute Peter Thiel mehr als 90 Millionen Dollar gepumpt haben, hat sich gerade mit dem Outdoor-Ausrüster Patagonia zusammengetan. Der US-Konzern plant nun seine erste Luxuskollektion aus Biotechseide.

Die Einsatzmöglichkeiten für den Superstoff gehen aber weit über Bekleidung hinaus. Schon jetzt arbeiten die Münchner an damit umhüllten Brustimplantaten, weil die vom Körper besser angenommen würden. Auch sieht Klein in der Auto- und Luftfahrtindustrie komplett neue Verwendungen.

Das schwedische Biotech-Start-up Spiber wirbt damit, dass ein Kilo der künstlichen Seide bald 20 bis 30 Dollar kosten werde. Für ein Kilo Naturseide muss ein Textilhersteller heute um die 50 Dollar zahlen. Dass sich der Stoff billiger herstellen lässt, ist ein Versprechen der modernen Alchemisten. Ein anderes lautet: Die Herstellung soll endlich auch ethisch vertretbar werden.

Wie sich unser Verständnis von Luxus verändert
Nur wenige Begriffe werden so inflationär und so unterschiedlich verwendet, wie der Luxus-Begriff. Die Vorstellung von Luxus ist nicht nur individuell unterschiedlich, sie unterliegt auch einem gesellschaftlichen Wandel. In einem idealtypischen Modell beschriebt das Schweizer Gottlieb Duttweiler Institut vier Phasen, die den Wandel des nachvollziehbar machen. Das Modell beschreibt einen Reifeprozess, der sich an den Lebensphasen orientiert;Quelle: Gottlieb-Duttweiler-Institut. „Der nächste Luxus. Was uns in Zukunft lieb und teuer wird.“
Die erste Phase der Luxusentwicklung  ist geprägt durch einen großen Konsumhunger, der mit dem was angeboten wird, befriedigt wird. Das vorherrschende Prinzip: „Mehr ist Mehr“.  Dies ist vor allem auf aufstrebenden Märkten zu beobachten. Hier herrschen Nachholbedarf und das Verlangen aufzusteigen. Gleichzeitig gibt es ein Defizit.
Sie setzt Solvenz voraus, wird aber dominiert von einem verstärkten Wettbewerbsdruck. Der Traum von einem weiterem Aufstieg weicht der Angst vor einem Abstieg.  Nun wird das „Mehr“ zum „Muss“. Güter mit Signalwirkung  gewinnen an Bedeutung: Mein Haus, mein Auto, mein Diamantring.
Eine erste Luxusmüdigkeit setzt ein. Die Phase ist geprägt vom abnehmenden Grenznutzen. Die Erkenntnis, dass das Glücksfühl beim Erwerb eines Produkts abnimmt, je öfter und hindernisloser dieser möglich ist, stellt sich ein. Der Luxuskonsum verschiebt sich von der Produkt- auf die Erlebnisebene.
Die Ästhetik des neuen Luxus lässt sich für die Forscher des GDI auf den Begriff der Verschlichterung bringen.  Luxuskonsumenten demonstrieren bewusst den Verzicht. Die Fähigkeiten, dass Reduzierte und Essentielle leben, aber lesen zu können rückt in den Vordergrund. Nur wer über materiellen Besitz verfügt, wird sich die Fähigkeiten aneignen können, um die Codes des neuen Luxus zu entziffern.

Bislang lässt die vor allem in China beheimate Seidenindustrie auf riesigen Plantagen Maulbeerbäume züchten. Mit deren Blättern füttert sie die Larven des Seidenspinners, bis diese sich verpuppen. Um die dabei produzierte Seidenfaser abzulösen, werden die Larven lebendig in kochendes Wasser geworfen. Für ein einziges Seidenkleid müssen etwa 50.000 Raupen sterben. Tierschützer kritisieren die grausame Praxis seit Jahren.

Ethik ist nicht nur für die Biotechseidenmacher ein wichtiges Argument. Viele klassische Luxusmaterialien haben einen schlechten Ruf: Mal geht die Herstellung auf Kosten der Umwelt, mal auf die von sozial Schwachen. So stammen etwa die kostbarsten und weichsten Ledersorten von neu- oder ungeborenen Kälbern. Beim Gerben nutzt die Lederindustrie einen aggressiven Chemiecocktail, in den vor allem in Fernost krebserzeugendes Chrom gemischt wird. Und schon die Zucht von Rindern zählt zu den größten Emittenten von Treibhausgas weltweit.

In der Zukunft, wie sie das Biotech-Start-up Modern Meadow entwirft, wird es all diese Probleme nicht mehr geben: Im New Yorker Stadtteil Brooklyn züchtet es im Labor aus einzelnen Collagenzellen Rinderhäute. Das dauert im Bioreaktor nur wenige Wochen, wogegen bei der Aufzucht der Rinder und der Herstellung von echtem Leder Jahre vergehen.

Express-Schnaps: Dieser Rum überzeugt die Kenner - und reift doch nur ein paar Tage.

Foto: WirtschaftsWoche

Weil an Laborhäuten anders als an Kuhhaut weder Haare noch Reste von Fettgewebe hängen, braucht Modern Meadow weniger Chemikalien, um sie zu gerben und in Leder zu verwandeln. Und die Biotechhäute sind narbenfrei. Anders als natürliche, von denen heutzutage 30 bis 80 Prozent als Verschnitt im Müll landen.

Modern-Meadow-Gründer Andras Forgacs will die Häute künftig direkt in der Form von Autositzen, Portemonnaies und Sofas wachsen lassen. Selbst transparentes Leder hält er für möglich. Natürlich will Forgacs die Welt nicht nur besser machen, sondern sich auch ein ordentliches Stück des immerhin 100 Milliarden Dollar schweren Ledermarkts sichern.

Mehr Sein als Schein

Luxus spricht nicht, er lässt über sich sprechen

von Katja Joho

Inzwischen hat das Start-up 40 Millionen Dollar Wagniskapital eingesammelt, unter anderem von Nest-Gründer Tony Fadell und Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Wann die erste Handtasche aus Laborleder auf den Markt kommt, verrät das Unternehmen aber nicht.

Bryan Davis ist deutlich weiter. Dem Amerikaner ist es gelungen, 20 Jahre alt schmeckenden Rum herzustellen – in nur sechs Tagen. Sein kalifornisches Start-up Lost Spirits hat ein Gerät entwickelt, das die Esterbildung im Schnaps von Jahren, wie sie bei der traditionellen Herstellung nötig sind, auf wenige Stunden verkürzt. Die Esterverbindungen geben altem Rum die fruchtige Note: Buttersäuremethylester schmeckt nach Ananas, Phenylessigsäureester nach Honig. Mit Infrarotlicht löst Davis Polymere aus Holz, die mit dem Ester reagieren. Das simuliert den Einfluss einer Fasslagerung auf den Geschmack.

Künstliche Intelligenz und Machine Learning
2017 steht unter anderem im Zeichen ultraschneller Netze, lernender Maschinen künstlicher Intelligenz. „Das Rad wird niemand neu erfinden, aber KI sollte man auf dem Schirm haben“, sagt Sascha Grosskopf, Demand Generation Manager bei Cornerstone OnDemand, einem amerikanischen Anbieter von Talent Management Software. Im Jahr 2017 wird etwa ein Fünftel aller neu gekauften Smartphones Machine Learning-Kapazitäten an Bord haben, wie eine aktuelle Deloitte-Studie zu den Technik-Trends 2017 zeigt. Diese Entwicklung kann auch die betriebliche Weiterbildung verändern, wenn das Smartphone künftig Aufgaben und Trainings auf den Lernfortschritt eines Mitarbeiters abstimmen kann.

Foto: dpa

Blockchain
Laut Sage, einem Anbieter für Cloud-basierte kaufmännische Software-Lösungen, sollten kleine und mittelständische Unternehmen sorgfältig analysieren, ob und wie sich das Thema Blockchain auf ihr aktuelles Geschäftsmodell auswirken könnte. Grundsätzlich können alle Branchen, die als Vermittler zwischen zwei Parteien agieren - Rechtsanwälte, Notare, Immobilienmakler - von dieser Technologie betroffen sein. „Auch auf die Arbeitsweise von Buchhaltern und Rechnungsprüfern könnte sich Blockchain auswirken, denn diese Technologie würde sie wesentlich entlasten“, sagt Klaus-Michael Vogelberg, Chief Technology Officer bei Sage.

Blockchain ist eine dezentrale, chronologisch aktualisierte Datenbank zur digitalen Verbriefung von Eigentumsrechten. Bisher liegt der Schwerpunkt überwiegend im Finanzbereich, aber auch für Technologie-, Kommunikations- oder Medienunternehmen kann Blockchain spannend werden. „Die Blockchain hat für zahlreiche Industrien ein disruptives Potenzial“, bestätigt Andreas Gentner, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte.

Foto: REUTERS

Internet of Things
Das Internet der Dinge oder IoT ist zwar 2017 nichts Neues, hat aber in diesem Jahr das Potenzial, neue Dienstleistungen und Jobs zu schaffen. „Unternehmer sollten Ausschau nach neuen Möglichkeiten halten, die mit der Entstehung des Internet der Dinge einhergehen“, sag Vogelberg. „Multiple Datenströme von Sensoren aller Art, die beispielsweise in Maschinen, Autos, mobilen und stationären Gütern, Kleidung und sogar in Menschen, beispielsweise zur medizinischen Überwachung, integriert sind, werden eine wahre Fundgrube von Daten schaffen, aus der die verschiedensten neuen Dienstleistungen hervorgehen.“
Für einige Branchen liegt das IoT-Geschäftsmodell dagegen auf der Hand. So können sich Einzelhändler mit Smart Home-Geräten wie Kühlschränken den Dash Buttons von Amazon vernetzen, um ihre Kunden vorausschauend mit Waren und Dienstleistungen zu versorgen.

Foto: dpa

Big Data
Auch Big Data beziehungsweise Datenanalyse ist nichts Neues. Allerdings steigt das von unzähligen Sensoren und Geräten erzeugte Datenvolumen explosionsartig an. Gleichzeitig werden Rechner, Spezialanalysesoftware und intelligente Agenten immer preiswerter und leistungsfähiger. Unternehmen sollten darum Wege finden, aus der enormen Informationsfülle von Big Data die für sie relevanten Erkenntnisse herauszufiltern.
Klaus-Michael Vogelberg von Sage rät Unternehmern außerdem zur „Teambildung“: „Wenn Unternehmer ihre Kräfte vereinen und – unter Beachtung der Datenschutzrichtlinien ihrer Unternehmen und der gesetzlichen Vorschriften – beispielsweise Rechnerleistung und Daten strukturiert und systematisch mit anderen Unternehmen teilen, können sie in dieser Kooperation von einem besseren und größeren Datenpool und höherer Datenintelligenz profitieren.“ Vergleichbar mit den Mechanismen des Crowdsourcing könnten Unternehmen mit diesem reichhaltigeren Datenpool besser verstehen, wie sich Kunden verhalten, was sie ihnen anbieten sollten und in welchen Bereichen Investitionen sinnvoll sind.

Foto: AP

Plattform-basierte Infrastruktur
2017 werden immer mehr Unternehmen ihre autonomen, standortgebundenen Softwaresysteme durch integrierte, Cloud-basierte Lösungen ersetzen, die auf globalen Cloud-Plattformen. Dort erhalten Anwender Zugang zu einem reichen Bestand an Geschäfts-Apps und integrierten Services. Darüber hinaus werden Unternehmen von Plattformen für Mobil-Apps profitieren, beispielsweise im Rahmen des Apple Mobility Partner Programms.
„Der große Vorteil dieser Plattformen besteht darin, dass sie auch kleineren Unternehmen den Zugang zu innovativen Business-Software-Lösungen und Services eröffnen, die sich diese Unternehmen noch vor fünf Jahren nicht hätten leisten können“, sagt Vogelberg.

Foto: obs

Davis, ein glatzköpfiger, bullig wirkender 35-Jähriger, hätte auch Alleinunterhalter werden können. „Wir machen sogar so etwas wie ,Jurassic Park‘“, sagt er und berichtet dann von den antiken Möbeln aus amerikanischer Kastanie, die er zersägt und als Geschmacksgeber verwendet hat. Der Baum war bereits in den Zwanzigerjahren ausgerottet worden, nachdem ihn Fasshersteller im 19. Jahrhundert für sich entdeckt hatten. Mit den zerlegten Möbeln schuf Davis nun einen Rum, wie ihn seit 100 Jahren niemand mehr kosten konnte.

Experten von Fachblättern und Food-Blogger verteilen Bestnoten an Davis. Auf Auktionen etwa in Deutschland gehen die Flaschen von Lost Spirit für bis zu 1400 Euro an Bieter. Davis könnte mit seiner Technologie edle Schnäpse auch in Masse produzieren. Vorerst wolle er sich aber auf kostbaren Rum sowie Scotch beschränken. Aus gutem Grund: Wird etwas zur Massenware, ist es kein Luxusgut mehr.

Markenprofessor Karsten Kilian von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt traut modernen Alchemisten wie Davis, Klein und Forgacs zu, ein komplett neues Segment zu kreieren. Einen, wie er ihn nennt, „technischen Luxus“. Der werde wohl etwas billiger sein als der „natürliche Luxus“, den Gucci und Prada heute servieren. „Die heutigen Luxushersteller werden etwas Umsatz abgeben müssen“, prognostiziert Kilian.

Wenn sie aber klug handelten, würden sie Tochtermarken gründen, die auch das neue Segment bedienen. Zugleich glaubt er, dass die Faszination für seltene natürliche Originale bestehen bleibt. Was da zähle, sei die Story dahinter. Beim Diamanten etwa, dass er vor Millionen von Jahren im Erdinneren entstand.

Dabei züchten Unternehmen wie Pure Grown Diamonds aus New York oder New Diamond Technology aus St. Petersburg schon heute serienmäßig Kunstdiamanten, indem sie Kohlenstoff unter hohem Druck und Hitze zu Diamanten pressen oder im Vakuum kristallisieren lassen. Wurden aus synthetischen Diamanten anfangs vor allem Spezialbohrer gemacht, tauchen sie nun auch am Verlobungsring auf.

Der weltweit größte Diamantenhändler De Beers züchtet inzwischen gar selbst Kunstdiamanten. Nicht um sie zu verkaufen, sondern um Retortensteine von Naturdiamanten unterscheiden zu können. Denn immer häufiger mischen zwielichtige Händler Kunststeine unter Naturdiamanten, um ihre Gewinne aufzubessern. Mithilfe des eigenen Labors hat De Beers einen Apparat entwickelt, der in Diamanten Stickstoffeinlagerungen sucht, wie sie bei den meisten Natursteinen existieren.

Doch deklarierte die Maschine, die für Diamantenbörsen gedacht ist, zuletzt auch immer wieder Naturdiamanten als synthetisch, weil ihnen die Einlagerungen fehlten.

Der Aufwand, einen natürlichen Diamanten auszugraben, ist gewaltig. Im Schnitt müssen rund 250 Tonnen Erde bewegt und gewaschen werden, um ein Karat Diamant zu entdecken. Afrikanische Milizen betreiben illegale Diamantenminen und halten Arbeiter wie Sklaven, um mit den Steinen Waffen zu kaufen. Gründe, warum Schauspieler Leonardo DiCaprio und Twitter-Gründer Evan Williams vor einer Weile in das Silicon-Valley-Start-up Diamond Foundry investiert haben. Das züchtet beste Schmuckdiamanten im Labor und hat mittlerweile über 100 Millionen Dollar eingesammelt.

Anders als De Beers ist Diamond-Foundry-Gründer Martin Roscheisen der Meinung, dass ein Diamant ein Diamant ist – ein tetraedisches Kohlenstoff-Allotrop, egal, ob der Stein aus einer Mine stammt oder von Menschenhand geschaffen ist. Der gebürtige Münchner, der an der US-Eliteuni Stanford promoviert hat, verlangt für seine Diamanten etwa im New Yorker Luxuskaufhaus Barneys denselben Preis wie für vergleichbare natürliche Steine.

Bald könnten moderne Alchemisten auch andere Naturmaterialien wie Kaschmir oder Schwarzen Wintertrüffel züchten, sogar besser machen. Die Wissenschaft ist sich zumindest sicher, dass nichts mehr sicher ist, was sich aus mehreren Atomen oder Molekülen zusammensetzt. Nur echte Elemente wie Silber, Gold und Platin bleiben kopiergeschützt. Das aber konnte Johann Friedrich Böttger zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch nicht ahnen.

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