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Prognos-StudieSo wichtig ist Deutschland für die EU-Wirtschaft

Eine Schwächung der deutschen Wirtschaft würde ganz Europa schaden, zeigt eine Studie. Wo die meisten Arbeitsplätze von der Nachfrage Deutschlands abhängen. 16.06.2017 - 14:46 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist ein Wachstumstreiber in Europa, zeigt eine Studie.

Foto: dpa

Deutschland ist durch seine Verflechtung mit anderen EU-Staaten und als Absatzmarkt für deren Produkte ein wichtiger Wachstumstreiber der Europäischen Union. Das geht aus einer Studie hervor, die das Gutachterinstitut Prognos im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft angefertigt hat. Demnach sichert die deutsche Wirtschaft in den übrigen EU-Staaten 4,8 Millionen Jobs.

Grundlage für die Ergebnisse sind die Industriegüterimporte der deutschen Wirtschaft aus der EU, insbesondere Vorleistungsgüter, die zum großen Teil in der deutschen Autoindustrie verwendet werden. Insgesamt belief sich dieser Wert im Jahr 2015 auf 620 Milliarden Euro. Für viele Nachbarstaaten ist Deutschland damit der wichtigste Absatzmarkt für Industriegüter. So geht ein Drittel der tschechischen Exporte in die Bundesrepublik, aber auch in Österreich, Luxemburg, Ungarn und Polen zeigt sich Deutschland für mehr als ein Viertel der Ausfuhren verantwortlich.

Aufgrund dieser Nachfrage sorgt die deutsche Wirtschaft dafür, dass eine beträchtliche Wertschöpfung in den betreffenden Länder entsteht. So lassen sich nach Angaben der Studienautoren mehr als acht Prozent der tschechischen Bruttowertschöpfung in 2015 auf den Güterexport nach Deutschland zurückführen. Dies führt zu ausgeprägten Beschäftigungseffekten. Auch hier weist die Tschechische Republik die größte Abhängigkeit auf. Mehr als neun Prozent der Beschäftigten hängen direkt oder indirekt von der deutschen Güternachfrage ab.

EU: Wo Deutschlands Nachfrage die meisten Jobs schafft
Das Gutachterinstitut Prognos hat errechnet, wie viel Wertschöpfung in den EU-Staaten durch deutsche Importe geschaffen wird. Anschließend hat es errechnet, wie viele Arbeitskräfte für diese Wertschöpfung benötigt werden.
Polen890.000 Beschäftigte
Tschechien470.000 Beschäftigte
Niederlande460.000 Beschäftigte
Frankreich420.000 Beschäftigte
Italien410.000 Beschäftigte
Rumänien320.000 Beschäftigte
Österreich270.000 Beschäftigte
Ungarn250.000 Beschäftigte
Vereinigtes Königreich240.000 Beschäftigte
Spanien200.000 Beschäftigte

Für ihre Studie rechneten die Autoren mehrere Szenarien durch, in denen sie unterschiedliche Entwicklungen für die deutsche Wirtschaft zugrunde legen. In einem Basisszenario durchlaufen Deutschland, die EU und die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer eine wirtschaftliche Entwicklung, wie sie aus heutiger Sicht wahrscheinlich ist. In einem zweiten Szenario stagniert das BIP-Wachstum der Bundesrepublik in den Jahren 2017 bis 2019 – mit teilweise starken Auswirkungen auf die übrige EU.

So wäre das Wirtschaftswachstum in den meisten der untersuchten EU-Staaten niedriger (in Ungarn fast 0,8 Prozent). Lediglich Lettland, Portugal, Spanien und Griechenland könnten einen leichten Zuwachs gegenüber dem Basisszenario verbuchen. Auf die gesamte EU gerechnet läge die Wirtschaftsleistung um 18 Milliarden US-Dollar niedriger.

Platz 10

Während Deutschland im Vorjahr (2014) noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik im Jahr 2015 nur noch auf den zehnten Platz. Der Staat steht vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern. Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.

Quelle: Vergleichsstudie des IMD World Competitiveness Center

Foto: dpa

Platz 9

Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur verlässlich.

Foto: dpa

Platz 8

Auch Dänemark (im Bild die Kronprinzessin Mary) konnte sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab.

Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.

Foto: dpa

Platz 7

Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet 2015 damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet.

Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden: Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.

Foto: dpa

Platz 6

Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.

Foto: dpa

Platz 5

Kanada hat es 2015 auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.

Foto: dpa

Platz 4

Der vierte Platz geht an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.

Foto: dpa

Platz 3

Unter die ersten drei schafft es für 2015 - wie auch schon im Vorjahr - der Insel- und Stadtstaat Singapur. Besonders punkten konnte das asiatische Land bei Unternehmen in diesem Jahr mit seinem institutionellen Rahmen, der im weltweiten Vergleich auf Rang eins landet. Außerdem liegt Singapur bei der technologischen Infrastruktur sowie der Bildung ganz weit vorne.

Foto: dpa

Platz 2

Platz zwei geht an die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Im Vergleich zum Vorjahr hat die chinesische Metropole zwei Plätze gut gemacht. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong insbesondere aufgrund der betriebswirtschaftlichen Gesetzgebung, der Managementpraktiken, der unternehmerischen Einstellungen und Werte und der technologischen Infrastruktur. Ganz gut steht Hongkong auch bei internationalen Investitionen, der Fiskalpolitik und bei den Betriebsfinanzen da.

Foto: dpa

Platz 1

Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die USA. Besonders attraktiv finden Firmen in den USA laut Ranking die dynamische Wirtschaft (66,2 Prozent), den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten (55,1 Prozent), den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung (49,3 Prozent) sowie das unternehmensfreundliche Umfeld (43,4 Prozent). Punkten können die USA zudem als attraktiver Forschungsstandort. Nachholbedarf gibt es dagegen im Bereich der Schulbildung.

Foto: dpa

Ein weiteres Szenario widmet sich der viel gescholtenen deutschen Wettbewerbsfähigkeit und verschlechtert diese durch zwei Maßnahmen, die die Lohnstückkosten erhöhen. Zum einen steigt der Nominallohn stärker als im Basisszenario, zum anderen sinkt die Produktivität.

Durch die schlechtere Wettbewerbsfähigkeit verringert sich die deutsche Produktion. Damit sinken auch die Importe aus den Nachbarstaaten. Zwar fängt die im Vergleich verbesserte Produktivität der restlichen EU dies teilweise auf, unterm Strich überwiegt der negative Effekt jedoch.

nih
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