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Audi A8Audis skurriles Ablenkungsmanöver

Audi hat den neuen A8 vorgestellt. Mit einer übertriebenen Show soll der Wandel des Autobauers dargestellt werden. Das kaschiert die eigentlichen Probleme jedoch nur dürftig.Sebastian Schaal 11.07.2017 - 14:45 Uhr

Die große Audi-Show

Foto: REUTERS

Es ist eine große Show, die Audi bei der Vorstellung des neuen Audi A8 abzieht. Zahlreiche Tänzer toben über die Bühne. Zwischenzeitlich sind 70 Autos darauf zu sehen. Und das ist bloß das Beiwerk. Als es um den Hauptstar des Events geht, wird nicht einfach ein Tuch von dem Wagen gezogen. Minutenlang dreht und schwenkt ein massiver Roboterarm einen A8 durch die Luft – begleitet von einer flackernden Lichtshow und wummernden Bässen.

Nun sind die Premieren der neuen Topmodelle für Autobauer immer etwas sehr Besonderes. Schließlich kommt es nur alle paar Jahre vor, dass man das Schaustück der aktuellsten Technologien und des neuen Designs den Fans der Marke vorstellen kann. Entsprechend groß fallen die Events aus: Als Mercedes 2013 die aktuelle S-Klasse vorstellte, hatten die Stuttgarter einen kompletten Hangar von Airbus in Hamburg-Finkenwerder gemietet. BMW hatte zur Premiere des neuen 7er die markeneigene BMW-Welt in Berlin für sein Flaggschiff komplett umgestaltet.

Doch bei der Weltpremiere des neuen A8 inszeniert Audi nicht nur das Auto, sondern vor allem sich selbst.

Der neue A8 ist das erste Modell, das vollständig die Linien von Marc Lichte trägt. Sportlichere Proportionen, starke Schultern und keine zu enge Ähnlichkeit zum Vorgänger. (Zur Analyse der Weltpremiere).

Foto: Audi

Doch damit nicht genug. Gleichzeitig galt es, dem Aushängschild der Marke Status und Präsenz mit auf den Weg zu geben. Das ist wichtig für China und die USA. Sie sind die größten Absatzmärkte.

Foto: Audi

Mit 5,17 Metern wuchs der neue A8 um vier Zentimeter gegenüber dem Vorgänger. Der Radstand blieb mit drei Metern gleich. Die Langversion ist erneut 13 Zentimeter länger, erreicht jetzt stolze 5,30 Meter.

Foto: Audi

Im Cockpit dominieren Flachbildschirme und digitale Animationen. Mechanische Knöpfe und Schalter wurden weitestgehend verbannt. So gut wie sämtliche Bedienungen laufen über Touch-Funktionen auf den Bildschirmen.

Foto: Audi

Die Liste der Extras führt diverse Annehmlichkeiten wie Massage, Klimatisierung und Schlafstellung.

Foto: Audi

So gut wie sämtliche Bedienungen laufen über Touch-Funktionen auf den Bildschirmen.

Foto: Audi

Hinter den Fahrgästen bleibt Platz für 505 Liter Gepäck, ein paar Liter weniger als zuvor, doch bei besserer Beladbarkeit.

Foto: Audi

Zum Marktstart im November hat der A8-Kunde die Wahl zwischen zwei Sechszylindern. Der Dreiliter-Diesel leistet 210 kW/286 PS, der gleichgroße Benziner kommt auf 257 kW/350 PS. Nächstes Jahr kommen die V8-Aggregate mit vier Liter Hubraum hinzu. Sie leisten als TDI 320 kW/435 PS und als TFSI 338 kW/460 PS.

Foto: Audi

Alle Motoren sind mit der bekannten Achtgang-Automatik von ZF kombiniert und mit einem 48-Volt-Starter-Generator versehen. Letzterer macht den A8 stets zum Mild-Hybrid. Die E-Maschine hilft beim Beschleunigen und lässt den A8 bis zu einem Tempo von 160 km/h emissionsfrei „segeln“. Alle Modelle haben zudem serienmäßig Allradantrieb.

Foto: Audi

Erst im Herbst 2018 will Audi einen Plug-in-Hybrid nachreichen. Unter der Haube stecken dann ein V6-Benziner und ein Elektromotor, die zusammen eine Systemleistung von 331 kW/450 PS ins Getriebe schicken. Die elektrische Reichweite soll bei über 50 Kilometern liegen und das Laden kabellos funktionieren. Auch den neuen A8 wird es wieder mit 6,0-Liter-W12. Das Topmodell mit 430 kW/585 PS ist vor allem für Asien und Amerika gedacht.

Foto: Audi

Die höhere Spannung von 48 Volt nutzt Audi nicht nur für die Elektromaschine sondern auch für ein vollaktives, elektromechanisches Federungssystem. Eine Kamera erkennt Löcher und Fugen im Asphalt und steuert das Fahrwerk vorausschauend an. Unebenheiten werden so nicht weggefedert, sondern aktiv ausgeglichen.

Foto: Audi

Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal ist jedoch ein neues Sicherheits-Feature. Droht ein Seitenaufprall, kann der A8 die der Kollision zugewandte Seite innerhalb einer halben Sekunde um bis zu acht Zentimeter anheben. Dadurch trifft das gegnerische Auto nicht die relativ weichen Türen, sondern die besonders steifen Seitenschweller und den Unterboden.

Foto: Audi

Ebenso proklamiert Audi beim autonomen Fahren Führungsanspruch. Der neue A8 ist weltweit das erste Serienfahrzeug, das das sogenannte Level 3 beherrscht. Level 3 bedeutet, die Hände können das Lenkrad loslassen, der Fahrer kann sich um andere Dinge kümmern. Das funktioniert bislang allerdings nur bis Tempo 60, daher nennt Audi dieses Extra „Traffic Jam Pilot“ (Staupilot).

Foto: Audi

Und noch eine Restriktion gibt es: Der A8 kann zwar alleine fahren, darf es aber nicht. Es fehlt derzeit die gesetzliche Grundlage.

Foto: Audi

Im Beisein von VW-Chef Matthias Müller und Aufsichtsratsmitglied Hans Michel Piëch versuchten die Ingolstädter am Dienstag, den Blick nach vorne zu lenken. Bei dem erstmals veranstalteten „Audi Summit“ wollten die Markenstrategen mit viel Show, Prominenz und Selbstinszenierung den Fokus weg vom Dieselskandal und der Dauer-Diskussion um Vorstandschef Rupert Stadler nehmen – hin zur Mobilität der Zukunft und der Transformation zu einer „Premium Digital Car Company“. Dafür bauten sie sogar 10.000 Quadratmeter einer Messehalle in Barcelona aufwändig um.

2000 Gäste sollten erfahren, wie Audi sich eine autonome, vernetzte und intelligente Mobilität vorstellt. „In einem selbstfahrenden Auto gilt künftig als Premium, wie ich meine Zeit am besten und effizientesten nutze“, sagt Stadler in seiner Keynote. „Mit unserem Angebot stellen wir sicher, dass dies gelingt – unabhängig davon, ob ich mich erholen oder produktiv sein will, oder ob ich wertvolle Zeit mit Familie und Freunden verbringen möchte.“

Dem A8 kommt eine besondere Rolle zu

Und quasi ganz nebenbei, versteckt zwischen zukunftsweisenden Visionen, Auftritten von Schauspieler Kunal Nayyar („Big Bang Theory“), Audi-Rennfahrern wie dem zweifachen DTM-Meister Matthias Ekström oder Rallye-Legende Walter Röhrl und Tech-Talks, sollte dann jenes Auto seine Premiere feiern, mit dem Audi diesen digitalen Wandel verkörpern will: der neue A8.

Das Spektakel bei der Audi-A8-Vorstellung in Barcelona.

Foto: REUTERS

Als Flaggschiff des Modellangebots kommt der Luxuslimousine mit jeder Neuauflage die Rolle als Technologie-Highlight zu. In der vierten Generation bietet Audi als – nach eigener Aussage – erster Premiumanbieter eine vollständig elektrifizierte Modellreihe: Jeder A8 wird mit einem Elektromotor ausgeliefert – wenn auch nur ein kleiner.

Zudem sei der A8 als erstes Serienauto der Welt für hochautomatisiertes Fahren entwickelt. Dabei kann er auf der Autobahn in Stausituationen bis 60 km/h das Steuer übernehmen, während sich der Fahrer einer Nebenbeschäftigung zuwenden kann, die das Auto unterstützt.

Die wichtigsten Eckdaten aus der VW-Konzernbilanz 2016
2016: 217,3 Milliarden Euro 2015: 213,3 Milliarden Euro
2016: 5,1 Milliarden Euro2015: -1,6 Milliarden Euro
2016: 7,1 Milliarden Euro2015: -4,1 Milliarden Euro
2016: 14,6 Milliarden Euro2015: 12,8 Milliarden Euro
2016: 10,39 Millionen Fahrzeuge2015: 10,01 Millionen Fahrzeuge
2016: 626.715 Mitarbeiter2015: 610.076 Mitarbeiter

Den herbeigesehnten Fortschritt und Neuanfang verkörpert der A8 aber nur bedingt. Als erstes Modell aus der Feder des neuen Chefdesigners Marc Lichte gepriesen, sollte der A8 mit dem austauschbaren Audi-Einheitsdesign brechen und wieder deutlich eigenständiger werden.

Ob man den A8 nun schön findet oder nicht: Ein radikaler Bruch mit der Optik des Vorgängers sieht anders aus. Der dominante Kühlergrill ist noch etwas breiter geworden, die LED-Scheinwerfer etwas dynamischer.

Und Lichte kann zwar referieren, weshalb der Wagen minimal höher geworden ist (O-Ton: „Um im Fond mehr Kopfraum zu haben. Doch durch die leichte Coupéform denkt man, der A8 sei flacher als bisher“). Doch das kann nicht davon ablenken, dass viele Kunden den Wagen wohl kaum vom Vorgänger oder dem deutlich kleineren A4 unterscheiden können.

Die fünf Stufen des automatisierten Fahrens
Der Fahrer lenkt, bremst und beschleunigt selbständig. Einfache Systeme wie Abstandshalter unterstützen ihn.
Das elektronische System übernimmt bestimmte Funktionen wie etwa das automatische Einparken oder das Spurhalten. Der Fahrer bleibt aber weiter in der Verantwortung, die Hände bleiben am Lenkrad.
Das Fahrzeug fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss nicht mehr alles dauerhaft überwachen. Er darf die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber in der Lage sein, nach Vorwarnung die Kontrolle wieder zu übernehmen.
Der Fahrer kann noch übernehmen, ist aber nicht mehr erforderlich, um das Auto zu steuern. Elektronische Systeme können alle Verkehrssituationen automatisch bewältigen.
Das Lenkrad entfällt, das Auto wird nur noch vom System gesteuert.

Bei einem Technik-Schaustück zählen vor allem die inneren Werte. Besonders stolz sind die Audi-Verantwortlichen auf die autonomen Fahrfunktionen. „Die Zukunft des Fahrens wird autonom sein, ohne Zweifel“, sagt der neue Entwicklungsvorstand Peter Mertens. „Selbstfahrende Autos brauchen eine künstliche Intelligenz, um mit den Anforderungen des modernen Verkehrs klarkommen zu können.“

Das zentrale Steuergerät für die Fahrassistenten kann unzählige Daten in Echtzeit verarbeiten – von Kameras, Radar- und inzwischen sogar Lasersensoren. Zusammen mit einigen weiteren neuen Systemen ermöglicht dies autonomes Fahren der Stufe 3. „Level 3 bedeutet, dass Sie die Hände vom Lenkrad nehmen können und das Auto die Kontrolle übernimmt“, sagt Mertens. Bei den bisherigen Systemen der Stufe 2, auch dem viel zitierten Autopilot von Tesla, muss der Fahrer ständig die Hände am Lenkrad haben. Der A8 geht als erstes Serienauto einen Schritt weiter.

Besucher des "Audi Summit" begutachten den A8.

Foto: REUTERS

„Unsere künftigen Autos werden den Verkehr managen und das Leben in unseren Städten besser machen“, sagt Audi-Chef Stadler. „All das ermöglicht Audi AI.“ Unter diesen Buchstaben fassen die Ingolstädter sämtliche autonomen und intelligenten Funktionen zusammen. Ein Kürzel soll AI nicht sein – es erinnert aber nicht zufällig an Stichworte wie „autonom“ und „intelligent“, und an die englische Abkürzung für künstliche Intelligenz („artificial intelligence“). „Diese zwei Buchstaben und die Idee dahinter werden auf dem Weg in die neue Ära omnipräsent sein“, so Stadler.

Nur: In diesem Punkt ist der A8 seiner Zeit voraus. Viele Kunden spüren von alldem nichts oder nur wenig. Mit Rücksicht auf die - je nach Land unterschiedliche - Rechtslage wird Audi diese Funktionen zum Marktstart nur eingeschränkt freigeben. Was in Deutschland erlaubt ist, kann nur wenige Meter hinter der Landesgrenze verboten sein. Bis der A8-Fahrer in seiner Luxuslimousine ohne eigenes Zutun Kilometer fressen kann, wird es noch eine Weile dauern.

Schweigen beim Diesel

In einem anderen Punkt gibt sich Audi aber deutlich weniger zukunftsgewandt: Das Thema Diesel blenden die Ingolstädter bei ihrem Zukunftsgipfel nahezu vollständig aus. Nachfragen werden nur ausweichend beantwortet.

Glückt das Audi-Ablenkungsmanöver? Das neue Modell A8 ist zwar ein Anfang, findet Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Aber es braucht noch mehr, um die Krise zu überwinden.

Hatte man sich im März bei der denkwürdigen Jahrespressekonferenz mit parallel stattfindender Razzia der Staatsanwaltschaft München II noch erstmals dazu durchgerungen, von einer „Dieselkrise“ statt der „Dieselthematik“ zu sprechen, taucht das Thema in Barcelona nur ganz am Rande auf.

Natürlich wird auch über den Antrieb des neuen A8 gesprochen, dabei will Audi aber den Fokus bewusst auf die Elektromotoren legen: Der Mild-Hybrid mit seinem 48-Volt-Hauptbordnetz ermöglicht ein Rollen bei ausgeschaltetem Motor mit abgekoppeltem Antriebsstrang, das so genannte „Segeln“, erweiterten Start-Stopp-Betrieb und hohe Bremsenergie-Rückgewinnung. Das spart bis zu 0,7 Liter in der Praxis, wie die Techniker versichern.

Virtuelles Cockpit

Ausgehend von den Audi-Spitzenmodellen TT und Q7, wird die Technik in die ganze Modellpalette eingeführt. Die klassische „Hardware“ in Form von Rundinstrumenten wird durch Bildschirme ersetzt. Entwickelt wurde die Technik von E-Solutions, einem Joint Venture mit Elektrobit außerhalb der bisherigen Konzernstruktur.

Foto: WirtschaftsWoche

Autonomer „Jack“

„Jack“ ist das Versuchsauto für das autonome Fahren. Der mit Kameras und Sensoren ausgerüstete A7 fuhr im Januar 2015 selbstständig vom Silicon Valley nach Las Vegas. Seit dem vergangenen Frühjahr fährt Audi versuchsweise mit dem Auto auch in Deutschland – dank einer Sondergenehmigung. Audi will federführend für VW das autonome Fahren entwickeln.

Foto: dpa

Das Elektro-SUV

Das wuchtige Elektro-SUV Q6-Etron kommt 2018 auf den Markt. Anders als heutige Elektroautos soll es mit einer Batterieladung 500 Kilometer schaffen. Das im Audi-Werk Brüssel gefertigte Elektroauto soll der Auftakt einer ganzen E-Familie werden. Bis 2025 soll ein Viertel aller Audis elektrisch fahren.

Foto: WirtschaftsWoche

Forschen am Neckar

Bislang hat Audi in seinem Werk Neckarsulm vor allem Verbrennungsmotoren entwickelt. Künftig werden neben klassischen Verbrennungsmotoren auch Brennstoffzellen zur Serienreife gebracht. Die Technik gilt neben Elektrobatterien als wichtigste Zukunftsinnovation. Audi entwickelt die Brennstoffzelle federführend für VW.

Foto: WirtschaftsWoche

Kosten der Karosse

Die Wertschöpfung im klassischen Autobau gerät immer weiter unter Druck. Das Zusammenstreichen von Motor- und Karosserievarianten soll auch die Kosten in der Produktion senken. Zudem will Audi, wie der gesamte VW-Konzern, die Einkaufspreise bei den Zulieferern in den kommenden Jahren kräftig drücken.

Foto: dapd

Streichmodell A1 Zweitürer

Das Einstiegsmodell der Marke Audi ist kein Bestseller. Gerade einmal 32.479 Exemplare wurden 2015 verkauft. Bei der Neuauflage des A1 im Jahr 2017 wird die Variante wegfallen.

Foto: WirtschaftsWoche

Streichmodell A3 Zweitürer

Zwei Türen sind der Kundschaft offenbar zu wenig, der viertürige Sportback verkauft sich zehnmal so gut. In der nächsten Modellgeneration wird der Zweitürer wegfallen.

Foto: WirtschaftsWoche

Streichmodell A3 Cabrio

Die offene Variante der A3-Familie wird wenig geschätzt. 19.292 Verkäufe im vergangenen Jahr reichen auf die Dauer nicht. Das jetzige Modell wird keinen Nachfolger bekommen.

Foto: WirtschaftsWoche

Klar ist aber auch: Der A8 wird weiterhin einen Dieselmotor haben – einen 3,0 Liter großen Selbstzünder mit 286 PS. Später folgt noch ein V8-Diesel mit 435 PS. Damit verfolgen die Ingolstädter eine andere Strategie als die Stuttgarter VW-Tochter Porsche. In Zuffenhausen ist zumindest offiziell immer noch nicht entschieden, ob die dritte Generation des Cayenne, die im September vorgestellt wird, einen Dieselmotor bekommen wird oder nicht.

Es gibt leichtere Aufgaben in der Autowelt: 2013 wurde Marc Lichte von Wolfsburg nach Ingolstadt versetzt, um die visuelle Audi-Lethargie endlich zu beenden. Die Ingolstädter hatten den Fehler gemacht, das vom damaligen Design-Papst Walter de Silva entworfene Optik-Konzept mit dem dominanten Singleframe-Kühlergrill und den LED-Tagfahrlichtern auf jede Baureihe überzustülpen. Mit dem Ergebnis, dass beinahe jeder Audi gleich aussah.

Was hinter den Plänen steckt, lesen Sie hier.

Foto: Audi

Die erste öffentliche Kostprobe von Lichtes Ansatz war die 2014 in Los Angeles vorgestellte Studie "Prologue" im Hintergrund. Es war aber nicht das erste Audi-Werk Lichtes: Noch vor der Studie zeichnete der Designer den neuen Audi A8, der 2017 in den Handel kommt. Das Design entwarf er in abendlichen Überstunden – tagsüber war er noch regulär für VW tätig.

Foto: Audi

Es war nicht so, dass Audi keine neuen Design-Ideen mehr hatte. Doch die Studien der letzten Jahre verschwanden in Ingolstädter Katakomben – bei den Serienmodellen kam aber wenig von diesen Ideen an, wie bei den neuen A4, A5 oder Q5 zu sehen ist. Sie sehen zu sehr nach ihren Vorgängergenerationen aus, teilweise wie aus dem Gesicht geschnitten. Lichte will jetzt mehr von den Studien in die Serie übernehmen.

Foto: Audi

Auch ein SUV soll Lichtes Ideen zufolge dynamisch wirken. Den Anfang soll der Q8 machen, der in Detroit als seriennahe Studie vorgestellt wird.

Foto: Audi

„Unseren Modellen fehlte aus Sicht mancher Kunden die nötige Differenzierung“, erklärt der gebürtige Arnsberger. „Das wird sich zukünftig ändern. Jedes Audi-Modell hat einen eigenen Charakter und wird dies in seiner Formensprache zum Ausdruck bringen – sowohl im Exterieur als auch im Interieur.“

Foto: Audi

Das Audi Q8 Concept dürfte auf der NAIAS 2017 für manch hoch gezogene Augenbraue sorgen. Doch der Trommelwirbel in Richtung A8 wird noch wichtiger, denn er soll innen wie außen ein neuer Designansatz sein und die Marke nach oben positionieren.

Foto: Audi

„Mit dem Audi Q8 Concept und dann in der Serie mit dem Audi A8 wird ein komplett neues Bedienkonzept ohne Schalter eingeführt – ein Grundprinzip, dem alle nachfolgenden Modelle folgen werden“, so Lichte.

Foto: Audi

Der mächtige Singleframe-Kühlergrill aber bleibt bestehen – zumindest im Grundsatz. Im Detail führt Lichte den Ansatz weiter fort, dass sich der Kühler selbst von der anfänglichen Trapez-Form immer weiter verabschiedet und auch von Modell zu Modell unterschiedlicher wird. Damit sollen die Autos immer noch als Audi erkennbar sein – nur eben anders.

Foto: Audi

Die Motorenfrage hängt natürlich mit der Nachfrage zusammen. Die beim Vorgänger und auch der Konkurrenz angebotenen Vierzylindermotoren sind komplett gefloppt. In Europa ordern die A8-Kunden ihre Luxuslimousine vorzugsweise mit einem drehmomentstarken Diesel, in für den A8 wichtigeren Märkten wie den USA, Russland und allen voran China spielt der Selbstzünder aber keine Rolle. Hier geht es nur um Benziner. Wenn es nach den Kunden geht, heißt es frei nach dem Motto „Bigger is better“: Hier bietet Audi Auswahl über den V8 mit 460 PS bis hin zum sechs Liter großen W12 mit 585 PS. Wenn es nach den Regulatoren geht, heißt es „cleaner is better“. Hierfür wird Audi einen Plug-in-Hybrid nachreichen, allerdings kommt auch dieser auf 449 PS. Von einer reinen Elektrovariante ist bislang keine Rede. 

„Der A8 macht klar: Eine Marke ist immer ein Versprechen“, gibt sich Stadler zuversichtlich. „Unser Versprechen ist Vorsprung. Wir nehmen unser Versprechen ernst.“

Vorsprung gegenüber der Konkurrenz aus Stuttgart und München (und sogar dem Gesetzgeber) hat der A8 in einigen Punkten, in anderen schließt er gerade einmal zur Konkurrenz auf – etwa bei der Allradlenkung oder dem automatischen Einparken in eine Garage. Für die Selbstfahrsysteme Audi AI war die Premiere des A8 ein wichtiger Meilenstein, wenn auch ein kurzlebiger: Noch intelligentere Autos werden laut Aussage von Technik-Vorstand Mertens schon 2019 folgen.

In einem anderen Punkt war die Weltpremiere des A8 aber auch ein Rückschritt: In einem Konzern, der sich nach dem Dieselskandal geläutert gab und sogar die Selbstinszenierung bei den pompösen „VW Group Nights“ am Vorabend wichtiger Automessen abgeschafft hat, wirkte das Event in Barcelona wie ein Rückfall in vergangene Zeiten.

Etwas, das Audi mit dem A8 eigentlich verhindern wollte.

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