Kampf gegen US-Blockade: Venezuela kündigt eigene Kryptowährung an
Venezuelas Staatschef Nicolas Maduro gibt sich kreativ, wenn es darum geht, den völligen Zusammenbruch irgendwie abzuwenden. Nun soll es eine neue Währung namens „Petro“ richten.
Foto: REUTERSIm Kampf gegen die Inflation und eine drohende Staatspleite will Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro mit einer neuen Digitalwährung einen Umschwung schaffen. In seiner TV-Sendung „Domingos con Maduro“ kündigte er am Sonntag völlig überraschend die Einführung einer Kryptowährung mit Namen „Petro“ an - eine Kurzform für das Wort „Erdöl“. Das Land hat die größten Ölreserven der Welt.
Die virtuelle Währung solle abgesichert werden mit den Ölreserven, Mineral- und Diamantvorkommen. Er wolle mit der virtuellen Währung „den Finanzkrieg“ bekämpfen, den die USA und ihre Alliierten gegen die Sozialisten angezettelt hätten. Gegen hohe Regierungsvertreter, darunter auch Maduro, waren Finanzsanktionen verhängt worden, nachdem das von der Opposition dominierte Parlament entmachtet worden war.
Mehrere Ratingagenturen sehen bereits eine Teil-Pleite in Venezuela. Als Gründe gelten Misswirtschaft der sozialistischen Regierung und auch der seit Jahren relativ niedrige Ölpreis. Wegen der rasanten Inflation steigt die Zahl der hungernden Menschen, zudem fehlen Devisen, um genug Lebensmittel und Medikamente einzuführen.
Platz 10 nach Marktkapitalisierung: Monero
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWochePlatz 9 nach Marktkapitalisierung: IOTA
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWochePlatz 8 nach Marktkapitalisierung: Ethereum Classic
Wie beim Bitcoin teilte sich auch Ethereum bereits in zwei verschiedene Varianten. Beide konnten in diesem Jahr satt zulegen. Classic mit 2169 Prozent jedoch deutlich weniger als der große Bruder Ethereum.
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWochePlatz 7 nach Marktkapitalisierung: Dash
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWochePlatz 6 nach Marktkapitalisierung: Litecoin
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWochePlatz 5 nach Marktkapitalisierung: Bitcoin Gold
Der Coin hat sich erst vor wenigen Wochen vom Bitcoin abgespalten. Er verlor seitdem jedoch an Wert.
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWochePlatz 4 nach Marktkapitalisierung: Ripple
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWochePlatz 3 nach Marktkapitalisierung: Bitcoin Cash
460 Prozent plus in nur drei Monaten - beeindruckender Start des neuen Ablegers vom Bitcoin, der die Zahlfunktion der Kryptowährung wieder stärker in den Fokus rücken will.
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWochePlatz 2 nach Marktkapitalisierung: Ethereum
Keine der zehn größten Kryptowährungen legte in diesem Jahr so stark zu wie die Blockchain-Währung Ethereum.
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWochePlatz 1 nach Marktkapitalisierung: Bitcoin
Der Bitcoin als digitale Leitwährung bringt mit fast 170 Milliarden Dollar Marktwert mehr auf die Waage, als alle anderen Kryptowährungen der Top10. Sie sind zusammen nur 107 Milliarden Dollar schwer.
Quelle: Coinmarketcap
Stand: 28. November 2018, 14 Uhr
Foto: WirtschaftsWocheMit dem „Petro“ soll offensichtlich versucht werden, dieses Problem zu mindern. Zudem könnten über diesen Weg entsprechende Geschäfte mit dem Ausland bezahlt werden - denn die Landeswährung Bolivar weist in diesem Jahr eine Inflation von mehr als 1000 Prozent auf, der monatliche Mindestlohn ist dadurch auf ein paar Euro geschrumpft.
Es gibt bereits hunderte Digitalwährungen, die bekannteste ist der Bitcoin. Im Gegensatz zu Währungen wie dem Euro oder Dollar werden diese Währungen nicht als Scheine gedruckt beziehungsweise von Zentralbanken erzeugt, sondern mit Computern errechnet.
Das virtuelle Geld soll einen Zahlungsverkehr ermöglichen, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert - in Venezuela wird der Bitcoin wegen des Verfalls des Bolivar gerade unter jungen Leuten schon länger intensiv als Alternativwährung genutzt.
Beim „Petro“ ist aber völlig unklar, ob dieses recht einmalige Experiment eines Staates im Kampf gegen eine akute Zahlungsnot und Finanzkrise funktionieren kann. „Dies ermöglicht uns neue Formen der internationalen Finanzierung für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes“, sagte Maduro mit Blick auf die Digitalwährung. „Wir nennen sie Petro“, fügte er enthusiastisch hinzu.
Maduro steht mit dem Rücken zur Wand. Zwar konnte der frühere Busfahrer nach den Protesten im Zuge der Entmachtung des Parlaments mit mehr als 120 Toten sowie zunehmender Repression seine Macht im Innern festigen - aber er findet kein Rezept, um die brachliegende Wirtschaft wieder ans Laufen zu bringen. Dadurch steigen Hunger und Gewalt. Nur noch wenige Fluggesellschaften fliegen das südamerikanische Land an, der Tourismus etwa auf der Isla Magerita ist zum Erliegen gekommen.
Eine Pleite könnte auch zu Verwerfungen im Machtapparat führen, viele Sozialisten sollen Anleihen des Staates und des Ölkonzerns PDVSA halten, ihnen drohen erhebliche Wertverluste. Vor wenigen Tagen gab es zudem eine ungewöhnliche Verhaftungswelle im staatlichen Erdölsektor - gegen Dutzende Parteigänger aus dem eigenen Lager.
Der bisherige Erdölminister Eulogio del Pino und der Chef des Ölkonzerns PDVSA, Nelson Martínez wurden wegen Korruptionsverdacht verhaftet. Insgesamt wurden 65 Menschen festgenommen. Del Pino wird unter anderem vorgeworfen, dass bei dem Unternehmen Petrozamora täglich 15 700 Barrel Öl abgezweigt worden seien. Unter anderem in Kolumbien blüht der Schwarzmarkt mit Öl und Benzin aus Venezuela.