Inflation Deutschland: So hoch ist die Inflationsrate im August 2025
Verbraucher fördern den jährlichen Preisanstieg durch ihr Kaufverhalten. Ein Anstieg um die zwei Prozent gilt als „gesunde Inflation“.
Foto: dpaImmer wieder steigen und fallen Preise für Produkte und Dienstleistungen. Nicht nur ältere Generationen haben den Eindruck, „dass früher alles günstiger war“. Laut Statistischem Bundesamt sind zum Beispiel die Preise für Butter im Zeitraum zwischen 2020 und 2024 um nahezu 30 Prozent gestiegen. Diese Preissteigerung von Jahr zu Jahr nennt sich Inflation und ändert sich in jedem Land laufend.
Auch im Jahr 2025 ist die Inflation weiter eines der bestimmenden Themen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, die Energiekrise und Lieferengpässe führen zu starken Preissteigerungen – viele Produkte, darunter auch Lebensmittel, werden deutlich teurer. Ein aktueller Überblick.
Inflation: Definition, Merkmale, Folgen und Prognosen
Definition: Was ist Inflation?
Sobald Preise für eine bestimmte Anzahl von Waren und Dienstleistungen im Vorjahresvergleich steigen, gilt das als Inflation. Der Verbraucher bekommt also für das gleiche Geld weniger Waren – er verliert an Kaufkraft. Experten sprechen auch von Geldentwertung. Vielen Deutschen graut es davor, dass die Preise weiter steigen, wohingegen Volkswirte eine Inflationsrate um zwei Prozent befürworten. Denn steigende Preise gehen oft einher mit einem Wachstum für die Wirtschaft. Eine gewisse Inflationsrate ist deshalb in den Augen vieler Volkswirte notwendig, da die Wirtschaft sich bei sinkenden Preisen in der Deflation befindet und schrumpft.
In Zeiten von Unsicherheit kaufen die Verbraucher oft weniger und halten sich mit ihrem Konsum zurück. Das kann auf lange Sicht die Wirtschaft schwächen. Als Folge dieser Konjunkturschwäche schließen Betriebe oder nehmen Einsparungen vor, sodass bei einem branchenübergreifenden Personalabbau die Arbeitslosenquote steigt. Die Inflation kann von Politik und Europäischer Zentralbank durch verschiedene Mittel gesteuert werden. Während der Coronapandemie senkte die Bundesregierung beispielsweise die Mehrwertsteuer, um das Kaufverhalten anzukurbeln. Im Zuge der steigenden Inflationsraten in Deutschland und dem Rest der EU erhöhte die Europäische Zentralbank den Leitzins.
Der Leitzins gibt vor, zu welchem Kurs sich Geschäftsbanken bei den Zentralbanken Geld leihen oder anlegen können. Er dient zur Geldmarktsteuerung. Er ist also dafür da, die Wirtschaftslage, die Inflation und den Kurs von Währungen zu beeinflussen. Damit ist die Steuerung des Leitzinses eines der wichtigsten Instrumente der EZB, wenn es um den Kampf gegen die Inflation geht.
Die Entstehung der Inflation hat unterschiedliche Gründe. Zunächst können Unternehmen bei geringem Angebot, aber hoher Nachfrage die Preise erhöhen. Zum anderen kann der Preis in der Produktion steigen. Das passiert beispielsweise, wenn durch die Politik der gesetzliche Mindestlohn erhöht wird oder Rohstoffe teurer werden. Öl- und Benzinpreise sind vorwiegend Ursache für eine Steigerung der Inflation.
Die Europäische Zentralbank definiert Inflation wie folgt: „Steigen die Preise von Waren und Dienstleistungen allgemein und nicht nur die Preise einzelner Produkte, so bezeichnet man dies als Inflation.“ Während das allgemeine Preisniveau steigt, verliert das Geld somit an Wert.
Wie hoch ist die Inflation in Deutschland im August 2025?
Im August ist die Inflation in Deutschland erstmals in diesem Jahr wieder gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verteuerten sich Waren und Dienstleistungen im Schnitt um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es handelt sich um den ersten Zuwachs der Inflationsrate gegenüber einem Vormonat seit Dezember 2024. In den beiden Monaten Juni und Juli 2025 lag die Teuerungsrate noch bei jeweils 2,0 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg auf 2,1 Prozent gerechnet. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise von Juli auf August um 0,1 Prozent.
Die teils drastisch hohe Inflation in den Jahren 2022 und 2023 war vor allem auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Gestörte globale Lieferketten und ein drastisch verringertes Warenangebot führten zu Preisanstiegen. Gleichzeitig hatte die EZB mit umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen reagiert, um das Finanzsystem zu stabilisieren und eine tiefe Rezession zu verhindern. Im Juni 2023 lag die Inflationsrate noch bei 6,4 Prozent, fiel im September 2024 auf 1,6 Prozent und stieg bis Dezember 2024 wieder auf 2,6 Prozent.
Prognose: Wie hoch fällt die Inflation in Deutschland 2025 aus?
Für das laufende Jahr wird eine Abschwächung der Inflation von Ökonomen und Forschern erwartet. Das zuständige Bundesministerium prognostiziert beispielsweise für das Jahr 2025 eine Inflationsrate von 2,0 Prozent in Deutschland, was dem Zielwert der Europäischen Zentralbank entsprechen würde.
Wie wird Inflation berechnet? Was ist im Warenkorb?
Gemessen wird die Inflation an einem Warenkorb mit verschiedenen Gütern. Die durchschnittlichen Ausgaben der privaten Haushalte in Deutschland werden zusammengenommen. Daraus folgt eine Gewichtung für die einzelnen Waren.
Im Warenkorb sind:
- Alltagsprodukte: Nahrungsmittel, Benzin, Strom, Zeitungen
- Langfristige Gebrauchsgüter: Kleidung, Fernseher, Auto
- Dienstleistungen: Versicherungen, Miete, Fitnessstudio
Verglichen werden die jeweiligen Preise des vergangenen Jahres, das sogenannte Basisjahr, mit den Preisen im laufenden Jahr. Die individuelle Inflationsrate, die ein einzelner Verbraucher tragen muss, kann dabei stark von der durchschnittlichen Inflation abweichen. Sie hängt vom Konsumverhalten des Einzelnen ab. Verbraucher kaufen zum Beispiel unterschiedlich viele, unterschiedliche teure Arten von Lebensmitteln. Ein weiteres Beispiel sind steigende Benzinkosten. Sie schlagen sich im Geldbeutel jeder Person wieder, schlicht da nicht jeder ein Auto fährt. Die eigene Rate kann mit dem persönlichen Inflationsrechner bestimmt werden.
Platz 8: Sri Lanka (51,7 Prozent)
Seit 2022 ist die Schuldenkrise im Urlaubsparadies Sri Lanka eskaliert. Die Insel vor der Südspitze Indiens leidet unter einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten, das Land ist mehr oder weniger zahlungsunfähig, der Schuldenberg auf 51 Milliarden Dollar angewachsen. Die schlechte Versorgungslage treibt die Preise vor allem für Lebensmittel nach oben. Jetzt liegt die Hoffnung auf Hilfen des Internationalen Währungsfonds.
Platz 7: Surinam (55,5 Prozent)
Das kleine Surinam mit seinen rund 600.000 Einwohnern liegt an der Nordostküste Südamerikas und macht selten internationale Schlagzeilen. Mitte Februar war das anders, da stürmten Demonstranten das Parlament und verwüsteten Geschäfte, um gegen die steigenden Lebenshaltungskosten zu protestieren. Zuvor hatte das überschuldete Land auf Druck des Internationalen Währungsfonds die Subventionen unter anderem für Benzin und Strom zurückgefahren – was die Preise auch für andere Güter in die Höhe trieb.
Platz 6: Türkei (57,7 Prozent)
Recep Tayyip Erdogan ist einsamer Anhänger einer exklusiven ökonomischen Theorie: Hohe Inflation, so glaubt der türkische Staatspräsident, lasse sich am besten durch niedrige Zinsen bekämpfen. Die Folgen spürt die türkische Bevölkerung nun jeden Tag beim Einkaufen. Nachdem sich Erdogan die Notenbank gefügig gemacht hat, ist die türkische Lira nach unten gerauscht. Das verteuert die Importe und heizt die Inflation kräftig an.
Platz 5: Sudan (83,6)
Seit vielen Jahren ist die politische Lage im Sudan instabil – und damit auch die Lage der Wirtschaft. Seit Oktober 2021 hat wieder das Militär das Sagen, die hohen Auslandsschulden haben Weltbank und Internationalen Währungsfonds alarmiert. Immerhin gibt es ein bisschen Hoffnung: Die aktuelle Inflationsrate von knapp 84 Prozent ist für sudanesische Verhältnisse fast schon moderat – 2021 hatte sie im Schnitt bei 359 Prozent gelegen. Und auch politisch wächst ein zartes Pflänzlein der Entspannung. Das Militär und zivile Parteien haben ein Papier unterschrieben, wonach es 2024 Wahlen und den Übergang zu einer Zivilregierung geben sollen.
Platz 4: Argentinien (102,5 Prozent)
Argentinien gilt traditionell als Land mit ausufernden Schulden, wenig stabilitätsorientierter Geldpolitik und daraus resultierend: hoher Inflation. Jetzt ist eine schwere Dürre hinzugekommen, die vor allem Soja, Mais und Fleisch drastisch verteuert. Die Teuerungsrate insgesamt lag im Februar auf dem höchsten Stand seit September 1991. Für die Politik kommt dies zur Unzeit: Im Oktober finden in Argentinien Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt.
Platz 3: Libanon (123,5 Prozent)
Seit über drei Jahren ist der Libanon im extremen Krisenmodus, verschärft durch die Pandemie und die verheerende Explosion im Beiruter Hafen 2020. Die Währung des Landes befindet sich im Crashmodus und hat seit 2019 über 90 Prozent ihres Wertes verloren. Das macht Importgüter für viele Menschen unbezahlbar – rund drei Viertel der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsschwelle. Zwar besitzen viele Libanesen auch Konten in US-Dollar. Doch der Zugang ist mittlerweile eingeschränkt: Weil dem Land die Devisen ausgehen, haben die meisten Banken die Dollar-Abhebungen gedeckelt.
Platz 2: Venezuela (155,8 Prozent)
Das südamerikanische Land ist ein Musterbeispiel dafür, wie sozialistische Misswirtschaft private Unternehmen vergrault, das Güterangebot einbrechen lässt und die Preise in astronomische Höhen treibt. Das Gegenrezept von Diktator Nicolas Maduro: 2021 ließ er bei der heimischen Währung Bolívar sechs Nullen streichen. Der Erfolg war überschaubar: Nach letzten offiziellen Zahlen von Oktober 2022 liegt die Inflationsrate bei über 155 Prozent. Viele Transaktionen werden mittlerweile in Dollar oder Bitcoin abgewickelt.
Platz 1: Simbabwe (229,8 Prozent)
Das afrikanische Simbabwe dürfte den historischen Weltrekord für Inflation halten: 2009 – Präsident Robert Mugabe hatte das Land über viele Jahre ökonomisch zerrüttet – erreichte die Teuerungsrate kurzzeitig 230 Millionen Prozent. Simbabwe musste seine Währung aufgeben und auf den US-Dollar setzen. Als die Regierung 2019 die Landeswährung wieder einführte, verlor diese abermals rapide an Wert. Die Inflation lag im Januar 2023 bei knapp 230 Prozent. Die Zentralbank hat die Leitzinsen nun auf 200 Prozent angehoben und will den US-Dollar in den kommenden fünf Jahren zum gesetzlichen Zahlungsmittel machen.
Quellen: Trading Economics, Statistische Ämter (Stand in der Regel Januar 2023). Für Syrien und den Jemen, Staaten mit ebenfalls extrem hoher Inflation, liegen keine belastbaren Zahlen vor.
Foto: imago imagesWer gehört zu den Verlierern der Inflation?
Vor allem betroffen sind Geringverdiener, Rentner, Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose – Menschen, die ihr Einkommen hauptsächlich für Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel und Miete sowie Energie ausgeben. Legen Sparer ihr Geld nicht renditestark an oder erhalten Zinsen oberhalb der Inflationsrate, verlieren sie ebenfalls einen Teil ihres Vermögens.
Wie können Verbraucher von der Inflation in Deutschland profitieren?
Es gibt verschiedene Wege: Vor allem Schuldner profitieren davon, dass die Preise steigen und die Schulden an Wert verlieren. Durch steigendes Einkommen zum Beispiel kann der Schuldner seinen Kredit schneller zurückzahlen. Das gilt übrigens auch für den Staat und Unternehmen.
Viele Jahre waren die Zinsen auf Sparguthaben aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB sehr gering, sodass sich eine Anlage auf einem Sparkonto kaum lohnte. Seit Ende 2022 gibt es wieder etwas höhere Zinsen. Oft war die Geldanlage an der Börse jedoch profitabler.
Die Investition in Aktien oder Fonds macht Aktionäre zum Anteilseigner eines Unternehmens. Die Erträge sind höher als die der Sparer. Hierbei ist es wichtig, eine möglichst breite Vielfalt an Aktien zu wählen, um kein Risiko mit nur einem Unternehmen einzugehen.
Eine weitere Möglichkeit ist die Anlage in Gold. Der Wert einer Feinunze hat sich seit dem Jahr 2000 vervielfacht. Experten sind allerdings überzeugt, dass der Goldpreis in Zukunft weniger stark steigen wird. Zudem ist es wichtig, zu erwähnen, dass es auf Gold keine Zinsen gibt. Der Goldpreis ist sehr stark von der Nachfrage abhängig. Das führt vor allem in Krisenzeiten dazu, dass die Nachfrage im Regelfall steigt und somit auch der Goldwert.
Inflationsrate in Deutschland von 2005 bis heute in der Tabelle
Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im Dezember 2020 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.
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