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KonjunkturMaterialmangel drückt die Firmenstimmung: Ifo-Index fällt auch im August

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im August auf 99,4 Punkte gesunken und damit den zweiten Monat in Folge. Lieferengpässe und Sorgen vor steigenden Infektionszahlen treiben die Firmenmanager um. 25.08.2021 - 10:44 Uhr

Umschlagplatz Hamburger Hafen. Nach dem Schrumpfen Anfang 2021 war die deutsche Wirtschaft im Frühjahr zwar wieder um 1,6 Prozent gewachsen.

Foto: dpa

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen trübt sich wegen Lieferengpässen und steigender Corona-Zahlen weiter ein. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im August auf 99,4 Punkte von 100,7 Zählern im Juli und damit den zweiten Monat in Folge, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 100,4 Punkte gerechnet. „Lieferengpässe bei Vorprodukten in der Industrie und Sorgen wegen steigender Infektionszahlen belasten die Konjunktur“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Insbesondere im Gastgewerbe und im Tourismus wachsen die Sorgen.“

Die Manager beurteilen ihre Lage zwar etwas besser als zuletzt, bewerten ihre Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate jedoch deutlich skeptischer. Die Stimmung in der Industrie verschlechterte sich trotz gut laufender Geschäfte spürbar. „Der Ausblick auf die kommenden Monate erlitt einen deutlichen Rückschlag“, betonte Fuest. Die Lieferkettenprobleme dürften sich eher verschärfen als entspannen, sagte Bankhaus-Lampe-Experte Bastian Hepperle. „Fehlen aber wichtige Teile wie Halbleiter, können gut gefüllte Auftragsbücher nicht zügig abgearbeitet werden.“ Die Folgen seien eine Verlagerung der Produktion in die Zukunft und weiterhin lange Lieferzeiten.

Die steigenden Infektionszahlen hätten die Erwartungen im Gastgewerbe und Tourismus praktisch einbrechen lassen, sagte Ifo-Konjunktur-Experte Klaus Wohlrabe zu Reuters. „Der Optimismus der vergangenen Wochen ist hier komplett weg.“ So habe sich im Dienstleistungssektor insgesamt und im Handel die Stimmung ebenfalls eingetrübt. Im Bauhauptgewerbe stieg der Ifo-Index. Die Betriebe waren etwas zufriedener mit den laufenden Geschäften und blickten zuversichtlicher nach vorn als zuletzt.

Nach dem Schrumpfen Anfang 2021 war die deutsche Wirtschaft im Frühjahr zwar wieder um 1,6 Prozent gewachsen. Während vor allem die Service-Branche nach den monatelangen Einschränkungen wegen der Pandemie zunächst Morgenluft schnupperte, könnte es bei der Industrie trotz guter Aufträge allerdings oft noch besser laufen. Denn vielen Firmen machen die Lieferengpässe bei wichtigen Vormaterialien wie Mikrochips zu schaffen. „70 Prozent der Industriebetriebe klagen inzwischen über Engpässe bei Vorprodukten (Vormonat: 64 Prozent)“, sagte Wohlrabe. Hier wolle jedes zweite Unternehmen wegen der stark gestiegenen Kosten die Preise erhöhen.

Die deutschen Wirtschaftskontakte mit Osteuropa boomen. Im ersten Halbjahr nahm der Handel nach Angaben des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft um 24,3 Prozent zu. Polen ist nach den am Mittwoch vorgelegten Zahlen mittlerweile der fünftgrößte Handelspartner Deutschlands. Bei den Einfuhren liegt der östliche EU-Nachbarn bereits vor Frankreich und nur noch knapp hinter den USA. Der deutsche Handel mit dem Vereinigten Königreich ging dagegen von Januar bis Juni entgegen dem Trend mit den meisten anderen Staaten erneut um 2,3 Prozent zurück. Großbritannien ist nach dem Brexit nun nur noch der elftwichtigste Handelspartner Deutschlands.

Mehr zum Thema: Sascha Haghani, Deutschlandchef der Beratungsgesellschaft Roland Berger, spricht über den Restrukturierungsbedarf der deutschen Wirtschaft – und sagt, warum Corona längst nicht mehr der einzige Belastungsfaktor für Unternehmen ist.

rtr
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