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  4. Die Höhle der Löwen (DHDL) und Aivy: „Unser Ziel ist es, den Lebenslauf zu ersetzen“

Die Höhle der Löwen„Unsere Ergebnisse sind aussagekräftiger als ein Lebenslauf oder ein Arbeitszeugnis“

Mit spielerischen Tests will das Start-up Aivy feststellen, ob Bewerber und Unternehmen gut zueinander passen. Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer wollten einsteigen – doch die Gründer stellten Bedingungen. Wie ging es nach der Aufzeichnung weiter?Manuel Heckel 17.05.2022 - 06:00 Uhr

In der „Höhle der Löwen“ präsentierte das Gründerteam von Aivy seine App und überzeugte Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer.

Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer

Hochschule, Noten, Zertifikate: Das Start-up Aivy will dafür sorgen, dass diese Kriterien bei der Kandidatenauswahl in den Hintergrund rücken. In der „Höhle der Löwen“ präsentierte das Gründerteam seine App, in der Bewerber kurze Mini-Spiele lösen – und sich so herausstellen soll, ob sie mit ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten gut auf das Profil der ausgeschriebenen Stelle passen. 450.000 Euro wollen die Gründer gegen zehn Prozent an ihrem Unternehmen tauschen. Das sei eine Bewertung, „bei der man erstmal schluckt“, sagt Investorin Dagmar Wöhrl – und macht dann doch mit Carsten Maschmeyer ein Angebot. Nach einigem Hin und Her einigen sich Start-up und Promi-Investoren in der Sendung auf einen ungewöhnlichen Deal: Zehn Prozent erhalten die Geldgeber sofort, weitere zehn Prozent, wenn sie dem Start-up messbar beim Wachstum helfen. Mitgründer Florian Dyballa und Diversity-Managerin Alexandra Kammer berichten im Interview, was seit der Aufzeichnung vor einem Jahr passiert ist. 

WirtschaftsWoche: Am Ende des Pitches steht ein Deal unter Vorbehalt: Sie wollten mit Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl über die genauen Bedingungen reden, zu denen die Investoren alle vereinbarten Anteile erhalten. Wie ging es weiter? 
Florian Dyballa: Es wurde weiterverhandelt. Zunächst gab es einen Austausch direkt nach der Aufzeichnung in Köln – wie sehen die Meilensteine genau aus, wie misst man sie? Das hat ein bisschen Zeit in Anspruch genommen, insgesamt einige Wochen. Am Ende ist der Deal nicht zustande gekommen. Die Meilensteine wurden zu Stolpersteinen. 

Über welche Faktoren haben Sie denn mit Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer gerungen?
Dyballa: Es ging vor allem um die Skalierung beim Vertrieb, also zum Beispiel um Kontakte für einen Markteintritt in den USA oder zu großen Unternehmen. Das sind normalerweise eher weiche Faktoren, die man nicht in ganz harten Kennzahlen messen kann. Es ist ja auch eher ungewöhnlich, dass Investorinnen und Investoren solche Meilensteine erfüllen müssen.

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Schade drum?
Alexandra Kammer: Die Verhandlungen waren sehr freundlich und professionell. Aber am Ende müssen bei einem solchen Deal beide Seiten glücklich werden. Und wenn das nicht so ist, ist es gut, sich das auch offen einzugestehen.

War die „Höhle der Löwen“ denn ein passender Ort für Sie? Ihr Produkt ist vergleichsweise schwierig zu erklären – und richtet sich ja an Geschäftskunden.
Dyballa: Wir verdienen unser Geld mit Unternehmen. Aber es geht uns um etwas Größeres: Wir wollen eine Arbeitswelt, in der der Mensch hinter dem Lebenslauf im Fokus steht. Auch wir hätten eine Lösung wie Aivy früher gebraucht, aber nicht unbedingt Geld dafür ausgeben können. Daher war es cool, unsere Idee auch einer breiten Öffentlichkeit zeigen zu können.

Nils Glagau kritisierte, dass es bereits eine Vielzahl an Eignungstests gäbe. Warum braucht es auch noch Aivy?
Kammer: Unser Test ist nicht pseudo-psychologisch, sondern wissenschaftlich validiert. Wir erfüllen die DIN-Vorgaben für berufsbezogene Eignungsdiagnostik. Zugleich wollten wir etwas erschaffen, was sehr intuitiv zu bedienen ist und auch noch Spaß macht. Es geht nicht darum, einen Highscore zu knacken. So wie ich mich verhalten, so ist es auch gut. 
Dyballa: Gleichzeitig helfen wir den Unternehmen dabei, objektiv herauszufinden, welche Profile sie für eine bestimmte Stelle brauchen – und dann auch die passenden Menschen dafür zu finden. So bekommen nicht immer diejenigen den Job, die die besten Noten haben oder am extrovertiertesten sind. Wenn man nach einer Persönlichkeit sucht, gibt es kein gut oder schlecht – nur mehr oder weniger passend. 

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Und welche Art von Unternehmen hat Lust auf dieses neue Modell? 
Dyballa: Erstens sind wir eine niedrigschwellige Lösung für Unternehmen, die noch nicht mit Eignungsdiagnostik gearbeitet haben. Zweitens gibt es Firmen, die immer noch aus vielen Bewerbenden auswählen können – aber das nicht nur aufgrund von harten Fakten entscheiden oder gar aussortieren wollen. Und drittens gibt es zunehmend Unternehmen, denen es auf einen „cultural fit“ ankommt – kann eine Person also in der ausgeschriebenen Position glücklich werden?

Wie soll Aivy konkret helfen, diese große Frage zu beantworten?
Kammer: Zunächst definieren die Unternehmen das genaue Anforderungsprofil für die freie Stelle. Dafür füllen meist drei bis fünf Mitarbeitende einen Fragebogen aus – und zwar nicht nur die Personalabteilung, sondern auch die Fachbereiche. Wenn das Profil steht, wählt die Software die passenden Tests aus. Dann werden die Bewerbenden zu den Tests eingeladen. Die benötigen jeweils nur wenige Minuten Zeit – dauern die Tests zu lange, sind viele gute Bewerbende direkt weg. Und im letzten Schritt legen wir Anforderungsprofil und Ergebnisse übereinander. So sieht man, wie gut eine Person zu der Stelle passt.

Welche Aussagekraft kann so ein Test haben? 
Dyballa: Unser Ziel ist es, den Lebenslauf zu ersetzen. Jetzt geht es aber natürlich erst einmal darum, ihn zu ergänzen. Normalerweise kann man den Leuten ja nicht so richtig in den Kopf gucken – mit Aivy gelingt das deutlich besser. Die Ergebnisse sind dadurch aussagekräftiger als ein Lebenslauf oder ein Arbeitszeugnis. 

In der „Höhle der Löwen“ sprachen Sie von 60.000 Euro Umsatz. Wie hat sich das seit der Aufzeichnung vor einem Jahr verändert? 
Dyballa: Wir haben unseren Umsatz im vergangenen Jahr fast vervierfacht. Der Bedarf ist da. Aber zur Wahrheit gehört auch: Wenn mehrere Abteilungen in Unternehmen in den Entscheidungsprozess eingebunden sind, verlangsamen sich die Schritte häufig. Das ist anstrengend für uns – aber es gehört zum Start-up-Leben dazu. In der Zwischenzeit konnten wir eine Finanzierungsrunde mit anderen Investorinnen und Investoren abschließen. Und heute können wir unser Produkt auch in der Zusammenarbeit mit unserer Kundschaft weiterentwickeln – das gibt uns eine zusätzliche Quelle, aus der wir schöpfen können.

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