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Die Höhle der Löwen„90 Prozent der Versicherten sind nicht bei der Krankenkasse, die für sie am besten ist“

Kassenkompass zeigt gesetzlich Versicherten Alternativen auf – und verdient beim Wechsel mit. Finanzprofi Carsten Maschmeyer schlägt ein. Hält der Deal?Manuel Heckel 30.09.2025 - 12:15 Uhr
Fiona Jasmut und Ole Walkenhorst präsentieren ihre Plattform Kassenkompass in die Höhle der Löwen. Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer

Fast 75 Millionen Menschen in Deutschland sind gesetzlich krankenversichert. Nur wenige davon wechseln die Krankenkasse, obwohl bundesweit mehr als 90 Versicherungen bereitstehen. Das Gründerteam von Kassenkompass, Fiona Jasmut und Ole Walkenhorst, will die Zahl der Wechsler steigern. Auf ihrer Plattform können Versicherte sich durch einen Fragebogen klicken und erfahren so, wo sie weniger zahlen oder mehr freiwillige Leistungen erhalten. In der „Höhle der Löwen“ fordern die beiden 300.000 Euro für zehn Prozent der Anteile. Carsten Maschmeyer möchte 20 Prozent für die gleiche Summe – Jasmut und Walkenhorst schlagen ein. Wie ging es nach der Aufzeichnung im Februar weiter?

WirtschaftsWoche: In der Sendung kommt es zum Handschlagdeal mit Carsten Maschmeyer. Ist es dabei geblieben?
Fiona Jasmut: Nach der Aufzeichnung haben wir die Due Diligence durchlaufen, das hat etwa zwei bis drei Monate gedauert. Doch seit Mai ist Carsten Maschmeyer bei uns an Bord. Mit dem Kapital konnten wir bereits das Marketing ausbauen und unsere IT-Plattform überarbeiten. Die vorherige Version hätte es nicht geschafft, mehrere tausend Anfragen pro Tag zu verarbeiten. Zudem konnten Krankenkassen nicht ihre eigenen Daten einpflegen und die Möglichkeit einer persönlichen Beratung gab es auch nicht.

Konnte Maschmeyer denn noch mehr als das Kapital einbringen?
Zum Jahreswechsel werden wir in die Finanzguru-App integriert, die vor sieben Jahren in der „Höhle der Löwen“ war und dort ebenfalls Carsten Maschmeyer als Investor gewonnen hat. Zudem hat er die Türen aufgestoßen für Gespräche mit großen Finanzvertrieben. Und wir können in vielen Bereichen auf die Unterstützung des Teams seines Risikokapitalgebers Seed + Speed bauen.

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Seit fast fünf Jahren ist es für gesetzlich Versicherte erheblich leichter, die Kasse zu wechseln. Dennoch passiert es immer noch selten. Warum?
Es ist ein bisschen so wie mit der Möglichkeit, seinen Stromanbieter zu wechseln: Der Gedanke muss häufig erst einmal reifen. In Deutschland herrscht oft eine eher vorsichtige Mentalität vor, die Angst vor Veränderung ist groß. Da sind dann einige Impulse nötig, bis man den Schritt wirklich wagt. Und es fehlt an Vergleichbarkeit und Transparenz im Markt.

Der Wechsel der Krankenkasse klingt ja erst einmal für viele nach unnötiger Arbeit.
Wir sind überzeugt, dass 90 Prozent der Versicherten aktuell nicht bei der Krankenkasse versichert sind, die für sie am besten geeignet ist. Und es muss eben nicht die gleiche Krankenkasse für das gesamte Leben sein. Ein Student hat andere Bedürfnisse als ein Familienvater oder ein Rentner. Manche Krankenkasse passt einfach besser zur aktuellen Lebensphase – und das ändert sich nach ein paar Jahren wieder.

Was sagen Ihre Daten: Wann wird der Entschluss tatsächlich in die Tat umgesetzt?
Wie so häufig immer dann, wenn wirklich der Schuh drückt. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Zusatzbeiträge erhöht werden – solche Nachrichten hört man ja aktuell monatlich von irgendeiner Kasse. Zum Januar werden sicher wieder viele Kassen die Beiträge erhöhen. Sowas ist dann ein wichtiger Faktor, um sich zu bewegen.

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Und was kann sonst noch Anlass zum Wechsel geben?
Die Unzufriedenheit mit dem Service oder den Angeboten seiner bisherigen Kasse. Und natürlich, wenn Versicherte bei Freunden und Bekannten erleben, dass der Wechsel so einfach ist – und man es eigentlich nur merkt, weil man eine neue Versichertenkarte erhält. Wenn sie dann einmal gewechselt haben, sind viele offen dafür, regelmäßig die Angebote zu vergleichen.

Ist es nicht für Sie verlockend, die Empfehlungen abhängig von den Provisionen der Kassen zu gestalten?
Das dürfen und machen wir nicht. Wir erhalten von jeder Krankenkasse die gleiche Summe für einen Wechsel – eine gesetzlich festgelegte Aufwandsentschädigung in Höhe von 112,35 Euro. Wir stehen auf der Seite der Versicherten und uns ist der unabhängige Mehrwert, den wir bieten, sehr wichtig.

Vergleichs- und Wechselmöglichkeiten bieten auch große Plattformen wie Check24.
Es gibt unserer Meinung nach zwei Zielgruppen: Die eine macht alles mit den großen Vergleichsportalen. Doch dann gibt es noch die, die vielleicht noch nie über einen Wechsel nachgedacht haben. Darunter auch die jüngere Generation. Das ist eher unsere Zielgruppe, die erreichen wir beispielsweise über Social Media.

Wir werden wahrscheinlich niemals so viel Geld in Werbung stecken können wie Check24
Fiona Jasmut
Gründerin Kassenkompass

Und so wollen Sie gegen diese große Konkurrenz dauerhaft bestehen?
Wir werden wahrscheinlich niemals so viel Geld in Werbung stecken können wie Check24, aber das wollen wir auch gar nicht. Wir möchten vor allem über positive Erfahrungen, Empfehlungen und Vertrauen nachhaltig wachsen. Wir sind auf dem Weg, eine eigene starke Marke mit einem starken Team zu sein. Damit können wir uns von einem gesichtslosen Check24 abgrenzen. Für den Wechsel einer Versicherung braucht man eine Vertrauensperson. Die wollen wir sein.

Die Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung müssen sich überall gleichen. Wie lassen sich da Vorteile und Unterschiede erkennen?
Abhängig von dem, was die Nutzerinnen und Nutzer angeben, rechnen wir ihnen vor, was sich für sie lohnen würde. Dabei geht es erstens um die Ersparnis durch geringere Zusatzbeiträge, zweitens auch um freiwillige Leistungen oder Bonusprogramme: bis zu 100 Euro für eine professionelle Zahnreinigung, 500 Euro für Sportausrüstung oder auch 300 Euro jährlich für eine Zahnzusatzversicherung. Oder es gibt Geld zurück, wenn man regelmäßig zu Vorsorgeterminen geht oder Sport macht. Drittens gibt es auch die Möglichkeit, auf bestimmte Leistungen zu verzichten und dadurch Geld zu sparen.

Wie reagieren die Kassen eigentlich darauf, dass Sie den Versicherten den Wechsel schmackhaft machen wollen?
Die Kassen mit guten Bonusprogrammen und zusätzlichen Leistungen sind sehr offen für unser Angebot, die meisten tragen ihre Daten mittlerweile selbst bei uns ein. Ein paar wenige machen das nicht, da übernehmen wir die Datenpflege. Niemand mag Veränderung, wenn er nicht selbst davon profitiert. Grundsätzlich sind aber Transparenz und Vergleichbarkeit in der heutigen Zeit einfach ein Muss.

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