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Kontroverser „N-Wort“-PostWie ein Trumpf-Vorstand einen Shitstorm auslöst

Oliver Maassen ist Personalvorstand beim Maschinenbauer Trumpf und hat jetzt mit einem Post auf LinkedIn eine Welle der Empörung ausgelöst. Er echauffierte sich über die Winnetou-Debatte – und legte noch einen drauf.Christian Schlesiger 29.08.2022 - 15:01 Uhr

Oliver Maassen, Vorstand und CHRO bei Trumpf, sorgte am Wochenende mit einem LinkedIn-Post für Empörung.

Foto: PR

In der Gefühlswelt von Oliver Maassen muss es schon länger gebrodelt haben. Auf LinkedIn machte er sich jedenfalls am Sonntag seinem Ärger Luft. Er postete einen Artikel der „Neuen Zürcher Zeitung“ und bedankte sich dafür, dass der Autor der Schweizer Tageszeitung ein Wort für ein Thema gefunden habe, bei dem es ihm, also Maassen, „schon lange eiskalt den Rücken runterläuft“. Das Wort lautet: „Gefühlsterror“.

Damit hat die „NZZ“ ein Phänomen beschrieben, dass Unternehmen aus angeblich falsch empfundener Ehrfurcht, bei anderen Menschen Gefühle verletzen zu können, ganze Veranstaltungen absagen oder Produkte vom Markt nehmen. Zuletzt hatte etwa der Ravensburger Verlag eine Debatte ausgelöst, weil er das Buch „Der junge Häuptling Winnetou“ aus dem Programm nimmt. Mit den Winnetou-Titeln habe man „die Gefühle anderer verletzt“, so Ravensburger selbst. Und die „NZZ“ hat mit ihrem Meinungsbeitrag bei Maassen offenbar einen Nerv getroffen. Und der wiederrum löst mit seinem Post heftige Reaktionen aus – zunächst auf LinkedIn, später auch auf Twitter.

Denn Maassen belässt es nicht beim Bezug zu dem NZZ-Artikel. Winnetou sei ein Held seiner Jugend gewesen, man könne ihn doch nicht einfach verbieten. Und bei Rastalocken und Genderei sei er inzwischen „diese Pseudomanipulationen leid“. Und dann schrieb er: „Gestern habe ich Negerkuss gesagt und mich gleich dafür entschuldigt. Wie blöd kann man eigentlich sein...“

Nun ist Oliver Maassen nicht irgendwer, sondern Personalvorstand des Maschinenbauers Trumpf in Ditzungen nordwestlich von Stuttgart. Und vielleicht sorgte sein Post auch deshalb für so viel Aufregung, weil er eine wirtschaftliche Elite repräsentiert und mit Ende 50 zu den älteren weißen Herren zählen könnte, die neue gesellschaftliche Entwicklungen grundsätzlich ablehnen. Nur ist der Fall aber nicht so eindeutig.

Dass ausgerechnet Maassen die Debatte um eine mögliche Cancel Culture mit einem Weiterdreh um das N-Wort zuspitzt, überrascht, da seine Gefühle selbst schon während seiner Karriere verletzt wurden. So berichtete er etwa im „Handelsblatt“ Anfang dieses Jahres über ein „schockierendes“ Erlebnis, das mit dafür gesorgt habe, dass er sich jahrelang nicht geoutet hat. Damals sei er als junger Mann in einer Bank für die Personalentwicklung zuständig gewesen. Als es um den Karrieresprung eines Mitarbeiters ins Top-Management gegangen sei, habe ein Vorstand gesagt: „‚Aber er lebt doch mit einem Mann zusammen‘“. So erzählte es Maassen im Handelsblatt-Podcast Rethink Work. Und weiter: „Und dann hieß es, verkürzt gesagt: ‚Ach ja, dann nicht.‘“

Maassen ist mit einem Mann verheiratet. Und habe sich laut „Handelsblatt“ für mehr Vielfalt bei seinem Arbeitgeber eingesetzt. Maassen ist allerdings kein Freund von Quoten. Er könne sich allenfalls eine Diversitätsquote vorstellen, die auch Kriterien wie Internationalität, Alter oder Homosexualität Rechnung trage.

Die Reaktionen bei LinkedIn und Twitter auf seinen Post ließen jedenfalls nicht lange auf sich warten. „Ah, die Maske ist gefallen“, schreibt etwa Julius K. „Ein schlechter Tag für Diversity & Inclusion bei Trumpf“, kommentiert Christoph Enderle. Oder schlicht: „der ekligste LinkedIn Beitrag der Woche“, so Michael Peukert.

Oliver Maassen hat inzwischen auf „die kontroversen Reaktionen“ geantwortet. Sie zeigten ihm, „dass eine breite gesellschaftliche Debatte über die Grenzen des Sagbaren und den Kern von Vielfalt auch in der Wirtschaft bitter nötig ist: sich in Ruhe mit den Argumenten anderer auseinanderzusetzen“. Sein Beitrag sei auch Ergebnis persönlicher Schamgefühle, etwa bei der Nutzung des N-Wortes. Es ging ihm „um das Entsetzen, das ich an mir selbst feststelle“. Man müsse aber öffentlich debattieren können und dürfe nicht schlussfolgern, dem anderen „sofort eine schlechte Absicht zu unterstellen“. Sonst „entfernen wir uns womöglich auch in anderen Themen immer mehr von dem, was wir vorzugeben meinen“.

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