Iris-T: Jetzt hat die Ukraine Deutschlands modernstes Abwehrsystem
Deutschland liefert das IRIS-T Flugabwehrsystem an die Ukraine
Foto: imago imagesErleichterung schwingt in diesen Worten mit: „Eine neue Ära der Luftverteidigung hat begonnen“, schrieb der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow in der Nacht zu Mittwoch auf Twitter. Dann dankte er Deutschlands Verteidigungsministerin Christine Lambrecht für ihre Unterstützung (SPD).
Der Anlass: Kurz nach den neuen Raketenangriffen Russlands auf Dutzende ukrainische Städte hat Deutschland das Flugabwehrsystem Iris-T SLM an das Land übergeben. Damit stellt die Bundesrepublik sein modernstes und im Prinzip auch teuerstes Luftabwehrsystem zur Verfügung.
Iris-T: Was kann das System?
Es gibt mehrere Versionen des Infra Red Imaging System Tail/Thrust Vector-Controlled genannten Raketenprogramms. Die einfachste Form ist eine drei Meter lange Luft-Luft-Rakete. Mit der Lenkwaffe können Kampfflugzeuge wie der Eurofighter andere Jets oder auch Raketen bekämpfen. Weil die Waffe ihr Ziel selbstständig sucht und verfolgt, ohne dass der Pilot sie nachsteuern muss, kann sie jeder Jet quasi aus der Deckung abfeuern.
Kampfpanzer Leopard 2
14 moderne Kampfpanzer des Typs Leopard 2 A6 samt Munition soll die Ukraine aus Bundeswehrbeständen erhalten, weitere Panzer sollen andere Länder beisteuern – auch wenn die Panzer-Koalition zuletzt gewackelt hat. Es handelt sich dabei um den aktuellen Kampfpanzer der Bundeswehr. Er wurde nach den Erfahrungen aus den Balkan-Kriegen weiterentwickelt und kam unter anderem in Afghanistan zum Einsatz. Der rund 60 Tonnen schwere Panzer ist mit einer 120-Millimeter-Kanone ausgestattet, kann Ziele auf eine Entfernung von bis zu fünf Kilometern bekämpfen und erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 70 Kilometern pro Stunde. Laut Hersteller KMW wurden mehr als 3500 dieser Panzer gebaut, der in knapp 20 Ländern im Einsatz ist.
Foto: dpaKampfpanzer Leopard 1
Der Vorgänger des Leopard 2 ist der Leopard 1, der aus den 60er Jahren stammt. Mehr als 4700 Stück wurden nach Angaben von KMW gefertigt. Der Panzer ist mit einer 105-Millimeter-Bordkanone bewaffnet. Trotz der 43 Tonnen Gewicht gilt dieser Kampfpanzer als wendige Kampfmaschine, die dank des 830-PS-Motors bis zu 65 Kilometer schnell fährt und Steigungen von 60 Prozent ebenso schafft wie eine Querneigung von 30 Grad.
Die Ukraine soll bis zu 178 Exemplare dieses Oldtimers aus Industriebeständen erhalten – abhängig davon, wie viele der bei den Rüstungsunternehmen lagernden Panzer überhaupt instandgesetzt werden können.
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Schützenpanzer Marder
Der rund 40 Tonnen schwere Schützenpanzer Marder stammt aus den 60er Jahren, er wird bis heute von der Bundeswehr und einer Handvoll anderer Länder genutzt. Bei der Bundeswehr wird er derzeit nach und nach durch den modernen Schützenpanzer Puma von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall abgelöst. Der Marder ist mit einer 20-Millimeter-Bordkanone und einem Maschinengewehr ausgestattet und kann mit einer Besatzung von drei Soldaten sechs Panzergrenadiere transportieren, die auch abgesessen kämpfen können. Außerdem kann er durch bis zu zwei Meter tiefes Wasser fahren.
Die Ukraine soll etwa 40 Marder bis Ende März erhalten, die aus Bundeswehr- und Industriebeständen stammen. Bei Rheinmetall lagerten zu Beginn des Krieges 100 ausgemusterte Marder aus Bundeswehrbeständen, von denen 40 im Rahmen eines Ringtauschs an Griechenland gehen.
Foto: imago imagesPanzerhaubitze 2000
Die Panzerhaubitze 2000 kann mit ihrer 155-Millimeter-Kanone laut Bundeswehr Ziele in bis zu 40 Kilometern Entfernung beschießen, die Bundeswehr hatte sie unter anderem in Afghanistan im Einsatz. Deutschland hat zusammen mit den Niederlanden 14 Panzerhaubitzen an das ukrainische Militär geliefert. Die Besatzungen werden in Deutschland ausgebildet.
Im Rahmen eines gemeinschaftlichen Projekts mit Dänemark und Norwegen sollen zudem 16 Panzerhaubitzen Zuzana 2 finanziert werden. Die Fahrzeuge werden in der Slowakei produziert und verfügen ebenfalls über eine 155-Millimeter-Kanone.
Foto: imago imagesFlugabwehrpanzer Gepard
Der Flugabwehrpanzer Gepard kann mit seinen beiden 35-Millimeter-Maschinenkanonen Luftziele wie Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen oder Raketen in bis zu sechs Kilometern Entfernung bekämpfen. Während moderne Flugabwehr auf genau platzierte Schüsse setzt, arbeitet der knapp 48 Tonnen schwere Gepard vergleichsweise analog und einfach. Seine Kanonen bauen in einem genau definierten Sektor am Himmel vor jedem Angreifer eine dichte Wolke von Schwermetallsplittern auf, der kein Fluggerät entkommt.
Die Bundeswehr hat das Gerät vor Jahren ausgemustert. 32 Geparde wurden bereits in die Ukraine geliefert. Fünf weitere, die eigentlich verschrottet werden sollten, werden derzeit instandgesetzt und folgen in den kommenden Monaten.
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Bergepanzer und Brückenlegepanzer
Deutschland lieferte bislang 15 Bergepanzer und drei Brückenlegepanzer vom Typ Biber – beides gepanzerte Fahrzeuge auf Basis des Leopard 1, die insbesondere in den Logistikeinheiten zum Einsatz kommen und selbst über kaum eigene Bewaffnung verfügen.
Foto: imago imagesPatriot
Erstmals erhält die Ukraine auch eine Flugabwehrbatterie vom Typ Patriot von Deutschland, auch die USA stellen das System zur Verfügung. Mit dem „Phased Array Tracking Radar to Intercept on Target“ werden Flugzeuge, ballistische Raketen und Marschflugkörper bekämpft. Das System kann bis zu 50 Ziele im Blick behalten und fünf Ziele gleichzeitig bekämpfen. Seine Reichweite liegt bei etwa 68 Kilometern. Das System wurde während des Kalten Krieges in den 80er Jahren entwickelt und ist in Deutschland seit 1989 im Einsatz. Die ukrainischen Soldaten werden Medienberichten zufolge auf dem Truppenübungsplatz im oberpfälzischen Grafenwöhr an dem System ausgebildet.
Foto: imago imagesIris-T Flugabwehr
Das Luftverteidigungssystem wurde von Diehl Defence entwickelt. Es besteht aus einem Radar, Abschussvorrichtungen und Raketen und dient dem Schutz von Gebäuden vor Angriffen aus der Luft. Deutschland hat bislang ein Iris-T-System an die Ukraine geliefert, drei weitere sollen folgen.
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Raketenwerfer Mars II
Mars II gehört zu den Artilleriesystemen. Das System ist eine Weiterentwicklung eines Raketenwerfers, der seit 1983 bei den US-Streitkräften im Einsatz ist. Es kann nach Angaben des Herstellers zwölf Flugkörper binnen einer Minute verschießen und hat nach Bundeswehrangaben eine Reichweite von bis zu 84 Kilometern. Fünf dieser Raketenwerfer hat die Ukraine bisher aus Deutschland erhalten.
Foto: imago imagesSpäter folgte eine leistungsgesteigerte Variante als Teil eines Iris-T-SLS und später -SLM genannten kompletten Verteidigungssystems mit einem 360-Grad-Radar, Bedienzentrum und Abschussgerät. Es kann vom Boden aus Kampfjets, Hubschrauber, Drohnen und Lenkflugkörper mit Ausnahme von ballistischen Raketen in bis zu 40 Kilometern Umkreis abschießen. Dazu ist es relativ flexibel, weil es sich verhältnismäßig leicht transportieren und auf vielen Fahrzeugtypen montieren lässt.
Deutschland will Kiew zunächst vier der jeweils 140 Millionen Euro teuren Systeme dieses bodengestützten Typs von Iris-T zur Verfügung stellen, die Finanzierung von drei weiteren ist gesichert.
Wann und von wem gebaut?
Entwickelt hat Iris-T ab den 90er-Jahren eine heutige Tochter des Nürnberger Diehl-Konzerns. Das Unternehmen arbeitet derzeit mit dem Rüstungselektroniker Hensoldt an einer besseren Version mit deutlich größerer Reichweite. Die ersten Flugzeugraketen kamen 2005 zur Luftwaffe. Das SLM-System folgte ab 2014. Die deutsche Luftwaffe nutzt bisher aber lediglich die einfache Rakete. Das komplette System war bislang nur in Norwegen, Schweden und Ägypten im Einsatz.
Was bringt es der Ukraine?
Die Iris-T-Rakete ist gerade in der neueren Version ein effektives Mittel gegen Flugzeuge und einfachere Lenkwaffen. Eines dieser Systeme kann eine mittlere Großstadt wie Nürnberg oder Hannover schützen. Iris-T SLM kann auf Ziele mit maximal 20 Kilometern Flughöhe und mit 40 Kilometer Reichweite feuern. Es wird also eine Art Schutzschirm über eine große Fläche gespannt. „Besonders die bodengebundene Luftverteidigung ist in der Lage, Räume über längere Zeit dauerhaft zu schützen“, schreibt der Hersteller. Dieser Schutz wird gebraucht: Zuletzt hatte Russland seine Angriffe auf ukrainische Städte wieder massiv erhöht.
Wie wurden die ukrainischen Soldaten geschult?
Ukrainische Soldaten wurden in Deutschland schon am Waffensystem ausgebildet. Die Industrie übernahm die technische Betreuung. Spezialisten der Luftwaffe übernahmen das taktische Training.
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Mit Material von dpa