Riedls Dax-Radar: Fünf Favoriten für den Jahresstart an den Börsen
Kaum gibt es wieder Anzeichen von Konjunkturabschwächung, schon ziehen die Aktienkurse weltweit an. Dass die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA zuletzt etwas gestiegen ist, passt in das Szenario einer leicht abflauenden, aber nicht abstürzenden Wirtschaft. Die US-Währung gibt weiter nach, der Euro kann sich gut über der Marke von 1,06 Dollar behaupten, und die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen liegen mit 3,8 Prozent ein gutes Stück unter den Spitzen vom November. Insgesamt ist das fundamentale Umfeld für die Börsen damit zwar nicht berauschend, aber es ist eben nicht so düster, um gleich in einen Crash zu münden.
Der Dax hält sich in diesem Umfeld nun schon seit zwei Wochen in der Spanne zwischen 13.900 und 14.100 Punkten. Auch wenn damit ein weiterer Rückgang in den Bereich um 13.500 Punkte noch nicht vom Tisch ist, sind die Kursverluste im Zuge der Dezemberkorrektur bisher wesentlich moderater als die Dynamik des Anstiegs im Oktober und November. Die Chancen für einen versöhnlichen Jahresstart 2023 stehen damit weiterhin gut. Dabei gibt es im Dax eine Reihe von Einzelwerten, die in einer vielversprechenden Entwicklung stecken und bei einer allgemeinen Markterholung vorne dabei sein könnten.
Das gilt etwa für Adidas. Der Sportartikler hat durch die allgemeinen Probleme der Branche, die Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt und die Kosten seines Rückzugs aus Russland zuletzt schwer gelitten. Dazu kamen Managementfehler und die Schlammschlacht mit dem umstrittenen Rapper Kanye West. Mit Björn Gulden steht nun ein neuer Chef am Start, der wegen der zahlreichen Baustellen des Konzerns einen großen Spielraum für Sanierungsmaßnahmen hat. Der Aktie eröffnet das nach dem dramatischen Kursverfall ein Erholungspotenzial, das in den nächsten Wochen bis in die Region um 160 Euro reichen könnte.
Favorit Nummer zwei könnte Infineon werden. Technologiewerte werden derzeit zwar von der schwachen Marktverfassung der Nasdaq-Börse in Amerika nach unten gezogen, das ändert aber nichts an der Schlüsselposition der Chipindustrie für die Megatrends Digitalisierung, neue Energien und neue Mobilität. In Europa ist Infineon besonders stark dank eines florierenden operativen Geschäfts und guter strategischer Aussichten, vor allem durch den Bau neuer Chipfabriken. Nach dem jüngsten Kursrückgang könnte es für die Aktie zwischen 26 und 29 Euro Gelegenheiten für Nachkäufe geben.
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In einer vielversprechenden Verfassung ist auch die Allianz-Aktie. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr unter den Folgen seines Hedgefondsdebakels in den USA gelitten. Dabei kommt das operative Geschäft besser voran, als erwartet. Höhere Zinsen machen es der Versicherung leichter, aus umfangreichen Anlagegeldern gute Renditen zu erwirtschaften. Die Nachfrage nach Absicherung ist angesichts weltweiter Krisen und Risiken ein Wachstumsmarkt, die einem Spitzenanbieter wie der Allianz besonders zugute kommt. Die Bewertung der Aktie ist moderat, die Dividende hoch und stabil. Mit dem Anstieg über 190 Euro hat der Kurs in den vergangenen Wochen ein wichtiges Kaufsignal gegeben. In der Korrekturbewegung seit Dezember zeigt die Aktie Stärke – ein gutes Zeichen. In einem freundlichem Börsenumfeld hat die Aktie in den nächsten Wochen Spielraum in den Bereich 220 bis 230 Euro.
Ein ähnlich positives Signal wie die Allianz hat zuletzt die Aktie der Deutschen Bank mit dem Wiederanstieg über 10 Euro gegeben. Von der Bewertung zählen die Anteile der Deutschen zu den günstigsten Papieren der weltweiten Finanzbranche überhaupt. Das operative Geschäft erholt sich seit mehreren Quartalen stetig, die Kostenkontrolle greift, die Kapitalisierung ist stabil. Das allgemein erhöhte Zinsniveau erleichtert Einnahmen aus dem klassischen Bankgeschäft; dass Bonds als Anlageform wieder interessant geworden sind, beflügelt die umfangreichen Anleiheaktivitäten der Bank. In der nächsten Aufwärtsbewegung könnte die Aktie in den Bereich 12 bis 13 Euro vordringen.
Als defensive Beimischung ist die Aktie der Deutschen Börse interessant. Mit dem Kursrückgang in den Bereich um 160 Euro hat sich der zuletzt etwas schnell gestiegene Kurs wieder beruhigt. Mit ihren zentralen Gewinnbringern Derivate sowie Wertpapierabwicklung und Verwahrung ist die Deutsche Börse eine der zentralen Drehscheiben des weltweiten Finanzgeschäfts. Über Strombörse, Finanzdaten, Fondsservice und Beteiligungen wird dieses Geschäft stetig ausgebaut. Die Bewertung ist im internationalen Vergleich überschaubar, das Wachstum stabil und wenig konjunkturanfällig. In der nächsten Anstiegsphase könnte die Aktie wieder Notierungen um 180 Euro ansteuern.
Fazit für den Gesamtmarkt: Die robuste Verfassung des Dax im Zuge der Dezember-Korrektur ist ein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung. Ähnlich wie der amerikanische Standardwerteindex Dow Jones profitiert der Dax von der Stärke zahlreicher Einzelwerte. Bei gut 60 Prozent der Dax-Aktien verlaufen die aktuellen Kurse oberhalb der 200-Tagelinie. Für eine allgemeine Korrekturbewegung, in der der Markt immer noch steckt, ist das ein gutes Verhältnis. Ebenfalls positiv ist der Abstand, mit dem der Dax oberhalb seines 200-Tagedurchschnitts (bei 13.561 Punkten) verläuft. Insgesamt hat der Dax nach der moderaten Dezemberkorrektur trotz verbreiteter Skepsis das Potenzial, im Januar einen guten Jahresstart zu erwischen.
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