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  4. Uni vs. FH: Warum das Studium an der Fachhochschule finanziell die schlechtere Wahl ist

FachhochschulenAbschluss zweiter Klasse – zumindest für den Geldbeutel

Um den Fachkräftemangel zu bremsen, braucht das Land mehr Praktiker. Nicht von den theorieverliebten Unis, sondern von Fachhochschulen. Doch eine Untersuchung zeigt: Ein Studium dort ist finanziell die schlechtere Wahl.Dominik Reintjes 25.02.2023 - 12:39 Uhr

Absolventen von Fachhochschulen (wie hier an der Hochschule RheinMain) verdienen langfristig im Schnitt weniger als Absolventen von Universitäten.

Foto: imago images

Im August 1969 beginnt im hohen Norden der Bundesrepublik eine akademische Erfolgsgeschichte – zumindest auf den ersten Blick. In Kiel, Flensburg und Lübeck gründen sich damals die ersten Fachhochschulen (FH). Heute sind sie drei von insgesamt 210 in Deutschland. Viele von ihnen nennen sich schon gar nicht mehr FH oder Fachhochschule, sondern University of Applied Science. Oder Hochschule für angewandte Wissenschaften. Das klingt nobler.

Und wirkt: Lange fristeten Fachhochschulen ein Dasein im Schatten der großen Universitäten mit ihren barocken Bauten und jahrhundertealten Bibliotheken. Doch an Fachhochschulen, Verwaltungshochschulen und Kunsthochschulen nahmen im vergangenen Jahr mit 242.000 angehenden Akademikerinnen und Akademikern beinahe so viele Menschen ihr Studium auf wie an den alteingesessenen Universitäten (251.071 Studienanfänger). In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Studienanfänger an Fachhochschulen fast verdoppelt.

Diese Aufholjagd verwundert nicht: Deutschland gehen die Fachkräfte aus. Und so appellieren Politik und Wirtschaft seit Jahren, dass das Land mehr Praktiker benötige. Menschen, die zwar in Vorlesungen saßen, aber die anpacken können. Die Ausbildung an der FH unterscheidet sich von der Universität in erster Linie von dem deutlich höheren Praxisanteil.

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Eine Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zieht die Erzählung vom Erfolgsmodell Fachhochschule nun allerdings in Zweifel: Wer an einer Universität studiert, verdient im Laufe des Lebens nämlich deutlich mehr als Absolventen von Fachhochschulen, technischen Hochschulen, Kunsthochschulen und Verwaltungshochschulen. Zwar haben die Absolventen der „anderen Hochschulen“, wie das IAB diese Bildungsstätten nennt, einen Startvorteil: Bis Anfang 30 verdienen sie im Schnitt mehr. Das ist allerdings kaum verwunderlich. Ein großer Teil der dual Studierenden ist an den anderen Hochschulen eingeschrieben und erhält schon ab dem Start des Studiums ein Gehalt, startet früher ins Erwerbsleben und wird in aller Regel im Betrieb übernommen. Doch dieser Effekt verpufft rasch. Nach den ersten Jahren im Beruf – mit Anfang 30 – driften die Stundenlöhne auseinander. Auch die Beschäftigungsquoten von Uni-Absolventen sind langfristig deutlich höher.

„Ich kann an der Universität Fächer studieren, die mir in der Regel sehr hohe Einkommens- und Statusgewinne einbringen“, sagt Studienautor Alexander Patzina, der am IAB und an der Universität Bamberg forscht. Jura oder Medizin etwa. Und so hat es Patzina nicht überrascht, dass er mit seinem IAB-Kollegen die Unterschiede zwischen Uni und FH gefunden hat.

Folgenreiche Entscheidung

Die Forscher haben nicht im Detail aufgeschlüsselt, wie sich etwa die Stundenlöhne eines Betriebswirts von der Universität und von der Fachhochschule unterscheiden. Sie verdichten die Daten zu Werten für alle Absolventen. Doch Patzina zieht etwa folgendes Beispiel heran: Wer sich für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen interessiere, könne sich für ein Lehramtsstudium an der Universität oder ein Studium der sozialen Arbeit an der Fachhochschule entscheiden. Lehrkräfte verdienen im späteren Leben im Schnitt deutlich mehr als Sozialarbeiter.

Die Generationen auf dem Arbeitsmarkt
Die Baby-Boomer (1946 - 1964) sind die älteste Generation auf dem Arbeitsmarkt. Diese Jahrgänge verzeichneten die höchste Geburtenrate, daher rührt auch der Name.
Die Jahrgänge der Generation X (1965 - 1979) haben einiges miterlebt: Wirtschaftskrisen, Techniksprünge, Arbeitslosigkeit, Umweltkatastrophen. Sie gilt als eine, die vor allem Wert auf ein gutes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz legt.
Die Generation Y, auch Millennials genannt, wurde zwischen 1980 und 1995 geboren. Sie sind die erste Jahrgangskohorte, die als Digital Natives gelten.
Sie treten seit einigen Jahren in den Arbeitsmarkt ein: die Generation Z, geboren von 1996 bis 2010. Sie sind von klein auf mit dem Internet aufgewachsen, digitale Medien haben ihr Leben von Beginn an geprägt.

Die IAB-Analyse beruht auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befragt dazu jedes Jahr Menschen aus 11.000 Haushalten. Die IAB-Forscher haben Daten aus den Jahren 1984 bis 2015 ausgewertet und sich auf 6282 Menschen zwischen 25 und 64 Jahren fokussiert. Die Daten sind sehr stabil und weisen kaum Unterschiede für verschiedene Altersgruppen auf. Und so spricht der Empirie nach vieles dafür, dass sich die Unterschiede zwischen Uni und FH auch in den Jahren nach 2015 zeigen werden.

Der Fachkräftemangel hat sich allerdings erst nach dem Betrachtungszeitraum so richtig zugespitzt: Heute dauert es laut Daten der Bundesagentur für Arbeit 147 Tage, bis eine offene Stelle besetzt ist. Im Jahr 2015 waren es noch 86. Patzina ist sich jedoch sicher, dass sich an den Vorteilen der Universitätsstudenten wenig ändern wird: „Wenn die Nachfrage nach Arbeitskräften und vor allem Fachkräften weiterhin steigt, könnte es sein, dass die Unterschiede, die wir gefunden haben, langfristig kleiner werden. Ich gehe aber tendenziell davon aus, dass wir solche Unterschiede immer finden werden“, sagt Patzina. Die Ausbildung an Universitäten sei breiter und allgemeiner. „Das wird so bleiben.“ Und ganz wirtschaftlich gesprochen sagt Patzina: „Das Humankapital, das man an Universitäten erwirbt, hat eine niedrigere Abschreibungsrate. Die breitere, theoretische Ausbildung hat eine längere Verwertbarkeit im Arbeitsmarkt.“

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Höhere Schule, höherer Status

Die Forscher haben auch den sozioökonomischen Status von Akademikern unterschiedlicher Hochschulen betrachtet. Ein Maß, das auf „internationalen Daten zu Einkommen und Bildungsniveau der Angehörigen unterschiedlicher Berufe“ basiert, wie die Forscher schreiben. Am unteren Ende der Skala stehen Helfer in der Landwirtschaft mit einem Wert von 16 Punkten, am oberen Ende Richter mit 90 Punkten. Ab dem Alter von 25 Jahren gehen die Kurven auch hier stark auseinander: Absolventen der Fachhochschulen und anderen Hochschulen verbessern ihren sozialen Status im Lauf des Lebens kaum. Sie bewegen sich relativ konstant knapp unter dem Wert von 60. Und gerade ab Mitte 50 verschlechtert sich der soziale Status noch mal – bei Frauen sogar deutlich stärker als bei Männern.

Bei Absolventen von Universitäten sieht es völlig anders aus: Zwischen 25 und 30 nimmt ihr sozialer Status sehr stak zu, von unter 60 auf mehr als 65 Punkte. Akademiker von der Universität verbessern ihren Status dann mit Anfang 60 sogar noch mal – Frauen sowie Männer.

Nun folgen gerade volljährige Studienanfänger bei der Wahl zwischen Uni und FH nicht ausschließlich monetären Motiven. Und so kann die Fachhochschule für zahlreiche Menschen doch die bessere Wahl sein. Etwa wenn sie genau wissen, welchen Job sie später bei welcher Firma machen wollen. Wenn sie möglichst früh Berufserfahrung sammeln wollen. Oder wenn sie den hohen Praxisanteil schätzen. Gebraucht werden sie am Arbeitsmarkt aktuell ohnehin.

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