Nachhaltige Fonds und ETFs: Grüne Regulierungswut: Lasst Brüssel zahlen!

Weil innerhalb des EU-Apparats offenbar jede Behörde ihre eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit entwickeln darf, will sich die EU-Finanzaufsicht ESMA jetzt den Namen nachhaltiger Fonds widmen.
Foto: dpaNachhaltige Geldanlage war lange eine Nische für Überzeugungstäter. Heute kennt diesen Investment-Ansatz jeder. Leider, muss man sagen. Denn es wurde zu viel Wind um ein nicht durchdachtes Projekt gemacht. Durch Regulierung sollte das Geld der Anleger in den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft gelenkt werden, so die Vorstellung der Europäischen Union. Bei der Umsetzung dieses Plans läuft aber vieles schief – zu Lasten der Verbraucher.
Die EU-Finanzaufsicht ESMA und die nationalen Aufseher wollen nachhaltige Finanzprodukte und versprechen Verbraucherschutz. Aber sie bekommen beides nicht hin. Stattdessen verursachen immer neue Nachhaltigkeitsvorschriften hohe Kosten, die letztlich die Anlegerinnen und Anleger tragen.
Aktuell kursiert das Gerücht, dass eine bereits existierende, besonders nachhaltige Fondskategorie („Artikel-9-Fonds“) aus dem aktuell geltenden Gesetzeskatalog der EU gestrichen werden soll. Das Problem: Jede solche Änderung muss in den Fonds-Verkaufsprospekten festgehalten werden. Bei nachhaltigen Fonds gab es in den vergangenen Jahren daher sehr viele Änderungen. Nun könnte einmal mehr eine teure Überarbeitung nötig sein. Dabei hätte man die Tatsache, dass viele Fonds die strengen Transparenz- und Berichtspflichten kaum erfüllen können, schon im Gesetzgebungsverfahren berücksichtigen können.
Weil innerhalb des EU-Apparats offenbar jede Behörde ihre eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit entwickeln darf, will sich die EU-Finanzaufsicht ESMA jetzt den Namen nachhaltiger Fonds widmen. Was nach grün, Umwelt, nachhaltig oder Klima klingt, könnte wieder besondere Pflichten aufgebrummt bekommen. Wieder neue Verträge und Prospekte also.
Anwälte verdienen, Anleger zahlen die Zeche
Der Rummel um Nachhaltigkeit in der Geldanlage ist ein Geschenk für Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Ratingagenturen. Und die halten sich keineswegs zurück, bloß weil es um eine gute Sache geht. Doch bei der Geldanlage kollidiert die Regelungswut mit Renditeerwartungen. Und da wird es heikel.
Eigentlich sollen sich Fondsmanager um renditestarke Anlagen kümmern. Stattdessen beschäftigen sie sich momentan mit dem Ausfüllen von Online-Formularen, um die Transparenzanforderungen der EU zu erfüllen. Sie suchen Daten heraus, die später in 100-seitigen Verkaufsprospekten oder Jahresberichten landen, die kaum jemand lesen wird.
Anleger zahlen dafür. Denn Kosten, die einem Fonds entstehen, um den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, dürfen dem Fondsvermögen entnommen werden. Immerhin können Anleger die Kosten kontrollieren. Sie werden im Jahresbericht ausgewiesen – auch das sehen die Transparenzregeln vor. Aber was nützt das, solange kein Verursacherprinzip gilt? Brüssel sollte zahlen.
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