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Die ZahlenfrauDer Clash der Generationen – Wie geht eigentlich „Geld“?

Junge Menschen stehen heutzutage unter ständiger Informationsüberflutung. Auch beim Thema Finanzen. Wer ist für die Finanzbildung der Gen Z und Gen Alpha verantwortlich? Und wie kommt sie zielsicher an?Miriam Wohlfarth 19.04.2023 - 08:47 Uhr

Fehlt es der Gen Z und Alpha an der Motivation sich finanziell zu bilden?

Foto: imago images

„Wenn ihr Spaß and den Themen #gründen #payment und #banking habt, dann seid ihr hier genau richtig“, mit diesen Worten wagte ich 2020 das Experiment TikTok unter dem Namen – Trommelwirbel – diezahlenfrau. Anlass dazu gab mir die TikTok-Challenge der Startup Teens. Wie viele von Ihnen wissen, bin ich Gesellschafterin der Non-Profit-Organisation – ein Herzensprojekt und darum ließ ich mich nicht lang bitten.

Initiales Ziel der Challenge war es, jungen Menschen der Generation Z und Millennials Inhalte rund um die Themen Entrepreneurship, Gründertum und Start-Ups zugänglich zu machen. Unter dem gemeinsamen Hashtag #CEOoflife sprach ich in den kommenden Wochen über die Voraussetzungen, um zu gründen, über die Wahl eines passenden Geschäftskontos oder wie der Prozess für Minderjährige möglich wird.

Und siehe da: ich traf einen Nerv. In den fünf Monaten meiner Challenge sammelte ich über 14 Tausend Follower und bis zu 130 Tausend Videoabrufe. Eine absolut erfreuliche Entwicklung – anscheinend trafen hier genau die richtigen Antworten auf eine Zielgruppe, die ihre Fragen nicht mehr dem Brockhaus (teils sogar nicht mal Google) stellt. Ich beendete meine TikTok-Aktivitäten nach der Challenge. Doch mein großes Learning bleibt:  Der Bedarf ist da, nur der Treffpunkt hat sich verändert. Junge Menschen suchen Antworten anscheinend in ihrer Welt, zum Beispiel auf TikTok.

Finanzinteresse erwächst mit den Jahren

Das Phänomen lässt sich auf finanzielle Bildung im Allgemeinen ausbreiten. In den sozialen Medien tummeln sich unzählige Influencer, die materiellen Reichtum zelebrieren und das schnelle Geld versprechen. Wie kann ein junger Mensch eine einzigartige Chance von grobem Unfug unterscheiden? Die einzige Antwort lautet: Wissen. Und genau hier liegt die Krux: Das Video des Digital Nomad im Infinity Pool ist wohl einfach kurzweiliger als ein Artikel über den Kapitalmarkt.

Fehlt es der Gen Z und Alpha schlichtweg an der Motivation sich finanziell zu bilden? Darüber habe ich mit Matthias Scheffner gesprochen. Er leitet bei der eigentümergeführten deutsch-französischen Privatbank ODDO BHF das Geschäft mit Unternehmerfamilien in Nord- und Westdeutschland. Zunächst einmal ist den jungen Menschen daraus kein Vorwurf zu machen“, findet Matthias Scheffner. „Studien zeigen, dass die finanzielle Bildung erst mit dem Alter anwächst. Das ist auch logisch, denn im Laufe unseres Lebens treffen wir immer mehr finanzielle Entscheidungen und befassen uns dann intensiver mit wirtschaftlichen Fragestellungen. Ich finde, der Anreiz, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, müsste verstärkt werden. Da sehe ich einerseits die Politik und die Gesellschaft, aber auch die Finanzbranche selbst in der Pflicht“, fasst er zusammen.

Die Kurse crashen: Lernen am Beispiel?

 Die Wahrscheinlichkeit, in der großen Pause Schneeball-Systeme und Krypto-Experten auf den Handybildschirm zu bekommen, ist aktuell leider höher als die, deren Gegenspielerin zu begegnen: der gesicherten Information. Doch wessen Verantwortung ist es, Finanzbildung in die jungen Köpfe zu bringen? Die der Schule oder des Elternhauses? Die von verantwortungsbewussten Influencern oder wirtschaftlichen Institutionen? Oder nutzen wir bisher einfach die falschen Kommunikationswege, um die jüngeren Generationen abzuholen?

Mein TikTok-Experiment zeigt im Kleinen, dass sehr wohl Interesse an Finanzbildung besteht – solange sie dort verfügbar ist, wo diese Generationen sich mehr tummeln als alle anderen vor ihnen: in den sozialen Medien. Und auch der Erfolg von sogenannten Neobrokern bestätigt, dass Finanzen durchaus Interesse stiften. Diese lösten mit niedrigschwelligen Angeboten, spieltypischer Appgestaltung und moderner Sprache einen Investmentboom aus. Traden zwischen Hausaufgaben und Freundesverabredung: Ist das nicht Zeichen genug, dass sich immer mehr dem Thema zuwenden?

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Kommentar von Julia Groth

„Die Entwicklung ist sicherlich grundsätzlich positiv zu sehen, insbesondere weil sich viele Menschen augenscheinlich intensiver mit den Kapitalmärkten befassen und richtig Spaß daran haben“, antwortet Matthias Scheffner und denkt das Szenario weiter: „Die Frage ist, wie stark wurden die Anlageentscheidungen durch die Gamification bestimmt, wieviel war Strategie? Und: wie gehen die jungen Investoren nach dem Tech-Hype, wo die Kurse überwiegend nach oben gingen, nun mit volatiler Gegenbewegung um, und was lernen sie daraus?“

Matthias Scheffner hofft auf den Austausch, den die kürzlichen Entwicklungen mit sich bringen: „Aus meiner Sicht kann ein gesellschaftlich breit geführter Diskurs über die Funktionsweise des Kapitalmarkts und über die Ursachen für die Kursschwankungen eine Chance sein, das Thema in der Lebens- und Finanzplanung vieler Menschen zu verankern. Ich bin zuversichtlich, dass die Reaktion anders ausfällt als seinerzeit beim Crash des Neuen Markts, als viele Menschen dem Kapitalmarkt unmittelbar den Rücken kehrten. Der Irrglaube im Hype ist meistens, dass die Leute denken, sehr schnell und einfach reich werden zu können.“

Verantwortung sichtbar machen

 Letztlich liegt die Lösung wohl im Zusammenspiel aller Instanzen. Jugendliche, die im Elternhaus für die Wichtigkeit finanzieller Themen sensibilisiert werden und in der Schule ein Basispaket Finanzbildung vermittelt bekommen, werden sicherlich eher skeptisch, wenn ihnen auf TikTok schnelles Geld versprochen wird. Junge Erwachsene, die sich miteinander über finanzielle Themen austauschen, werden eine gute Idee eher in eine Geschäftsidee umwandeln. Ein Schritt bedingt den anderen. Wir können aus verschiedenen Positionen einen Teil beitragen, junge Menschen zu sicherer Finanzkompetenz zu verhelfen.

Auch Matthias Scheffner sieht diese Vernetzung als den entscheidenden Schlüssel: „Mehr Bezug zum späteren Leben würde den Lehrplänen zumindest nicht schaden. Ergänzend dazu gibt es inzwischen eine Vielzahl von kenntnisreichen Videos, Blogs und Newslettern, die Finanzthemen gut verständlich und mit einem gewissen Spaßfaktor vermitteln. Ein weiteres Beispiel sind die neuen Magazine und Communities, die sich zum Ziel gesetzt haben, Frauen in Sachen eigener Finanzen zu empowern.“

Es geht um mehr als nur Geld

Für mich jedenfalls geht das Herzensprojekt der finanziellen Bildung für junge Menschen weiter. Ob auf TikTok oder mit den Startup Teens. Und ich persönlich finde, dass sie sogar noch vor dem Verständnis über Kapitalmärkte ansetzt. Nämlich bei dem Grundgedanken, dass Geld ein neutrales Werkzeug ist. Ob wir es für schnellen Konsum und Prestige im Außen einsetzen oder dafür, Projekte voranzutreiben, an die wir wirklich glauben, ist Einstellungsfrage.

Verbrauchen oder investieren? Wir müssen junge Menschen befähigen, das eine vom anderen zu unterscheiden. Am Ende geht es um Unabhängigkeit, nicht um den Kontostand, da sind Matthias Scheffner und ich uns besonders einig: „Es hört sich vielleicht paradox an, aber vielleicht hilft es auch schon, wenn man finanzielle Allgemeinbildung weniger auf Finanzen fokussiert, sondern als eine wichtige Voraussetzung dafür sieht, ein gutes Leben zu führen. Das ist doch ein Wunsch, der uns alle eint.“

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