Investoren gegen Management: Showdown bei Brenntag
Explosive Stimmung: Der Machtkampf um Brenntag geht in die nächste Runde.
Foto: WirtschaftsWocheDie Konfliktlinie bei Brenntag ist klar: Sowohl der Konzern als auch der aktivistische Investor Primestone Capital werden auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag versuchen, ihre Kandidaten für den Aufsichtsrat durchzubringen. Über das Gremium will Primestone versuchen, einschneidende strategische Veränderungen durchzusetzen. Nach dem Willen des Investors soll der 19 Milliarden Euro schwere Dax-Konzern, der einerseits Massenchemikalien und andererseits Spezialchemikalien transportiert, entsprechend aufgespalten werden. Primestone erhofft sich davon eine massive Wertsteigerung.
Beide Seiten können auf mächtige Verbündete zählen. Den Forderungen von Primestone, das nur zwei Prozent an Brenntag hält, haben sich die mächtigen US-Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis angeschlossen – nach deren Empfehlungen richten zahlreiche Anleger, insbesondere angelsächsische Fonds, ihr Abstimmungsverhalten aus. Für Brenntag ist das Votum von ISS und Glass Lewis ein herber Schlag. Dass sich die Stimmrechtsberater der Gegenseite anschließen würden, damit hat das Brenntag-Management wohl nicht gerechnet, ist zu hören. Noch nie zuvor haben US-Stimmrechtsberater gemeinsame Sache mit aktivistischen Investoren gemacht.
Allerdings kann auch Brenntag auf wichtige Verbündete zählen. Etwa auf den Großinvestor Klaus Michael Kühne, der ansonsten in die Lufthansa und den Hamburger Fußball-Zweitligisten HSV investiert und inzwischen sechs Prozent der Anteile an Brenntag hält. Der WirtschaftsWoche ließ Kühne ausrichten: „Wir haben volles Vertrauen in die Kompetenz des Brenntag-Managements und halten die versuchte Einflussnahme des einen oder anderen Investors für vollkommen unangebracht.“
Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, die zahlreiche Kleinaktionäre vertritt, steht auf der Seite von Brenntag. Auf Twitter schrieb DSW-Chef Marc Tüngler: „Interessant, wie Primestone als Aktionär mit nur zwei Prozent auftritt und Erwartungen formuliert.“ Brenntag habe den Aktionären einen kräftigen Return verschafft und biete auch eine starke Dividende: „Natürlich gibt es immer Raum für Optimierung. Hier haben wir aber Vertrauen in das Management, dass die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.“ Ebenso zählt der Vermögensverwalter Flossbach von Storch, der ebenfalls Anteile hält, zum Team Brenntag.
Das Brenntag-Management schließt eine Neuordnung nicht völlig aus, will mit der Verselbstständigung aber noch warten, da die Sparten noch nicht reif dafür seien.
Wie die Kampfabstimmung um den Aufsichtsrat ausgeht, ist völlig offen. Sie dürfte aber auch in Konzernen wie Bayer oder Deutsche Wohnen, die derzeit unter Beobachtung von Finanzinvestoren stehen, genau beobachtet werden.
Unabhängig vom Ausgang erklärt DSW-Chef Tüngler laut Handelsblatt: „Es ist ein Warnsignal an alle Konzerne, die breit aufgestellt sind und gerade eine Schwächephase zeigen. Der Druck zu Abspaltungen und zum Pure Play wird vor allem von angelsächsischen Investoren erhöht.“
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