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Heftige PreisanstiegeGünstige Kleinwagen werden zur Mangelware

Ein Kleinwagen für einen vierstelligen Betrag? Diese Zeiten sind vorbei: Selbst unter 15.000 Euro ist kaum noch etwas zu finden – erst recht nicht von deutschen Autobauern. 27.07.2023 - 08:53 Uhr

Der Dacia Sandero ist der günstigste Neuwagen in Deutschland.

Foto: WirtschaftsWoche

Günstige Kleinwagen werden auf dem deutschen Pkw-Markt mehr und mehr zur Mangelware. Der Automobilclub ADAC führt nach eigenen Angaben nur noch vier Modelle mit einem Basispreis unterhalb von 15.000 Euro in seiner Datenbank. Günstigstes Auto ist demnach der Dacia Sandero für 11.300 Euro, gefolgt von den bereits etwas in die Jahre gekommenen Wettbewerbern Citroen C3, Fiat Panda und Mitsubishi Space Star.

Ein deutsches Modell findet sich nicht unterhalb der Preisgrenze von 15.000 Euro. Ein VW Polo beispielsweise startet mittlerweile bei knapp 21.000 Euro.

Auch bei dem günstigen Quartett haben sich die Preise in den vergangenen zehn Jahren kräftig nach oben entwickelt. Der Mitsubishi Space Star legte um 47 Prozent zu, der Fiat Panda um 61 Prozent.

Den deutlichsten Preisanstieg gab es mit 62 Prozent beim Dacia Sandero. Bis 2019 war der Ableger des Renault Clio noch für weniger als 7000 Euro zu haben. Auch einen VW Polo gab es zu dieser Zeit für knapp 13.000 Euro.

Microlino 2.0

Zu den mit seit nunmehr vielen Jahren mit großer Spannung erwarteten neuen Mini-Stromern gehört der Microlino der Schweizer Firma Micro. 2017 wurde er auf dem Genfer Salon zum ersten Mal als Konzept vorgestellt, das schlagartig das Herz vieler Autofans eroberte. Für Aufmerksamkeit sorgte vor allem das Design, das dem 1950er-Jahre-Mobil Isetta von BMW sehr nahekommt. Kurz nach der Premiere war klar: Der Retro-Zweisitzer soll zur Serienreife entwickelt werden. Immer mal wieder wurde sein Marktstart angekündigt und verschoben.

Mittlerweile sind einige Microlino in der Schweiz unterwegs, bald schon dürften zudem erste Exemplare der Pioneer Edition auch nach Deutschland kommen. In dieser edlen Version bietet der Zweisitzer Faltschiebedach, eine Innenausstattung aus veganem Leder und tragbare Bluetooth-Lautsprecher.

Der 12,5 kW/17 PS starke und bis zu 90 km/h schnelle Zweisitzer bietet in dieser Version dank 10,5 kWh großer Batterie 177 Kilometer Reichweite. Noch in diesem Jahr soll es den Microlino alternativ in den Ausstattungen Dolce, Competizione und in der Basisversion Urban geben. Letztere soll bei 12.500 Euro starten. Die Einstiegsvariante wird über einen 6 kWh großen Akku für rund 90 Kilometer Reichweite verfügen.

Foto: Presse

Evetta

Die noch junge Geschichte des Microlino ist eng mit dem optisch sehr ähnlichen Evetta verbunden. Zwischen Micro und dem ursprünglich für den Microlino gewählten Auftragsfertiger kam zu einem Zerwürfnis, dem ein juristisches Hickhack folgte. Am Ende entwickelte Micro den Microlino 2.0 und ging für die Serienfertigung mit einem neuen Partner zusammen. Der alte behielt die Fertigungstechnik für den Microlino 1.0, die mittlerweile an das deutsche Unternehmen Electric Brands übergegangen ist.

Electric Brands will diesen weiteren Isetta-Klon nun als Evetta noch dieses Jahr auf den Markt bringen. Auch hier handelt es sich um eine Knutschkugel mit einer nach vorne öffnenden Tür. Zumindest gilt das für die geschlossenen und knapp unter 20.000 Euro teuren Varianten Prima Apricot und Prima Blue, von denen jeweils 1.954 Exemplare entstehen sollen. 999 Exemplare will Electric Brands zudem von der Cabrio-Version Openair First Edition bauen, die 33.333 Euro kosten soll.

Ein E-Antrieb mit 15 kW/20 PS Dauer- sowie 22 kW/30 PS Spitzenleistung soll die Evetta bis zu 90 km/h schnell machen. Dank 14 kWh großer Batterie sollen über 230 Kilometer Reichweite drin sein.

Foto: Presse

XEV Yoyo

Ein optisch ebenfalls auffälliges L7e-Fahrzeug ist der Yoyo der chinesisch-italienischen Firma XEV. Die Mischung aus Renault Twizy und Smart Fortwo wird in einigen europäischen Ländern wie Italien bereits seit einiger Zeit zum Kauf angeboten. In Deutschland ist er bislang nur über die Firma Wheego im Autoabo zu Preisen ab 321 Euro/Monat zu haben.

Der 2,53 Meter kurze Zweisitzer der L7e-Leichtbauklasse bietet einen elektrischen Heckantrieb mit 7,5 kW/10 PS Dauer- sowie 15 kW/20 PS Spitzenleistung. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h. Die Batterie des Yoyo besteht aus bis zu vier herausnehmbaren Elementen, die zusammen eine Kapazität von 10,3 kWh bereitstellen und damit eine Reichweite von 150 Kilometer erlauben.

Der Yoyo zeichnet sich durch einen farbenfroh eingerichteten Innenraum mit großem Touchscreen als Anzeige- und Bedienelement aus. Die Ausstattung beinhaltet unter anderem eine Klimaanlage, ABS, Keyless Entry und ein Panoramadach.

Foto: Presse

Opel Rocks-e

Wem L7e-Fahrzeuge zu teuer, zu schnell und zu ineffizient sind, kann seit 2021 alternativ in den Opel Rocks-e steigen, der in der schwächeren Klasse L6e antritt. Mit seinem 6 kW/8 PS starken Motor fährt der 2,41 Meter kurze Rüsselsheimer maximal 45 km/h schnell und bis zu 75 Kilometer weit. Der rollende Würfel ist für rund 8000 Euro zu haben und bietet eine geschlossene Fahrgastzelle und zwei Türen. Seine kleine Batterie lässt sich an Haushaltssteckdosen laden.

Foto: Opel

Estrima Birò

Wer in jüngerer Vergangenheit der Stadt Amsterdam einen Besuch abgestattet hat, dem werden die zahlreich im Straßenbild vorhandenen Mini-Mobile aufgefallen sein. Ein besonders kleiner Vertreter dieser Gattung ist der Estrima Birò aus Italien, der seit kurzem auch offiziell in Deutschland angeboten wird. Mit einer Länge von 1,74 Meter ist der Birò nur halb so lang wie ein typischer Kleinstwagen.

Das Raumangebot innen ist zwar bescheiden, bietet aber genug Platz für zwei Personen, die dank einer großflächigen Rundum-Verglasung der Stahlrohrrahmen-Fahrgastzelle vor Witterungseinflüssen geschützt sind. Für Vortrieb sorgt ein 48-Volt-System mit zwei Motoren, die zusammen bis zu 4 kW/5 PS leisten. Damit erreicht der Autozwerg in der L7e-Variante bis zu 60 km/h. Alternativ gibt es eine L6e-Version, die auf 45 km/h begrenzt ist. Die Preise starten bislang bei rund 11.000 Euro.

Foto: Presse

Neben einer generellen Teuerung spielen bei der Entwicklung auch strategische Entscheidungen der Autohersteller eine Rolle – viele Marken haben zuletzt die günstigen Baureihen aus dem Programm gestrichen und konzentrieren sich stattdessen auf margenstärkere Modelle.

Der Automobilclub ADAC bezeichnet die Preisentwicklung als problematisch. Fahrzeughersteller sollten seiner Ansicht nach weiterhin günstige Neuwagen im Programm haben.

Auch beim Wandel hin zur Elektromobilität fordern Umweltschützer einen Fokus auf bescheidenere Dimensionen. Kleinere Autos könnten den immensen Bedarf an knappen und teuren Rohstoffen für E-Autos senken, sagt die Umweltorganisation „Transport & Environment (T&E)“.

19 bis 23 Prozent Einsparungen könnte allein das Schrumpfen der E-Autos bringen. Kleinwagen benötigen im Vergleich mit großen SUV deutlich weniger Energie, wodurch die nötige Batteriegröße sinken würde. Weitere bis zu 20 Prozent könnte der Einsatz alternativer Batterie-Chemie bringen, „T&E“ nennt hier Akkus auf Eisen- (LPF) und Natriumbasis, die bislang deutlich weniger verbreitet sind als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus auf Basis der begehrten Metalle Nickel und Kobalt.

Gleichzeitig sei auch ein geringerer Grad an Autonutzung nötig.

Lesen Sie auch: Wie Natrium-Ionen-Batterien E-Kleinwagen günstiger machen

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