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HHLA-DealHapag-Lloyd droht mit Abzug von Transportvolumen aus Hamburg

Der Teilverkauf des Hafenbetreibers HHLA an MSC könnten der Reederei neue Konkurrenz vor der Haustür bescheren. Der Hapag-Chef droht mit Konsequenzen. 14.09.2023 - 17:06 Uhr

Die 1847 gegründete Reederei stellt zusammen mit ihren Allianz-Partnern mehr als 50 Prozent des Containerumschlags in Hamburg.

Foto: dapd

Als Konsequenz aus dem Einstieg der weltgrößten Containerreederei MSC beim Hamburger Hafenbetreiber HHLA denkt Hapag-Lloyd über die Verlagerung von Transportvolumen nach. „Wir wickeln im Moment fast 100 Prozent unseres Volumens, das nach Zentraleuropa geht, über Hamburg ab“, sagte Konzernchef Rolf Habben Jansen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in einem Interview. „Ich könnte mir auch ein Szenario vorstellen, in dem das nur noch 70 oder 80 Prozent sind.“ Damit hätte die Containerreederei immer noch eine sehr starke Position im Hamburger Hafen.

Die Ankündigung von Großaktionär Klaus-Michael Kühne, ein Konkurrenzangebot zu MSC für HHLA abzugeben, sieht der Hapag-Lloyd-Chef skeptisch: „Ich glaube nicht, dass es in unserem Interesse ist, ein Gegenangebot zu machen“, sagte Habben Jansen.

Hamburg erteilte dem Vorschlag für einen Verkauf der städtischen Mehrheit an der HHLA an Kühne eine Abfuhr. „Der Senat hat keine Auktion begonnen, sondern gestern eine strategische Partnerschaft vorgestellt, die die Stärkung des Hafenstandortes und des Unternehmens zum Ziel hat“, teilte die Wirtschaftsbehörde auf Anfrage von Reuters mit.

„Es kann nicht alles beim Alten bleiben“

Hamburg hatte am Mittwoch den Einstieg der Schweizer Containerreederei MSC bei dem größten Terminalbetreiber der Hansestadt angekündigt. Dazu soll sich der Branchenführer mit knapp der Hälfte der Anteile an der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) beteiligen. Die Hansestadt reduziert ihren Anteil von knapp 70 Prozent auf 50,1 Prozent.

Hapag-Lloyd hatte sich daraufhin verärgert über die neue Konkurrenz vor der eigenen Haustür gezeigt. Ein Insider sprach von einer kalten Dusche für das Unternehmen. Man fühle sich vor den Kopf gestoßen. Die 1847 gegründete Reederei stellt zusammen mit ihren Allianz-Partnern mehr als 50 Prozent des Containerumschlags in Hamburg.

Er könne den Schritt des Hamburger Senats nachvollziehen, da MSC eine zusätzlich Umschlagmenge von einer Million Standardcontainern (TEU) im Jahr verspreche, sagte Habben Jansen zu Reuters. Hapag-Lloyd müsse aber seine eigenen Interessen vertreten. Der Einstieg von MSC führe dazu, dass sich der Wettbewerb im Hafen ändere.

Das Verhältnis zur Stadt Hamburg, die auch Miteigentümer von Hapag-Lloyd ist, sei gut, und werde sich aus einer Sicht auch nicht verändern. „Es kann aber nicht alles beim Alten bleiben. Es hat sich etwas geändert. Es wäre nicht gut, wenn wir einfach darüber hinweg gehen würden“, betonte der Reedereichef.

Hamburg werde ein wichtiger Hafen bleiben. „Ich glaube aber auch, dass das Volumen, das in Hamburg abgefertigt werden kann, seine Grenzen hat.“ Da die Reedereien immer mehr große Containerschiffe mit Kapazitäten deutlich über 20.000 Standardcontainer (TEU) einsetzen, sinken für Hamburg die Chancen für weiteres Wachstum.

Die Zahl großer Schiffe hat seit der Elbvertiefung zwar zugenommen – dennoch hat die Hansestadt Marktanteile an die konkurrierenden Nordseehäfen Rotterdam und Antwerpen verloren. Das gilt auch als Grund dafür, dass MSC an Bord geholt wird.

Der Schritt des Senats könnte sich allerdings als Nullsummenspiel erweisen. Seine Reederei habe bereits einiges an Transportvolumen nach Wilhelmshaven verlagert, sagte Habben Jansen. „Wir haben uns am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven beteiligt, weil wir davon ausgehen, dass dieser Hafen künftig eine größere Rolle spielen wird.“ Umschlagvolumen werde man künftig nicht in Hamburg gewinnen, sondern in Wilhelmshaven oder vielleicht auch in Bremerhaven. Wilhelmshaven ist Deutschlands einziger Tiefwasserhafen.

„Eine Katastrophe für den Hamburger Hafen“

Der Hafenunternehmer Thomas Eckelmann meldete sich nun ebenfalls zu Wort. „Dieser Deal wäre eine Katastrophe für den Hamburger Hafen“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. Deshalb erwäge seine Eurokai-Gruppe, dem Senat ein Gegenangebot für die HHLA zu unterbreiten - und zwar zu den gleichen Konditionen wie MSC.

Für sein Unternehmen Eurokai und das zusammen mit der BLG Logistics betriebene Eurogate-Terminal in Hamburg sieht Eckelmann indes keine Probleme: „Für Hamburg ist der Deal schlecht, für uns könnte er sich aber als Glücksfall erweisen.“

Zwar würde MSC als Partner von Eurogate zu den HHLA-Terminals wechseln und am Ende etwa 25 bis 30 Prozent an Eurogate-Umschlag mitnehmen. „Das wäre ein schmerzhafter Verlust. Aber im Gegenzug könnten viele HHLA-Kunden zu uns wechseln“, sagte Eckelmann. Am Ende könnte das für Eurogate sogar einen Zugewinn bedeuten.

rtr
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