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GleichberechtigungIn der Wirtschaft müssen endlich mehr Ossis an die Macht

Zu wenige Ostdeutsche schaffen es in Unternehmen in eine Führungsposition. Dieser Missstand muss beendet werden. Denn er ist gefährlich. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Stölzel 20.09.2023 - 13:32 Uhr

Die Führung deutscher Unternehmen ist auch 34 Jahre nach der Wende zu stark westdeutsch dominiert. 

Foto: imago images

Von wegen, das wächst sich zusammen. Eine neue Untersuchung hat ergeben, dass Ostdeutsche in Führungspositionen stark unterrepräsentiert sind. Besonders dramatisch ist die Situation in der deutschen Wirtschaft. Laut der Studie sind gerade einmal vier Prozent der Führungskräfte in Ostdeutschland geboren. An der Gesamtbevölkerung dagegen haben Ostdeutsche einen Anteil von immerhin 20 Prozent.

Diese Benachteiligung ist gefährlich, denn im Osten bemerkt man sie. Es kommt das Gefühl auf, als Bevölkerungsgruppe abgehängt zu sein, nicht mitreden zu dürfen, ausgenutzt zu werden, ja: als Menschen zweiter Klasse zu gelten. Das dürfte eine wichtige Rolle spielen, wenn besonders viele Ostdeutsche die AfD wählen, wenn sich besonders viele Ostdeutsche gegen Minderheiten wie Migranten wenden.

Es braucht also dringend einen Kulturwandel in den Unternehmen. Ihre Eigentümer und Chefs sollten endlich nicht mehr nur darauf achten, genügend Frauen in Führungspositionen zu bringen, sondern sich auch um Gleichberechtigung von Ostdeutschen bemühen. Dafür braucht es keine Quote, sondern nur gesunden Menschenverstand. Ostdeutsche sind nicht schlechter als Westdeutsche. Manchmal sind sie sogar besser.

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Zugegeben, der Dialekt aus manchen Regionen Ostdeutschlands mag anderswo gewöhnungsbedürftig sein. Aber vielleicht hilft ein Blick in die Geschichte, diese Abneigung zu erklären: Früher galt Sächsisch – insbesondere die Meißner Sprache – als elegant und vorbildlich. Auf ihr beruht noch heute die deutsche Grammatik. Doch Preußen war das ein Dorn im Auge. Es verunglimpfte, nachdem es Sachsen im Siebenjährigen Krieg besiegt hatte, den sächsischen Dialekt – und machte die Sprechweise aus dem eigenen Reich zum Hochdeutsch.

Wir haben nicht mehr 1763. Aber Führungskräfte wählen für ihre Nachfolge noch immer am liebsten Personen, die ihnen sehr ähneln. Die also so sprechen, aussehen und ticken wie sie. Das war schon falsch, als es Frauen von der Karriereleiter ausschloss. Und es ist immer noch falsch, wenn es Ostdeutsche ausschließt. Es ist Zeit, immerhin 34 Jahre nach der Wende, diesen Missstand zu stoppen.

Anmerkung: Der Autor ist selbst Ostdeutscher, Sachse und ziemlich glücklich in seinem Job.

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