Luxus-Dienstleistung: „Über 90 Prozent unserer Kunden sind Männer“
Teils nimmt das skurrile Züge an: So zeigen Videos das Ufer der Seine mit Blick auf den Eiffelturm. Dort haben mehrere Verlobungs-Dienstleister ihre Arrangements aufgebaut, die Heiratswillige gebucht haben – teils mit nur einigen Metern Abstand von einander.
Das kann so aussehen: Roter Teppich mit Blumendeko vor großen Buchstaben, die die Wörter „Marry Me“ bilden. Dazu: Kerzenständer, eine Violinistin, Fotograf, Videograf. Die Pakete unterscheiden sich in ihrem Umfang, manche sind pompöser, andere zurückhaltender – je nachdem, wie viel gezahlt wird.
Auch hierzulande gibt es das Geschäft mit der Verlobung. Eine, die bereits seit über zehn Jahren eine Agentur für Verlobungsdienstleistungen namens BOW & ARROW betreibt, ist Karina Schönberger. Sie lebt mittlerweile in Mexiko und baut dort sowie auf der Urlaubsinsel Mallorca weitere Agenturen auf – und erzählt, wie sich das Geschäft verändert hat.
WirtschaftsWoche: Frau Schönberger, bei Ihnen kann man Pakete buchen, um sich zu verloben: Der Heiratsantrag im Museum kostet 1666 Euro, der im Schlossgarten Britz 1650 Euro. Wie verloben sich Ihre Kunden denn am liebsten?
Karina Schönberger: Tatsächlich besteht unser Hauptgeschäft daraus, Anträge individuell zu planen. Über 90 Prozent unserer Kunden sind Männer. Viele wissen genau, wie die Verlobung ablaufen soll. Doch ein kleiner Teil ist total überfordert, an die richten sich die Pakete, die man buchen kann. Wir haben die vor einigen Jahren entwickelt und wollten wissen: Sind wir als Gesellschaft schon so weit, dass man einen Heiratsantrug auf Knopfdruck online kauft? Wir fanden das selbst außergewöhnlich, wollten es aber ausprobieren. Das Angebot nutzen aber wie gesagt nur sehr wenige. Viele benötigen uns nur, um die Verlobung zu planen und umzusetzen, also ganz klassisch als Dienstleister.
Karina Schönberger
Foto: Claudia Gerhard FotografieWas heißt: Sie wissen schon genau, was sie wollen?
Einige Kunden kommen auf uns zu und wissen: Sie wollen blaue Hortensien links und rechts, einen Traubogen mit weißem Schal und haben eine Songauswahl. Mit denjenigen, die noch unentschlossen sind, spreche ich ausführlich darüber, was der Partnerin gefällt und berate viel: soll es ins Restaurant gehen, aufs Wasser oder eher ins Kino? Übrigens ist unser Geschäft in den USA sehr gängig.
Auf Plattformen wie Instagram und TikTok ist eine schön inszenierte Verlobung ein großer Trend, inklusive Foto- und Videograf. Wie sehr profitieren Sie vom Hype ums Handanhalten?
Ich merke den Einfluss von Instagram und TikTok vor allem daran, dass es viel um die Kulisse geht und um schöne Fotos. Eine Szenerie fürs Foto ist auf jeden Fall ein Trend – das Paar läuft irgendwo entlang, dann ist da etwas aufgebaut und der Antrag folgt. Das wirkt sich auch auf die Heiratsanträge selbst aus, bei denen das Foto manchmal im Mittelpunkt steht. Ich finde das auch skurril, denn eigentlich wollen viele einen sehr intimen Antrag. Zugleich gibt es aber Druck durch die sozialen Medien gerade bei den Jüngeren. Manche Kunden sind bereit, ein paar Tausend Euro für ihre Verlobung auszugeben.
Was sind denn übliche Preise?
Das kommt ganz aufs Segment an, aber unsere Kunden zahlen mindestens 600 Euro. Im Schnitt sind es 1000 Euro. Wer ein Museum mietet samt Blumenwand mit Initialen oder einen Helikopterflug möchte, landet auch schnell bei 5000 Euro. Wenn etwas mit Hochzeiten zu tun hat, sind die Summen häufig höher als in anderen Bereichen.
Was war die außergewöhnlichste Verlobung, die Sie geplant haben?
Ich hatte einen Kunden, dessen Freundin sich für Geschichte und antike Stätten interessierte. Es gab eine Pompeji-Ausstellung, wir haben das Museum gebucht nach den Schließzeiten. Ein Guide hat das Paar erst herumgeführt und es dann alleine gelassen. Der Kunde hat seiner Freundin dann auf einer Empore inmitten einer 360-Grad-Installation von Pompeji im Sonnenuntergang den Antrag gemacht.
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