Reform der Chefgehälter: Streicht den Bahn-Vorständen die unsinnigen Boni!

Bahn-Chef Richard Lutz ist seit 13 Jahren im Vorstand des Staatsunternehmens. Die Qualität der Bahn hat sich in dieser Zeit nicht verbessert.
Foto: REUTERSDer Aufschrei war bis in den letzten noch offenen Regionalbahnhof zu hören: Wie ist es möglich, dass die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr so unpünktlich war wie noch nie, die Kunden immer frustrierter sind – und Bahn-Chef Richard Lutz 1,2 Millionen Euro an Leistungsboni einstreicht? Das konnten selbst die größten Verteidiger des Managers nicht erklären.
In Zukunft können sie sich die Wortakrobatik womöglich sparen. Wie der „Spiegel“ berichtet, plant der Aufsichtsrat des Staatsunternehmens, die Vergütung der Bahn-Vorstände zu reformieren und Boni weniger an kurzfristige Ziele, Gewinne etwa, zu knüpfen. Für das, was die Bahn ihren Chefs überweist, sollen stattdessen eher langfristige Erfolge eine Rolle spielen – wie eben die Pünktlichkeit der Züge.
Das ist eine gute – und eine überfällige – Entscheidung für die Kunden der Deutschen Bahn.
Das Unternehmen steht vor seiner größten Reform seit der Privatisierung vor 30 Jahren. Weite Teile der Infrastruktur sollen endlich mit Investitionen von 45 Milliarden Euro kernsaniert werden. Durch den angestrebten Verkauf der Speditionssparte DB Schenker rückt das Schienennetz wieder in den Mittelpunkt des Unternehmens. Doch es braucht eben auch Manager, die die sich hoffentlich verbessernden Voraussetzungen nutzen: die jeden Tag nach Qualitätsverbesserungen streben.
Deshalb müssen Boni die richtigen Anreize setzen. Die Pünktlichkeitswerte sind gestiegen? Danke, dafür gibt es einen Bonus. Das WLAN funktioniert immer noch nicht? Dann bleiben die Zahlungen aus.
Die Deutsche Bahn braucht hoch qualifizierte Spezialisten, sie muss deshalb beim Gehalt mit Dax-Konzernen mithalten. Die Grundvergütung muss also ausreichend hoch sein. Boni sollte es aber nur geben, wenn die Reisequalität stimmt. Bahn-Chef Richard Lutz hat dieses Ziel offensichtlich verfehlt. Im Vorstand der Bahn sitzt er bereits seit 13 Jahren. Fürs Erste gibt es deshalb keinen Grund, ihm auch nur einen Euro an Erfolgszahlungen zu überweisen.
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