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Anleihemarkt„US-Anleihen sind so attraktiv wie zuletzt vor 20 Jahren“

Die Turbulenzen am amerikanischen Anleihemarkt bieten Anlegern günstige Einstiegschancen, sagt Pimco-Portfoliomanager Mike Cudzil. Er sieht allerdings auch Gefahren für die US-Wirtschaft.Julia Groth 06.10.2023 - 00:44 Uhr

Bewirkt das Chaos am Bondmarkt einen Crash bei Aktien?

Foto: imago images, Collage: Marcel Reyle

WirtschaftsWoche: Herr Cudzil, würden Sie jetzt US-Anleihen kaufen?
Mike Cudzil: Ja, auf jeden Fall. Es ist viel passiert bei US-Anleihen, ihre Kurse sind deutlich zurückgekommen. US-Anleihen sind so attraktiv wie zuletzt vor 20 Jahren, auch relativ zu Aktien gesehen. Man kann jetzt ein Portfolio aus sicheren Anleihen aufbauen, das 6,0 bis 6,5 Prozent Rendite abwirft. Das sind aktienähnliche Erträge.

Die Renditen sind so stark gestiegen, weil die Kurse gefallen sind. Was hat die Verkaufswelle ausgelöst?
Man kann den diesjährigen Ausverkauf am US-Anleihemarkt in drei Phasen unterteilen. In der ersten Phase hat sich die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten robuster gezeigt als gedacht, die viel beschworene Rezession ist ausgefallen. Anleger haben deshalb stärker zu Aktien als zu sicheren Anleihen gegriffen, die Anleiherenditen sind gestiegen. Im Sommer hat die US-Regierung dann angekündigt, in großem Stil weitere Anleihen auszugeben. Die Sorge vor einem Angebotsüberhang hat die Renditen weiter steigen lassen.

In der dritten Phase haben Anleger ihre Notenbankerwartungen rekalibriert. Bei den Leitzinsen gilt nun: Higher for longer. Sie dürften längere Zeit hoch bleiben als erwartet. Das hat die Anleiherenditen in den vergangenen Tagen noch einmal in die Höhe getrieben. Hinzu kommt, dass die Notenbanken ihre Bilanzen verkleinern und nicht mehr so viele Anleihen nachkaufen. Das drückt auf die Nachfrage.

Foto: PR
Zur Person
Mike Cudzil ist Managing Director in der Firmenzentrale des Anleihespezialisten Pimco in Newport Beach, Kalifornien. Der Portfoliomanager leitet dort unter anderem das Team für verbindlichkeitsorientierte Anlagen (Liability-Driven Investments). Zuvor war er unter anderem bei Nomura und der Bank of America.

Für Anleger mögen sich jetzt Kaufchancen auftun, aber höhere Zinsen bergen auch Risiken. Welche Gefahren sehen Sie für die US-Wirtschaft?
Höhere Zinsen verlangsamen das Wirtschaftswachstum. Das ist durchaus im Sinne der Notenbank, die ja die Inflation bekämpfen will. Es gibt aber tatsächlich auch Grund zur Sorge, zum Beispiel im Gewerbeimmobiliensektor. In den kommenden Jahren werden dort jedes Jahr Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 500 Milliarden Dollar zur Refinanzierung fällig. Die Unternehmen müssen sich dann zu deutlich höheren Kosten finanzieren. Da könnte es Turbulenzen geben.

Auch für Banken sind die gestiegenen Zinsen schwierig. Man denkt zwar: Bei höheren Zinsen steigen ihre Margen, sie können teurere Kredite ausreichen und mehr Geld verdienen. Banken haben aber sehr viele Anleihen mit fixem Kupon in ihren Büchern. Sie haben also erst einmal nichts von höheren Zinsen. Gleichzeitig steigen jetzt ihre Finanzierungskosten. Ihre Margen schrumpfen also, statt zu wachsen. In der Folge reichen sie weniger Kredite aus. Letztlich werden die höheren Zinsen wohl zu einem schwächeren Wirtschaftswachstum führen, zu niedrigerer Inflation und irgendwann im kommenden Jahr zu einer technischen Rezession, die es der Notenbank dann erlauben wird, die Zinsen wieder zu senken.

Sie gehen also davon aus, dass die Inflation in den USA mehr oder weniger unter Kontrolle ist?
Unser Basisszenario ist, dass sie weiter sinkt, auch wenn es fraglich ist, ob sie bis auf das Notenbankziel von zwei Prozent zurückgehen wird. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Inflation im kommenden Jahr noch einmal hochgeht. Dann könnte die Fed nachlegen und die Zinsen noch einmal erhöhen. Unser Basisszenario sieht vor, dass sie für diesen Zyklus mit Zinsanhebungen durch ist.

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