Preisfrage: Was grünen Wasserstoff so teuer macht
Grüner Wasserstoff hat offenbar nur Fans. Ob Unternehmer, Politikerinnen oder Ökonominnen – alle können gar nicht genug Versprechen, Forderungen und Wünsche abgeben, was die Allzweckwaffe Wasserstoff alles leisten soll. Fossile Unternehmen lieben Wasserstoff, weil man Erdgas und Kohle leicht durch ihn ersetzen kann.
Und da der Rohstoff nur aus Wasser und erneuerbaren Energien hergestellt wird, hat er auch unter Klimaschützern ein gutes Image. Grauer Wasserstoff aus Erdgas, Kohle oder Öl ist dagegen langfristig keine klimafreundliche Alternative. Die Zukunft ist grün – soweit der Plan.
Doch die Realität sieht anders aus. Noch stammt weniger als ein Prozent des weltweit produzierten Wasserstoffs aus erneuerbaren Quellen, schätzt der Analyst Adithya Bhashyam von BloombergNEF. Das Problem: Die Herstellung von Wasserstoff ist energieintensiv. Rund 60 Kilowattstunden Strom sind nötig, um ein Kilogramm davon herzustellen. Dieses wiederum enthält nur 33,3 Kilowattstunden Energie. Bei der Herstellung geht also viel Energie verloren. Wenn möglich, ist es daher deutlich effizienter, anstelle von Wasserstoff direkt grünen Strom zu nutzen.
Nicht für jede Anwendung gelingt das. Vor allem die Stahlindustrie, der Schiffs- und Flugverkehr und die Düngemittelproduktion sollen mit Wasserstoff endlich klimaneutral werden. Auch die chemische Industrie braucht ihn. Und als Energiespeicher und für Teile des Straßenverkehrs könnte er eine wichtige Rolle spielen.
Noch gibt es in Deutschland nur wenige Produzenten und Abnehmer von grünem Wasserstoff. Die Grafik zeigt, aus welchen Faktoren sich der gemittelte Preis für grünen Wasserstoff aus Deutschland derzeit zusammensetzt:
2,55 €
Elektrolyse-Anlage
+
2,09 €
Strom aus Windenergie
+
0,02 €
Wasser
+
0,77 €
Lkw-Transport (< 50 km)
+
1,65 €
Marge
=
7,08 €
Quelle der Kosten: BloombergNEF; Quelle für Gesamtpreis: EEX Hydrix
Einen großen Teil der Kosten macht die Elektrolyseanlage aus. In ihr wird Wasser (H2O) mithilfe von Ökostrom in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) aufgespalten. Das Wasser dafür kostet die Produzenten nur wenig, entscheidend ist dagegen der Strompreis. Langfristig wird er den Preis von grünem Wasserstoff bestimmen, denn die Kosten für Anlage und Transport werden mit steigender Skalierung sinken, prognostizieren Fachleute. In unserer Rechnung gehen wir davon aus, dass der Hersteller den Strom aus einem eigenen Windpark an Land erzeugt. Würde er den Strom direkt aus dem Netz beziehen, wäre der Preis noch höher.
Derzeit wird der Wasserstoff meist per Lkw über kurze Strecken transportiert. Das ist teuer und kompliziert, weil Wasserstoff sich bei normalen Temperaturen auf ein sehr großes Volumen ausdehnt. Um Transportkosten einzusparen kann es sich lohnen, Wasserstoff, der in Deutschland benötigt wird, auch in Deutschland zu produzieren – selbst wenn erneuerbare Energien in anderen Ländern und Kontinenten günstiger sind. In Zukunft sollen ehemalige Erdgasleitungen den Transport von Wasserstoff billiger machen.
Aktuell ist grüner Wasserstoff noch deutlich teurer als sein graues Pendant. Damit Unternehmen investieren, braucht es staatliche Förderung. „Bis mindestens 2030 wird der Markt von Subventionen und politischen Rahmenbedingungen getrieben, die notwendig für die Skalierung und Kostenreduktionen in der Industrie sind“, kommentiert Analyst Bhashyam. Er hat ausgerechnet: Schon 2030 wird es in einigen Ländern günstiger sein, eine neue Anlage für grünen Wasserstoff zu bauen, als eine bestehende Anlage für grauen Wasserstoff weiter zu betreiben.
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