Bruttoinlandsprodukt: Wirtschaft in der Eurozone schrumpft überraschend
Die europäische Wirtschaft ist geschrumpft.
Foto: imago imagesIn der Eurozone ist die Wirtschaftsleistung im Sommer überraschend geschrumpft. Im dritten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,1 Prozent gesunken, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg nach einer ersten Schätzung mit. Volkswirte und von Reuters befragte Experten hatten im Schnitt eine Stagnation erwartet.
Im zweiten Quartal hatte die Wirtschaft noch um 0,2 Prozent zugelegt. Im ersten Quartal und im vierten Quartal 2022 hatte die Wirtschaft stagniert. Die Daten beziehen sich auf die 20 Länder der Eurozone. Kroatien war zum Jahreswechsel beigetreten. Im Jahresvergleich legte die Wirtschaft im Zeitraum Juli bis Ende September um 0,1 Prozent zu. Volkswirte hatten mit plus 0,2 Prozent gerechnet.
Die Wirtschaftsentwicklung in den großen Ländern der Eurozone zeigte deutliche Unterschiede. So ist die Wirtschaft in Frankreich um 0,1 Prozent und in Spanien um 0,3 Prozent gewachsen. In Deutschland schrumpfte die Wirtschaft um 0,1 Prozent. Die italienische Wirtschaft stagnierte.
Experten sehen in Daten einen Auftakt für eine beginnende Rezession
Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde bleibt die Wirtschaft im Euroraum wahrscheinlich für den Rest des Jahres schwach. Mit weiter zurückgehender Inflation und anziehender Auslandsnachfrage dürfte die Konjunktur demnach in den kommenden Jahren jedoch an Stärke gewinnen.
Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel, sieht in den Daten aus dem Euroraum einen Auftakt für eine beginnende Rezession. „Das konjunkturelle Bild der Euro-Zone sieht alles andere als erbaulich aus. Während in den südeuropäischen Ländern die gutlaufende Tourismussaison dem Schwächesog etwas entgegensetzten konnte, sieht es in anderen Teilen des Währungsraums düster aus.“
„Zahlreiche Belastungsfaktoren sprechen für ein schwaches Winterhalbjahr. Neben der schwachen Weltwirtschaft zählen hohe Energiepreise und Zinsen dazu“, sagt Chefökonom Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, aber: „Ein Konjunkturabsturz zeichnet sich weiterhin nicht ab.“
Im laufenden vierten Quartal stehen die Zeichen jedoch noch auf Abschwung: Im Oktober beschleunigte die Wirtschaft im Euroraum ihre Talfahrt. Der monatlich erhobene S&P-Einkaufsmanagerindex sank auf 46,5 Zähler und entfernte sich damit noch weiter von der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Das Barometer fiel auf den tiefsten Stand seit rund drei Jahren.
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