Neuer Beatles-Song: Wie KI die Beatles wieder auferstehen lässt
Parallel zur Veröffentlichung des neuen Beatles-Titels „Now and Then“ hat Regisseur Peter Jackson aus teils unveröffentlichten und durchweg digital überarbeiteten Filmaufnahmen der Band auch ein Video für das Stück produziert.
Foto: dpaEs war zunächst nur eine Andeutung. Nun ist klar, was Paul McCartney im Frühsommer dieses Jahres meinte, als er von einem Fragment sprach, aus dem noch in diesem Jahr ein neuer Beatles-Titel werden könnte. Am Donnerstag erscheint „Now and Then“, der wohl endgültig letzte gemeinsame Song der einstigen Fab Four aus Liverpool.
Der allerdings tauchte nicht etwa unerwartet in irgendwelchen Bandarchiven des alten Beatles-Labels Apple Records auf und wurde nun bloß digital aufgehübscht. Es handelt sich bei der Veröffentlichung tatsächlich um eine Neuaufnahme, oder wenigstens in weiten Teilen.
Was umso verblüffender ist, als John Lennon bereits 1980 bei einem Attentat ums Leben kam, George Harrison starb 2001. Und doch sind alle vier im neuen Titel vereint, als hätten sie noch mal gemeinsam im Studio gestanden. Tatsächlich hatte John Lennon das Demo-Tape des Stücks zunächst alleine aufgenommen. Auf einem einfachen Kassettenrekorder und mit Klavierbegleitung – und entsprechend magerer Qualität, die Stimme noch dazu stark überlagert vom Klavier.
Die Kassette mit der Aufschrift „Für Paul“ übergab Lennons Witwe Yoko Ono nach Lennons Tod an McCartney. Versuche der verbliebenen Beatles, aus dem Fragment bereits 1995 eine gemeinsame Aufnahme abzumischen, scheiterten daran, dass sich der hemdsärmelige Kassettenmitschnitt und die hochwertigen Studiotracks von Paul McCartney, Ringo Starr und George Harrison mit der damaligen Technik nicht zu einem harmonischen Ganzen verbinden ließen. Immerhin, Harrisons Gitarrenaufnahmen blieben erhalten.
Stimme und Klavier destilliert
Sie bildeten die Grundlage für einen neuen Anlauf unter weit günstigeren Vorzeichen. Denn inzwischen erlaubt es der Einsatz künstlicher Intelligenz nicht bloß, aus Lennons Aufnahme Stimme und Klavier getrennt zu destillieren, sondern auch die Qualität des Mitschnitts soweit zu optimieren, dass sich der Gesang für Paul und Ringo bei den Aufnahmen ihrer Takes offenbar geradezu lebensecht anhörte.
„Da war sie plötzlich: Johns Stimme. Absolut klar. Ein echt emotionaler Moment war das. Wir alle sind drauf zu hören, also ist es eine echte Beatles-Aufnahme“, berichtete Paul McCartney vor wenigen Tagen bei der Vorstellung des Stücks. Und Ringo Starr erinnerte sich nicht weniger angefasst an die Studio-Session: „Noch dichter an das Gefühl, ihn wieder bei uns im Raum zu haben, werden wir niemals kommen. Allein deshalb war das wahnsinnig emotional für uns alle. Es war wirklich so, als ob John wieder bei uns wäre – echt verrückt.“
Möglich gemacht hat diese akustische Wiedervereinigung der Einsatz spezieller KI-Algorithmen, die der „Herrn der Ringe“-Regisseur und Technologie-Fan Peter Jackson bereits in seiner 2021 veröffentlichten Dokumentation „The Beatles: Get back“ genutzt hatte. Jackson ließ unter anderem Film- und Tonaufnahmen aus dem Beatles-Film „Let it be“ aufwendig digitalisieren, mit KI-Hilfe verfeinern und von Rauschen und Knirschen befreit in hochauflösender Qualität verarbeiten. Schon damals waren einzelne Dialoge, die im Original noch im Rauschen untergingen, erstmals zu verstehen.
Für Paul und Ringo war das ein Jahr später der Anstoß, die Restaurierung beziehungsweise die finale Mischung des John-Lennon-Fragments doch noch einmal anzugehen: Basierend auf Johns vom Klavier separiertem Gesang, den E- und Akustikgitarren-Takes von George von 1995, neuen Schlagzeugaufnahmen von Ringo sowie ebenfalls neuen Gitarren-, Bass- und Klavieraufnahmen von Paul gelang so die zumindest akustische Wiedervereinigung der Fab Four. Hintergrund-Gesangsspuren aus den Beatles-Hits „Eleanor Rigby“, „Because“ sowie „Here, There and Everywhere“ komplettieren die Aufnahme.
Fans der Beatles können den Titel ab 3. November in verschiedenen Editionen zu Preisen zwischen 4,99 und 19,99 Euro auf CD, in unterschiedlichen Vinyl-Versionen und sogar auf einer klassischen Compact-Kassette im Online-Store der Band kaufen. Darauf findet sich, neben dem nun letzten Beatles-Titel „Now and Then“ auch eine per KI optimierte Aufnahme von „Love me do“, dem Hit der Band von ihrer ersten, 1962 veröffentlichten Single in Großbritannien. Musikalisch schließt sich damit mehr als 60 Jahre später dank KI der Kreis.
Für Paul und Ringo allerdings eröffnet „Now and Then“ auch die Chance, doppelt Kasse zu machen. Denn neben der Neuaufnahme kommen im Gefolge der KI-Single am 10. November auch Wiederauflagen der „roten“ und „blauen“ Best-of-Collections auf den Markt. Auch diese sind natürlich komplett digital überarbeitet, um weitere Titel erweitert und als LP in True-Stereo beziehungsweise als CD sogar in Dolby-Atmos-Raumklang neu abgemischt. So viel technische Finesse allerdings hat ihren Preis: Je nach Bundle kostet das neu aufgelegte Set zwischen knapp 25 und fast 190 Euro.
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