Delisting: Tschüss, Aareal Bank: Rückzug aus dem regulierten Markt
Aktionäre der Aareal Bank können ihre Anteilsscheine am Dienstag noch bis Mitternacht Atlantic Bidco andienen.
Foto: PR, imago imagesNach 21 Jahren verschwindet die Aktie der Aareal Bank zum Handelsschluss am Dienstag aus dem regulierten Markt. Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer hatte sich im September mit seinem Mehrheitseigner, der Private-Equity-Gesellschaft Atlantic Bidco, auf ein Angebot geeinigt. Atlantic Bidco hielt da bereits knapp 90 Prozent der Aareal-Aktien und bot den verbliebenen Anteilseignern 33,20 Euro je Aktie. Das ist nach Angaben der Aareal Bank etwas mehr als der geschätzte Mindestpreis. Laut Börsengesetz muss das Abfindungsangebot dem Durchschnittswert der Aktie in den vorangegangenen sechs Monaten entsprechen.
Verschwindet eine Aktie aus dem regulierten Handel, spricht man von einem Delisting. Die Zulassung zum Handel an einem regulierten Markt geht mit Transparenzpflichten einher. Unternehmen müssen dann etwa Quartalsberichte veröffentlichen oder eine jährliche Hauptversammlung abhalten. Das verursacht Aufwand und Kosten, die ein neuer Großaktionär womöglich nicht bereit ist zu tragen – vor allem, wenn er ohnehin nicht mehr auf eine Finanzierung über den Aktienmarkt setzen will.
Ein Angebot, das man ablehnen kann
Aktionäre der Aareal Bank können ihre Anteilsscheine am Dienstag noch bis Mitternacht Atlantic Bidco andienen, wenn sie das Angebot des Finanzinvestors annehmen wollen. Dafür müssten sie bei ihrer Depotbank eine sogenannte Annahmeerklärung einreichen. Dazu gezwungen sind sie nicht: Anleger können Aktien auch dann weiter halten, wenn diese aus dem regulierten Markt verschwinden. Die Aktien werden dann oft noch im Freiverkehr der Regionalbörse Hamburg gehandelt. „Trotz unseres Rückzugs aus dem regulierten Aktienmarkt werden wir weiterhin transparent kommunizieren und hohe Offenlegungsstandards beibehalten“, versichert Marc Heß, Finanzvorstand der Aareal Bank.
Weil Aktien nach einem Delisting in der Regel nicht mehr so häufig gehandelt werden, sind sie dann meist nicht mehr so liquide wie während ihrer Zeit im regulierten Markt. Das sollten Aktionäre, die an Bord bleiben wollen, im Hinterkopf behalten. „Der Antrag für ein Delisting sowie das Delisting selbst kann zu Kursverlusten sowie zu einer eingeschränkten Liquidität und Kursverfügbarkeit der Aareal Bank-Aktie führen“, heißt es von Atlantic Bidco.
Trotzdem kann es sich lohnen, dabei zu bleiben. Der Aktienkurs des Beteiligungsunternehmens Rocket Internet zum Beispiel stieg nach dem Delisting der Aktie Ende Oktober 2020 deutlich, in der Spitze auf knapp 33 Euro. Danach ging es allerdings wieder abwärts. Inzwischen steht der Kurs bei rund 17 Euro und damit unterhalb des damaligen Abfindungsangebots von 18,57 Euro je Aktie.
Gutes Ergebnis dank Zinsüberschuss
Ob Kleinaktionäre der Aareal Bank dabeibleiben sollten, hängt davon ab, wie sie die Aussichten für das Unternehmen bewerten. In diesem Jahr lief es gut für die Hypothekenbank. Für das dritte Quartal wies die Aareal Bank Gruppe, deren Mutter die Aareal Bank AG ist, ein Konzernergebnis von 68 Millionen Euro aus; zwei Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach Abzug von Steuern blieben 46 Millionen Euro, ein Plus von vier Millionen Euro zum Vorjahr. Und das, obwohl das Institut wegen der schwierigen Lage am Immobilienmarkt mehr Geld für die Risikovorsorge aufwenden musste. Vor allem bei US-Büroimmobilien rechnet die Bank dieses Jahr mit einzelnen Ausfällen.
Der Aareal Bank kommt das höhere Zinsniveau zugute: Sie vereinnahmt mehr Zinsen, als sie auf Fremdkapital zahlen muss. Der sogenannte Zinsüberschuss lag im dritten Quartal bei 248 Millionen Euro und damit rund 35 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Auf der anderen Seite stieg zuletzt auch der Zinsaufwand, also das, was die Aareal Bank ihren Gläubigern zahlt. Das dürfte zumindest zum Teil daran liegen, dass die Bank seit vergangenem Jahr stärker auf das Einlagengeschäft mit Privatkunden setzt. Über die Zinsplattform Weltsparen bietet sie aktuell Festgeld mit drei Jahren Laufzeit für 4,15 Prozent Zins pro Jahr an. Bei Weltsparen ist das momentan das beste Angebot einer deutschen Bank. Die Einlagen nutzt die Aareal Bank offenbar dazu, ihre Zinsmarge zu hebeln. Eine Strategie, die sich dieses Jahr auszahlt, die aber nicht ohne Risiko ist.
Die Private-Equity-Gesellschaft Atlantic Bidco war im vergangenen Jahr im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots bei der Aareal Bank eingestiegen und hatte sich für 33 Euro je Aktie rund 84 Prozent der Anteile gesichert. An der Gesellschaft sind wiederum Fonds beteiligt, die von Advent International, Centerbridge Partners sowie einer Tochter des Canada Pension Plan Investment Boards (CPPIB) beraten oder verwaltet werden.
Im Mai dieses Jahres billigte die Europäische Zentralbank (EZB) den Mehrheitserwerb; die Übernahme wurde vollzogen. Der Aktienkurs der Aareal Bank stieg daraufhin zunächst, gab kurz darauf aber wieder nach. Derzeit steht die Aktie bei 33,14 Euro, also knapp unter dem Abfindungsangebot für die letzten freien Aktionäre.
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