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Krise beim SpielwarenunternehmenEinmal Pleite und zurück – die wirtschaftliche Achterbahnfahrt des Spielzeugherstellers Haba

Von einer missglückten SAP-Einführung über interne Grabenkämpfe bis zur Insolvenz: Was 2023 zur Krise beim oberfränkischen Familienunternehmen Haba führte – und wie es weitergeht.Michael Kroker 24.12.2023 - 09:18 Uhr

Insolvenz: Haba verkauft Produktionsstandort Eisleben

Foto: imago images

Es war eine der spektakulärsten Wirtschaftsgeschichten des Jahres 2023: der vermeintlich aus heiterem Himmel gekommene Niedergang des Spielzeugherstellers Haba aus dem oberfränkischen Bad Rodach bei Coburg. Der Absturz begann mit scheinbar schnöden Lieferproblemen im Onlineshop, führte über Gerüchte über ein geflopptes SAP-Projekt Mitte Juli zu Grabenkämpfen der verschiedenen Sparten – die wiederum Mitte August in der Einstellung der Kindermodemarke Jako-o mündeten.

Mitte September wurden die lange Zeit unter den Teppich gekehrten wirtschaftlichen Probleme des angeschlagenen Unternehmens so groß, dass die Geschäftsführung einen Insolvenzantrag stellen musste.

Vor der Krise war das Unternehmen vor allem in jungen Familien ein fester Begriff: eine Marke im heimischen Jugendzimmer. Kinderklamotten der Marke Jako-o, Kleinkinderspielzeug von Haba oder Kindermöbel für Krippen, Kindergärten, Schulen und soziale Einrichtungen von Haba Pro – die Oberfranken haben sich ganz dem Geschäft um den Familiennachwuchs verschrieben.

Desaster bei SAP-Einführung

Fehlentscheidungen und Grabenkämpfe: Wie sich Haba selbst zerlegt

Das fränkische Familienunternehmen Haba leidet bis heute unter umstrittenen Managemententscheidungen und internen Grabenkämpfen zwischen Abteilungen, die die Einführung einer neuen SAP-Software erschwerten.

von Michael Kroker


Seit Anfang 2023 mehrten sich die Indizien für Probleme

Seit Anfang des Jahres mehrten sich in Verbraucherportalen wie der Bewertungsplattform Trustpilot Negativkommentare über den Online-Shop der Haba-Marke Jako-o: Bestellungen seien storniert worden, manche Lieferungen teils wochenlang verzögert – und auch bei Rückerstattungen hake es. Mitte Juli dann Berichte über einen unerwarteten und massiven Stellenabbau bei Haba, mit dem rund 650 der damals insgesamt 2000 Jobs abgebaut werden sollten.

Über den Anlass für den Stellenabbau schwieg sich das Unternehmen damals weitgehend aus. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche lagen die Versand- und Webshop-Probleme von Haba unter anderem an Schwierigkeiten mit der IT: der schleppenden Einführung einer neuen SAP-Software, mit der die Altsysteme in den drei Sparten abgelöst werden sollten.

Schnell zeigte sich aber auch: Die SAP-Schwierigkeiten waren nicht das einzige Problem des Unternehmens. Haba litt schon zum damaligen Zeitpunkt auch unter umstrittenen Managemententscheidungen und internen Grabenkämpfen zwischen Abteilungen, welche die Einführung der neuen SAP-Software zusätzlich erschwerten. Beides führte nach Recherchen der WirtschaftsWoche dazu, dass sich Haba regelrecht selbst zerlegte.

Lesen Sie auch: Stellenabbau beim Familienunternehmen Haba – wegen Problemen mit SAP-Software?

Auch in den folgenden Wochen kam der Spielwarenhersteller nicht zur Ruhe: Anfang August vermeldete das Familienunternehmen völlig überraschend, dass die bekannte Kinderklamottenmarke Jako-o zum Jahreswechsel eingestellt werde. Aufgrund der langwierigen wirtschaftlichen Probleme habe der Geschäftsbereich keine Zukunft mehr, so die Geschäftsführung. Fortan wolle sich die Haba-Familygroup nur noch auf die beiden Bereiche Haba und Haba Pro konzentrieren. „Denen steht das Wasser bis zum Hals“, äußerte sich damals ein Haba-Insider anonym gegenüber der WirtschaftsWoche.

Gang in die Insolvenz für Insider nicht überraschend

Dass er damit recht hatte, zeigte sich nur wenige Wochen später: Mitte September stellte das Unternehmen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung – für Insider ein nicht überraschender Schritt, denn zu tiefgreifend waren die Probleme des Unternehmens im Spielzeugbereich. Die Rettungsmission übernahm Martin Mucha, Sanierungsexperte aus Stuttgart und Partner der Kanzlei Grub Brugger. Mucha gab sich damals zuversichtlich, die Haba-Gruppe wieder auf solide Füße stellen zu können.

Seitdem ist er ein paar wichtige Schritte vorangekommen: Mitte November verkündete Haba, die Geschäftsführung sei kurz davor, zusammen mit dem Betriebsrat eine Einigung über die Neuausrichtung des Unternehmens zu erzielen. Diese wurde Anfang Dezember erzielt, sodass zum 1. Dezember das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet werden konnte – ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Sanierung. Wenige Tage später kündigte das Unternehmen zudem den Verkauf seines Produktionsstandorts in Eisleben in Sachsen-Anhalt an.

Damit steigt zumindest die Hoffnung, dass die Haba-Gruppe aus der größten Umstrukturierung ihrer mehr als 85-jährigen Firmengeschichte lebend hervorgeht. Der Stellenabbau ist beträchtlich: Zum Zeitpunkt der Vorlage des Sanierungsplans Anfang Oktober hatte das Unternehmen noch knapp 1700 Beschäftigte, nach der Sanierung sollen es nur noch 1000 sein – ein Minus von 40 Prozent. Gut 200 Mitarbeiter haben Haba bereits verlassen, weitere knapp 500 Beschäftigte sind in eine Transfergesellschaft gewechselt, die das Unternehmen nach Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall Anfang Dezember gegründet hat.

Im neuen Jahr will sich das Unternehmen noch stärker als bisher auf seine Kernkompetenzen im Bereich Holz konzentrieren, sagte der Sanierungsexperte Mucha bei der Präsentation des Zukunftspakts 2030 Mitte Dezember – und ergänzte: „Ich bin zuversichtlich, dass wir das Insolvenzverfahren zum März 2024 erfolgreich abschließen können.“
Lesen Sie auch: Fehlentscheidungen und Grabenkämpfe – Wie sich Haba selbst zerlegt

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