Immobilien: Wünsch dir was am Wohnungsmarkt
Hilfe von ganz oben? Bundesbauministerin Klara Geywitz
Foto: dpaVermutlich sollte die Nachricht Hoffnung machen. Einen versöhnlichen Abschluss hinter ein Jahr bilden, das für Bauunternehmen, Mieter und Hauskäufer gleichermaßen frustrierend war. Denn die Immobilienbranche hat zu kämpfen: Es fehlen hunderttausende Wohnungen, aber trotzdem wird zu wenig gebaut.
In diesem Jahr wurden nur rund 270.000 neue Wohnungen fertiggestellt, das ursprünglich angepeilte Ziel von 400.000 neuer Wohnungen pro Jahr hat die Regierung längst kassiert. Für 2024 rechnet Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) nun mit 265.000 neuen Wohnungen. Selbst das ist aber arg optimistisch.
Geywitz schiebt die Probleme vor allem auf die schwache konjunkturelle Lage in Deutschland. Das ist zum Teil richtig, ignoriert aber die hausgemachten Versäumnisse. Denn Bauunternehmen leiden ja nicht nur unter den gestiegenen Zinsen. Sondern auch unter immer komplexeren Bauanforderungen, immensen Dämm- und Schallschutzvorschriften und zermürbenden Genehmigungsverfahren.
Es geht auch darum, wie gebaut wird
Hier hätte Geywitz längst mit einfachen Mitteln gegensteuern können: Vorgaben für die Anzahl vorgeschriebener Parkplätze lassen sich reduzieren, Baustandards flexibler gestalten, innovative Projekte fördern. Die Beschlüsse des Baugipfels im September, zum Beispiel die Absage an schärfere Energiestandards und Förderungen für Umbauten, gingen in die richtige Richtung, waren insgesamt aber zu wenig, um frischen Schwung in die Branche zu bringen.
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Schließlich geht es nicht nur darum, dass gebaut wird, sondern vor allem was und wie. Die goldenen Zeiten des Immobilienbooms, getragen von der Niedrigzinsphase, haben zwar dazu geführt, dass viele Firmen Kasse machen konnten. Oft wurde aber am Bedarf vorbei gebaut.
Noch heute entstehen in manchen ländlichen Gebieten am Ortsrand mehr Neubaugebiete als benötigt werden, während der Stadtkern verkümmert. In Großstädten hingegen rentieren sich wegen der explodierten Grundstückskosten oft nur noch Luxuswohnungen. Kein Wunder also, dass die Eigentumsquote in Deutschland zuletzt gesunken ist. All das sind Themen, um die sich eine Bundesbauministerin zu kümmern hat. Allein in einer weihnachtlich angehauchten „Wünsch dir was“-Stimmung auf bessere Zeiten zu hoffen, reicht nicht.
Trotz aller Kritik: Ein wenig Zuversicht lässt sich für 2024 am Wohnungsmarkt doch verbreiten: Die Bauzinsen dürften weiter sinken, das macht die Finanzierung billiger. Auch die Material- und Handwerkerkosten steigen nicht mehr so stark, vielerorts dürften sie in den nächsten Monaten sogar nachgeben. Vor allem aber gibt es in Deutschland einen Bauüberhang von rund 800.000 Wohnungen. Das sind Wohnungen, die zwar genehmigt, aber noch nicht umgesetzt sind. Um die Ziele von Geywitz zu erreichen, wird es darauf ankommen, wie schnell sich das ändern wird.
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