Marktkorrektur: MSCI World schwächelt: Freut euch gefälligst!

Rote Kerzen zu Weihnachten.
Foto: imago imagesDas Problem mit Weihnachten ist, dass es jedes Jahr so überraschend kommt. Eben die erste Kerze am Adventskranz angezündet, zack, steht schon Heiligabend vor der Tür. Wie konnte das passieren? Ähnlich überrascht zeigen sich Anleger oft von Rücksetzern an der Börse. Gerade ging es doch noch aufwärts – und plötzlich geben die Kurse nach. Zum Beispiel diese Woche. Da rutschten große Aktienindizes wie der amerikanische S&P 500 und der globale MSCI World auf einmal ab. Huch!
Viele Privatanleger geraten angesichts solcher Kursrutscher in Panik. Die Folge: hektische Verkäufe, etwa von ETF-Anteilen. Dabei hätten sich Anleger bei den jüngsten Kursrückgängen – die gerade schon wieder aufgeholt werden – vielmehr denken sollen: Oh du fröhliche!
Beim Winterschlussverkauf im Einzelhandel wird zugeschlagen. Fallen die Preise von Wertpapieren, bricht Unruhe aus. Logisch ist das nicht. Wer es feiert, wenn der H&M-Pullover plötzlich ein paar Prozent billiger ist, sollte nicht in Panik geraten, wenn dasselbe an der Börse passiert. Das gilt zumindest für Anleger, die in breit gestreute ETFs investieren. Bei Einzelaktien gelten andere Regeln; deren Kurse können auch schon mal dauerhaft tief bleiben oder gar auf null fallen.
Einen MSCI-World-ETF zu verkaufen, weil der Index abrutscht oder Analysten für 2024 eine Rezession vorhersagen, ergibt für Langfristanleger keinen Sinn.
Aus gutem Grund hat der verstorbene Börsen-Altmeister André Kostolany Anlegern zum Konsum von Schlaftabletten geraten. Das hat er natürlich nicht wörtlich gemeint. Aber wer schläft, sündigt bekanntlich nicht – und breit diversifizierte ETFs abzustoßen, weil die Märkte auch mal fallen können, kann man getrost als eine der größten Sünden bei der langfristigen Geldanlage bezeichnen.
Wer Kapital frei hat und auf den richtigen Zeitpunkt wartet, um es anzulegen, sollte Kursrutscher als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk begreifen. Und wer schon weiß, dass er in solchen Phasen nervös wird, sollte vielleicht doch über Schlaftabletten nachdenken. Oder das Smartphone mit der App des Onlinebrokers abschalten und sich noch einen Glühwein einschenken. Kinder wissen: „Wenn die fünfte Kerze brennt, hast du Weihnachten (und die Mini-Korrektur an den Börsen) verpennt.“ Ist ja auch nicht immer das Schlechteste.
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