Herolds Haltung: Diese zwei Fragen sollten sich Manager stellen, bevor sie in Technologie investieren
Als wir 1996 die Domain DELO.de registrierten, ahnte ich noch nicht, dass das Internet eines Tages die Plattform für fast jede Form der Kommunikation würde, ein Ort der unbegrenzten Informationsmöglichkeiten sowie ein Marktplatz, auf dem jährlich Billionen Euro umgesetzt werden. Ich erwartete eher eine Art digitale Version der Gelben Seiten. Daher registrierten wir Klebstoffe.de ebenfalls – um auch von denen gefunden zu werden, die uns noch nicht kennen. Dahinter stand jedenfalls der Glaube an ein gewisses Potenzial der neuen Plattform. Wie wahr.
Unglaublich viele Technologien sind seither dazugekommen. Manche haben unser Unternehmen grundlegend geändert. Andere stellten sich als Hype heraus, von dem wenig blieb. Um sich nicht zu verzetteln, sollten Manager Ruhe bewahren – und sich zwei Fragen stellen, bevor sie in eine neue Technologie investieren. Erstens: Kann ich sie für mein Unternehmen anwenden? Gedanklich gehe ich immer genau durch, ob sie tatsächlich die Qualität unserer Produkte steigert, unsere Entwicklungszeiten verkürzt, den Service für Kunden verbessert. Die zweite Frage ist viel schneller umsatzwirksam: Kann ich mit meinem Produkt oder meiner Dienstleistung bei diesem neuen Hype irgendetwas beitragen, um die Technologie selbst zu verbessern und damit einen neuen Markt zu schaffen?
Augmented Reality (AR) beispielsweise nutzen wir natürlich, damit sich Kollegen in Asien wichtige Handgriffe bei einem Training per Datenbrille aneignen und so auch komplexe Reparaturen durchführen können, wo Geräte einst per Luftfracht verschickt wurden – inklusive aufwendiger Zollabwicklung. Spannender aber ist für uns die Frage, wie wir unsere Klebstoffe verändern können, um die Technologie leistungsfähiger oder günstiger zu machen.
Was ist noch Hype? Und was schon der Beginn eines fundamentalen Wandels? Das abzuschätzen ist ein Balanceakt, der nicht immer gelingt. Unternehmen müssen nicht jedem Trend nachrennen, dürfen durchaus das Selbstbewusstsein haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie müssen es sogar: Es gilt, nicht nur den erwarteten Nutzen genau abzuschätzen, sondern auch die Kosten im Blick zu behalten. Neugier, ja, aber kein Aktionismus. DELO.com haben wir damals übrigens nicht registrieren lassen. Weitere 50 Mark pro Jahr schienen uns unnötig. Ein paar Jahre später war die Domain weg. Schade, aber kein Weltuntergang.
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