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+++ Blog zum Wirecard-Prozess +++Rückblick Wirecard-Prozess: Das passierte am 24.01.2024 vor Gericht

Im Wirecard-Prozess war am Mittwoch ein wichtiger Zeuge geladen, der in leitender Position für Senjo gearbeitet hat. Die Firma stand im Mittelpunkt des Betrugsskandals. Der Blog aus dem Gericht zum Nachlesen. 24.01.2024 - 18:46 Uhr aktualisiert

Für den Wirecard-Prozess gegen Markus Braun und zwei weitere Ex-Wirecard-Führungskräfte sind 100 Prozesstage angesetzt. Unsere Reporter berichten dabei live aus dem Gerichtssaal.

Foto: imago images, WirtschaftsWoche

Die Reporter der WirtschaftsWoche begleiten den Fall Wirecard seit acht Jahren. 2020 fiel die Erfolgsgeschichte von Wirecard wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Plötzlich war der Dax-Konzern pleite, Wirecard-Vorstandsmitglied Jan Marsalek auf der Flucht und Firmenchef Markus Braun im Gefängnis. Deutschland sah den mutmaßlich größten Betrugsfall der Nachkriegsgeschichte.

Seit einem Jahr läuft in München der Prozess. Die Anklage wirft Braun und zwei mitangeklagten ehemaligen Wirecard-Führungskräften vor, mit Hilfe gefälschter Bilanzen Banken und Kreditgeber um insgesamt 3,1 Milliarden Euro geprellt zu haben. Der Kernvorwurf: Braun und Komplizen sollen eine Bande gebildet haben, die die Bilanzen des Konzerns seit 2015 systematisch fälschte.

Am Mittwoch war ein ehemaliger leitender Mitarbeiter der Firma Senjo aus Singapur als Zeuge geladen. Senjo war einer der Partner, mit dem Wirecard das umstrittene Drittpartnergeschäft abgewickelt hat. Die Gewinne daraus – 1,9 Milliarden Euro – hat es nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht gegeben. Kann der Mann aus Malaysia den angeklagten Ex-Wirecard-Chef Markus Braun entlasten – oder belasten? 

Unser Reporter war dabei und berichtete für Sie live von vor Ort im Blog über die Geschehnisse im Gerichtssaal:

24.01.2024 – 17:03 Uhr Volker ter Haseborg

Das war’s für heute. Vielen Dank fürs Mitlesen! Ein besonderer Gruß geht raus an einen Fan dieses Blogs, der auf Katzen-Fotos steht. Bis bald! 

24.01.2024 – 17:01 Uhr Volker ter Haseborg
Födisch ist durch mit seinen Fragen. 
24.01.2024 – 16:59 Uhr Volker ter Haseborg
Hatte Bellenhaus mit den Geschäften der Senjo zu tun? "Davon habe ich nichts gemerkt." 
Und Markus Braun? "Ich glaub nicht."
Kennen Sie Herrn von Erffa? Tomiie schaut sich um zu von Erffa. "Ich kann mich nicht erinnern." Von Erffa hätte seiner Auffassung nach nichts mit den Geschäften von Senjo zu tun gehabt.
24.01.2024 – 16:57 Uhr Volker ter Haseborg
Nochmal Firmennamen-Quiz. Levantine Foundation (also Bellenhaus' Stiftung)? Kennt Tomiie nicht. Centurion Online Services? Auch nicht. Conepay? Auch nicht. Client Communication Services? Nein. BC Operation Services? Nein. Firstline Consulting? Nein. Testron Consulting? Piettodrie? Nein. Ceridian? Flamingo BPO Solutions? E-Pay International? Neocharge? Xprtservices? Nein. Und auch alle anderen Namen, die Födisch herunterrasselt, sagen Tomiie nichts. 
24.01.2024 – 16:50 Uhr Volker ter Haseborg
Marsalek soll Einfluss auf PXP ausgeübt haben. Auch soll Wirecard darauf gedrungen haben, dass PXP dubiose Zahlungen abwickeln soll, die man selbst nicht abwickeln wollte. Sagt Födisch. Was ist da dran? "Ich weiß nichts von einem Druck, den Herr Marsalek ausgeübt haben soll." 
24.01.2024 – 16:39 Uhr Volker ter Haseborg

Und Ocap sollte noch einmal 100 Millionen Euro bekommen. Im März 2020, als Wirecard schon tief in der Krise steckte und die KPMG-Untersuchung bereits lief. Das Geld wurde am 27. März 2020 an Ocap ausgezahlt.

 

Die Spur des Geldes ist in diesem Fall höchst interessant: Ocap überwies das Geld auf ein Konto einer Bank mit Sitz in Litauen. 35 Millionen davon landeten auf einem Konto von Jan Marsalek, der das Geld wiederum an die Beteiligungsgesellschaft von Markus Braun weiterleitete. Braun hatte Marsalek das Geld geliehen. Nun brauchte er das Geld, um einen Kredit bei der Deutschen Bank in Höhe von 150 Millionen Euro abzulösen, die Wirecard Bank hatte die Ablösung zwischenfinanziert. 


Zeuge Yoshio Tomiie will nichts von all dem mitbekommen haben. Er will davon jetzt zum ersten Mal gehört haben.  

24.01.2024 – 16:34 Uhr Volker ter Haseborg

Obwohl Ocap die Zinsen für die Kredite nicht zahlte, wurden die Kredite vom Wirecard-Vorstand verlängert. Die Kreditwürdigkeit von Ocap wurde nicht überprüft.

 

Wie sollte Ocap das Geld zurückzahlen? Zumindest zum Schein sollte es so aussehen, dass Ocap den Kredit bedienen konnte: Braun, von Erffa, Marsalek, O‘ Sullivan und H. planten laut Staatsanwaltschaft ein Modell, in dem Forderungen, die Ocap gegenüber anderen Firmen hatte, verbrieft werden sollten. So sollten Sicherheiten für Wirecard besorgt werden. Denn: Diese Forderungen sollten anschließend durch Wirecard übernommen werden. So wurde der Kredit bedient, zumindest auf dem Papier. Die Forderungen waren wie auch das MCA-Geschäft erfunden, so die Staatsanwaltschaft. Ein Schein-Geschäft, um die Seriosität von Ocap zu untermauern. 

Tomiie kann dazu nichts beitragen.

24.01.2024 – 16:29 Uhr Volker ter Haseborg
Nochmal Ocap. Vorhin hat Tomiie gesagt, dass er von Millionenkrediten gewusst habe. Auch davon, dass es Kredite über 200 Millionen Euro waren? Nein, das habe er nicht gewusst. Und er wisse auch nicht, was mit dem Geld passiert ist. Gab es einen Plan, dieses Geld für Händlerkredite zu verwenden? Ja, denn das Geschäftsgebiet bestand ja darin. Wurden auch Zahlungen an Händler von Senjo von Ocap vorfinanziert? Er habe sich Pläne von Ocap angehört, sei aber nicht in das Geschäft involviert gewesen. Carlos H. habe ihm das erzählt. Gab es schon ein Geschäft damals von Ocap? Er habe von H. nur von Plänen gehört. Und er habe gewusst, dass H. bei Ocap einen Mitarbeiter beschäftigte, der offenbar schon richtige Geschäfte tätigte. 
24.01.2024 – 16:21 Uhr Volker ter Haseborg
Jetzt geht es um ein Foto, das Bellenhaus gemacht hat. Es soll eine Skizze zeigen, die Marsalek angefertigt hat. 
Es geht um Firmen wie Kalixa und E-Pay, Manboo, Wallpay und ihr Verhältnis zu Senjo, eine Art Organigramm. Tomiie sagt, von Wallpay hätte er noch nie gehört. Er kann auch bei dieser Skizze nicht helfen. 
24.01.2024 – 16:18 Uhr Volker ter Haseborg
Wurden Firmen der Senjo-Gruppe verwendet, um Zahlungen zu verschleiern oder im Kreis zu drehen? "Ich habe die Bankkonten nicht geführt und weiß insoweit darüber nicht Bescheid." 
Födisch sagt, dass Brauns Verteidiger davon ausgehen, dass Kunden von Wirecard auf andere Gesellschaften übertragen wurden und die Provisionen veruntreut wurden über andere Gesellschaften (hatte ich ja gerade schon anklingen lassen). Hat Tomiie davon etwas mitbekommen? "Können Sie uns da irgendwie helfen?" Tomiie: "Da fehlen mir Informationen, um das zu stützen oder zu widerlegen. Da könnte ich allenfalls fantasieren." - Doch fantasieren will Födisch nicht.
24.01.2024 – 16:13 Uhr Volker ter Haseborg
Noch eine Liste, darauf Namen von Firmen, deren Namen hier im Gerichtssaal schon Thema waren Onestopmoneymanager etwa. Eine Firma, die nach Auffassung von Brauns Verteidiger Alfred Dierlamm eine Rolle dabei gespielt hat, das Drittpartnergeschäft hinterm Rücken seines Mandanten aus der Firma zu schleusen. Doch Yoshio Tomiie kann mit den Namen nichts anfangen.
24.01.2024 – 16:10 Uhr Volker ter Haseborg
Födisch zeigt Tomiie eine Firmenliste, scrollt runter. "Sagen Ihnen die Firmen was?" Keine einzige.
24.01.2024 – 16:09 Uhr Volker ter Haseborg
Die Firma Onestopmoneymanager? Sagt ihm nichts.
Die Kundenportfolien CICash und Baltic Bill? Auch nichts.
Die Firma Grey Mountains? Nichts. 
24.01.2024 – 16:08 Uhr Volker ter Haseborg
Wurden Händler, die über Wirecard liefen, später über Kalixa/PXP abgewickelt wurden? Davon wisse er nichts.  
24.01.2024 – 16:05 Uhr Volker ter Haseborg
Manboo Singapur auch Geld an eine Firma namens CQR Services Limited gezahlt. CQR sage ihm nichts. Auch dass Al Alam größere Beträge von Manboo bekommen hat, sei ihm unbekannt.
24.01.2024 – 16:00 Uhr Volker ter Haseborg
Jetzt geht es um Geld, das Tomiie 2012 von Manboo Singapur erhalten hat, angeblich 264.000 (Singapur-Dollar? Das geht aus der Aufstellung nicht genau hervor). Er kann das nicht erklären.
24.01.2024 – 15:57 Uhr Volker ter Haseborg
Födisch: "Meine Frage: Wir haben hier eine Firma, die eigentlich mit Wirecard nichts zu tun hat." Und Marsalek schreibt seinen eigenen Mitarbeitern, dass da was falsch ist. "Es klingt so, als ob diese beiden die Internetseite ändern würden."
Tomiie:  Brigitte H. hätte Manboo Kunden gebracht - und zwar die "etwas dubiosen", die seriösen hätte Wirecard behalten. Dubiose Händler liefen Gefahr, von Visa und Mastercard abgewiesen zu werden. Bekamen H. oder Wirecard etwas dafür, dass solche Kunden an Manboo vermittelt wurden? Ja, es habe dafür Provisionen gegeben - höhere Kunden hätten mehr Gebühr gebracht.

Wo normalerweise drei Prozent Transaktionsgebühr verlangt wird, kann es im dubiosen Bereich bis 5 oder 10 Prozent gehen. "Ob sie es wirklich erhalten haben, weiß ich nicht."   Es seien aber nicht viele Händler gewesen, vielleicht einer oder zwei.
24.01.2024 – 15:54 Uhr Volker ter Haseborg
Andy Khawaja? Kennt er nicht, sagt Tomiie. Födisch zeigt ihm eine Mail, in der Marsalek an Tomiie, die Wirecard-Managerin Brigitte H. schreibt, dass Khawaja auf der Internetseite von Manboopay als CEO aufgeführt werde. "Better to remove that... :-)" schrieb er im November 2010. Er könne sich an den Mann nicht erinnern. Und er habe auch keine Erklärung, warum die Email an Brigitte H. ging und an einen weiteren Wirecard-Mitarbeiter namens Donn Kwong  - und nur in CC an ihn, Tomiie. 
Er vermute, dass Marsalek der Meinung war, dass Andy Khawaja in der Branche nicht angesehen war und deshalb verschwinden sollte von der Webseite. 

24.01.2024 – 15:40 Uhr Volker ter Haseborg
Warum kümmerte sich Marsalek darum, dass die drei Millionen dreigegeben werden? Marsalek sei jemand gewesen, der die Möglichkeit hatte, Payvision dazu zu bewegen, das Geld freizugeben. Weil er Kontakte zu Payvision hatte. Er selbst und andere hätten ihn darum gebeten, sagt Tomiie.
24.01.2024 – 15:38 Uhr Volker ter Haseborg
Auch ein Wirecard-Mann war damals mit im Email-Verkehr. Auch er benutzte seine Privat-Emailadresse. Auch von einem "Jan" ist im Email-Verkehr die Rede. Was hatte Wirecard mit den ganzen Sachen zu tun? Das sei zu einer Zeit gewesen, in der Wirecard Singapur gegründet werden sollte - das Projekt sollte möglicherweise zu Wirecard wechseln, mutmaßt Tomiie.
24.01.2024 – 15:35 Uhr Volker ter Haseborg
Tomiie sagt, dass japanische Kunden auch nach seinem Ausstieg weiter zu ihm gekommen seien, wenn es Probleme gab. Deshalb auch sein Name im Email-Verkehr aus dem Jahr 2012. in dem Emailverkehr taucht auch ein Chris auf. Chris Bauer? Kann sein. Im konkreten Fall sei eine Zahlung in Höhe von 3 Millionen Dollar beim Acquirer Payvision hängengeblieben. Födisch fällt auf, dass viele Beteiligten im Emailwechsel ihre Privat-Emailadresse benutzt haben. Viele der Beteiligten seien auf eigene Rechnung unterwegs gewesen, erklärt Tomiie. 
24.01.2024 – 15:26 Uhr Volker ter Haseborg
Wurden Kunden von Tomiies Firmen auch bei Payeasy und Centurion eingereicht? "Das kann passiert sein, nach meiner Zeit." Er habe das Geschäft im Jahr 2009 abgegeben. Danach habe es noch eine Übergangszeit von etwa einem Jahr gegeben, in der er mit der Firma noch etwas zu tun hatte. Födisch will gleich eine Email zeigen, die belegt, dass er 2012 noch was mit der Firma zu tun hatte.
24.01.2024 – 15:20 Uhr Volker ter Haseborg
Födisch wirft ein Dokument an die Wand, Tomiie soll erklären, was damit gemeint ist. Es geht um Transaktionen des Zahlungsdienstleisters Payvision. Zahlungsbeträge, sagt der. Und Gebühren, die von Kunden gezahlt wurden. Unter anderem Zahlungen von Kunden, die von Tomiies Firmen kamen. Firmen wie Manboo. Man habe verschiedene Acquirer gehabt. Es habe sich danach gerichtet, ob Kunden problematischer waren. Problematischere Kunden wurden eher über Payvision abgewickelt. 
24.01.2024 – 15:13 Uhr Volker ter Haseborg
Und es geht weiter.
24.01.2024 – 15:02 Uhr Volker ter Haseborg
Fünf Minuten Pause.
vth
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