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KonsumklimaKonsumlaune der Deutschen sinkt überraschend stark

Das Konsumklima geht nach einem Zwischenhoch zum Jahreswechsel wieder zurück. Damit startet das Jahr 2024 mit einem herben Rückschlag für die Verbraucherstimmung. Schuld sind Krisen, Kriege und Verunsicherung. 29.01.2024 - 12:05 Uhr

Das Barometer für die Einkommenserwartungen sank auf den niedrigsten Wert seit März 2023.

Foto: dpa

Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland hat sich im neuen Jahr so stark eingetrübt wie zuletzt im März 2023. Das Barometer für das Konsumklima im Februar sank überraschend um 4,3 auf minus 29,7 Punkte, wie die GfK und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am Freitag mitteilten. Die Forscher berechnen aus einer Umfrage unter rund 2000 Verbrauchern die Konsumlaune für den Folgemonat.

Das Jahr 2024 starte für die Verbraucherstimmung in Deutschland sehr enttäuschend und mit einem herben Rückschlag, hieß es. Die Menschen blickten skeptischer auf die Konjunktur, ihre künftigen Finanzen und hätten weniger Bereitschaft für größere Einkäufe. Zudem sei die Sparneigung auf dem höchsten Wert seit August 2008.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten beim Konsumklima hingegen erneut eine leichte Verbesserung erwartet. „Die Verbesserung im Vormonat war offenbar nur ein kurzes Aufflackern vor Weihnachten“, sagte NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl. „Falls es Hoffnungen gab, dass sich die Stimmung nachhaltig erholen kann, so wurden diese im Januar wieder zunichtegemacht.“ Krisen und Kriege sowie eine anhaltend hohe Inflation verunsicherten die Verbraucher und verhinderten damit eine Wende zum Besseren.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Das Barometer für die Einkommenserwartungen sank auf den niedrigsten Wert seit März 2023. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Inflation im Dezember von 3,2 auf 3,7 Prozent kletterte. Dies bremste auch die Bereitschaft, größere Dinge wie Autos, Möbel oder Kühlschränke zu kaufen. „Die Sorgen um weiter hohe Preise bei Lebensmitteln und Energie verringern die Planungssicherheit, die besonders für größere Anschaffungen notwendig ist“, erklärten die Marktforscher. „Und wenn für Güter des täglichen Bedarfs mehr Geld ausgegeben werden muss, fehlen bei vielen die finanziellen Mittel für andere Käufe, wie etwa für Einrichtungsgegenstände oder elektronische Geräte.“

Die Konjunkturaussichten für die nächsten zwölf Monate bewerteten die Befragten zu Jahresbeginn ebenfalls pessimistischer. Dieser Teilindex rutschte auf den geringsten Wert seit Dezember 2022. Die deutsche Wirtschaft war im Schlussquartal 2023 und im Gesamtjahr jeweils um 0,3 Prozent geschrumpft.

„Die Rezession ist hartnäckig, es gibt noch viel Unsicherheit bei Firmen und Verbrauchern“, sagte der neue Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Ulrich Reuter, jüngst im Reuters-Interview. „Wir setzen auf das zweite Quartal.“ Dann dürfte sich die Konjunktur allmählich erholen.

Lesen Sie auch: Hoher Krankenstand drückte die deutsche Wirtschaft in die Rezession

rtr
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