Neon Equity: Warum diese Anleihe Anleger skeptisch machen sollte
Die Neon Equity AG wirbt unter anderem damit, „positive Effekte für die Umwelt generieren“ zu wollen. Bislang aber ist davon wenig zu sehen.
Foto: Noah Buscher/UnsplashWer als Privatanleger Unternehmensanleihen kaufen möchte, hat nur sehr eingeschränkt die Wahl: In lediglich 24 Prozent der Anleihen, die an der Börse Stuttgart gehandelt werden, lässt sich bereits ab einem Betrag von 1000 Euro investieren. Die meisten Unternehmen sparen sich den Aufwand, den eine kleine Stückelung mit sich bringt. Auf Privatanleger, so scheint es, legen sie keinen großen Wert.
Ganz anders ist das bei Neon Equity. Der Gründer, Chef und Mehrheitsaktionär des Unternehmens, Thomas Olek, hat seine neueste Unternehmensanleihe in Tranchen von je 1000 Euro geteilt, so dass die breite Masse investieren kann. Und Olek, dessen neue Gesellschaft sich laut eigener Aussage dem „Impact Investing“ widmet, ist sich beim Werben um Anleger auch nicht zu schade für die Moralkeule: „Angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit sollten wir alle auch am Kapitalmarkt daran arbeiten, die Welt zu schützen und etwas besser zu machen“, lässt er sich zitieren.
Für diese gute Tat will er Anleger dann auch noch reichlich belohnen: Zehn Prozent Zinsen pro Jahr soll die Unternehmensanleihe von Neon Equity bis Mai 2029 abwerfen. Das entspricht einer Rendite, die weit – fast das Dreifache – über der derzeitigen Umlaufrendite von Unternehmensanleihen (3,82 Prozent) liegt.
Die Welt schützen, die Gesellschaft besser machen und dabei reich werden? Oleks Pitch um Anleger klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein. Und ein Blick in die Details der Neon Equity AG ist nicht gerade geeignet, um diese anfängliche Skepsis auszuräumen.
Im Nachhaltigkeitssektor ist das Unternehmen erst seit 2022 aktiv. Seinerzeit wurde die in Oleks Besitz befindliche TO-Holding GmbH in Neon Equity umfirmiert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Anfang 2023 brachte Olek das Unternehmen an die Börse, behielt aber knapp 88 Prozent der Anteile. In dem Jahr tauchte auch das Wort „Impact“ erstmals im Geschäftsbericht auf: Im August 2023 meldete die Firma beim Deutschen Patent- und Markenamt die Wortmarken „More Impact“ und „GIGA Impact“ an.
Neon Equity: Fragwürdiges Anlageuniversum
Olek selbst sagte zum Geschäftsmodell kürzlich folgendes: Neon Equity beteilige sich „an Unternehmen, die durch ihr Geschäftsmodell positive Effekte für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft generieren“. Man sei „Investor, Partner und Berater. Manchmal alles zusammen, manchmal aber auch einzeln.“ Auf die Frage eines Anlegerportals, worin genau das Unternehmen investieren wolle, erklärte Olek: „Im ESG-Anlageuniversum sind für uns derzeit Erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität, Gesundheit, Ernährung und Infrastruktur attraktive Branchen.“
Das aktuelle Portfolio passt dazu allerdings nicht so recht: Das Vermögen der Neon Equity AG besteht vor allem aus Anteilen an anderen Unternehmen, die gemäß Geschäftsbericht Ende 2023 rund 214 Millionen Euro wert waren. Rund 143 Millionen Euro entfielen davon auf Aktien der Publity AG. Zudem hatte Neon Equity in Anleihen der Publity AG investiert und nahm hierauf im vergangenen Jahr „aufgrund einer voraussichtlich dauerhaften Wertminderung“ eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 35 Millionen Euro vor.
Publity – Olek saß auch dieser Aktiengesellschaft von 2003 bis 2020 vor und ist inzwischen Vorsitzender des Aufsichtsrats – investiert in Gewerbeimmobilien und steckt in einer schweren Krise. 2023 wies die Jahresbilanz des Unternehmens einen Fehlbetrag von 236,8 Millionen Euro aus. Seit Jahresbeginn 2024 ist der Aktienkurs von Publity um rund 65 Prozent gesunken.
Der Name Publity in Verbindung mit einer Anleihe sollte Anleger ohnehin aufhorchen lassen: Erst im vergangenen Jahr hatte die Anleihe einer Tochter des Unternehmens, der Preos AG, die Anlegerschutzgesellschaft SdK auf die Barrikaden gehen lassen. „Die Anleiheinhaber sollen auf den gesamten Zinsanspruch der Zinsperiode 2022/23 verzichten und einer Pflichtwandlung der Anleihe in Aktien zustimmen“, hieß es im November von den Anlegerschützern. Eine seinerzeit seitens Preos geforderte Restrukturierung sei „völlig inakzeptabel“.
Die besagte Restrukturierung ging letztlich dennoch durch – und Anleger, die in die Anleihe investiert hatten, mussten von Dezember an auf ihre Zinsen verzichten und dabei zusehen, wie ihr Investment in Aktien eines kriselnden Unternehmens verwandelt wurde.
Dafür, dass es bei Neon Equity nicht so kommt, sollen unter anderem die 33 Prozent sorgen, die das „Impact Investing“ -Unternehmen an der OA 22 GmbH aus dem hessischen Neu-Isenburg hält, ebenfalls eine Immobilienhandelsgesellschaft. Deren Co-Geschäftsführer: Thomas Olek.
Das nach Publity zweitwichtigste Investment der Neon Equity war Ende 2023 allerdings die More Impact AG. 70 Millionen waren die von Neon Equity gehaltenen Anteile nach Unternehmensangaben wert. Die More Impact AG macht ihr Geld laut Olek mit der „Tokenisierungen von Wertpapieren“ und war bis vor wenigen Jahren noch vor allem „im Bereich Gold, Rohstoffe und Bergbau“ tätig. Kann man da wirklich von einem „positiven Beitrag zu Umwelt, Wirtschaft oder Gesellschaft“ sprechen, der laut Olek Voraussetzung für die Investments seiner Firma ist? Hinzu kommt, dass das Token-Unternehmen im ersten Halbjahr 2023 – damals hieß es noch AEE Gold AG – einen Halbjahresfehlbetrag in Höhe von 497.000 Euro auswies. Im Geschäftsjahr 2022 lag der Jahresfehlbetrag bei rund 2,6 Millionen Euro.
Trainingsanzüge und China-Autos
Bleiben noch zwei Kleinstbeteiligungen. Drei Prozent hält Neon Equity an der EasyMotionSkinTec AG in Liechtenstein, die Trainingsanzüge verkauft, die mit sogenannter Elektro-Muskel-Stimulation fit halten sollen.
Seit Mitte März werden die Anteile des Unternehmens an der Börse gehandelt. Der Marktwert liegt aktuell bei rund 482 Millionen Euro, was angesichts eines Umsatzes von 9,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr reichlich optimistisch scheint. In der zuletzt veröffentlichten Zwischenbilanz zum 31. Oktober 2023 wies der Autoimporteur einen Jahresfehlbetrag von rund 2,2 Millionen Euro und Verbindlichkeiten in Höhe von 9,5 Millionen Euro aus.
Dass es um die Governance und Compliance bei Neon Equity womöglich auch nicht ganz so vorbildlich bestellt ist, wie der Geschäftszweck vermuten lassen könnte, legt eine Bekanntmachung der Bafin nahe: Ende März setzte die Finanzaufsicht eine Geldbuße in Höhe von 62000 Euro gegen die Neon Equity AG fest: Das Unternehmen habe gegen die Marktmissbrauchsverordnung verstoßen und ein Eigengeschäft nicht rechtzeitig gemeldet. Der Bußgeldbescheid ist rechtskräftig.
Die Meldepflicht, gegen die das Unternehmen verstoßen hat, „verhindert, dass sich meldepflichtige Personen mit ihrem Wissensvorsprung Vorteile verschaffen“, heißt es in der Bekanntmachung weiter. Sie trage dazu bei, Marktmissbrauch und Insidergeschäfte zu verhindern. „Denn durch die erhöhte Transparenz ist es wahrscheinlicher, dass Führungskräfte oder ihnen nahestehende Personen entdeckt werden, wenn sie Eigengeschäfte nicht oder nicht rechtzeitig angeben.“
Ob das Portfolio von Neon Equity die Welt wirklich besser macht? Aktuell: Vermutlich nicht. Aber vielleicht ja in Zukunft: Man plane „den weiteren Ausbau unseres Portfolios“, kündigt Thomas Olek bereits an. Dabei wolle man sich „nicht auf einzelne Branchen beschränken“, sondern sei „offen für jegliche Unternehmen, sofern sie unsere Kriterien erfüllen und vor allem den geschilderten positiven Beitrag zu Umwelt, Wirtschaft oder Gesellschaft leisten“. Na dann.
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