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Verkehrte (Finanz-)WeltZinsen: Profitieren Investoren jetzt von hohen Cash-Beständen?

Angesichts der Rückkehr relativ hoher Zinsen setzen Anleger wieder mehr auf Cash- und Geldmarkt-Allokationen. Das Renditepotenzial dürfte in den kommenden Monaten jedoch sinken. Ist Bares also doch nicht Wahres? Eine Kolumne.Tobias Ripka 18.06.2024 - 12:58 Uhr
Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Viele Marktteilnehmer halten die aktuelle Situation für durchaus komfortabel: Mit dem relativ hohen kurzfristigen Zinsniveau, wie wir es seit Jahren nicht mehr gesehen haben, können sie recht einfach von risikoarmen Cash-Positionen profitieren. Dies spiegelt sich in den Portfolios mit höheren Bargeldbeständen beziehungsweise Geldmarkt-Allokationen wider. Das kurze Ende der Zinskurve bietet derzeit sogar höhere Renditen als der mittlere Teil oder das lange Ende der Zinskurve. Ein eher ungewöhnliches Phänomen, welches momentan in vielen Ländern zu beobachten ist.
Die einfache Frage lautet jedoch: Was passiert, wenn die Zinsen – im Euroraum und in den USA – demnächst fallen?

Analyse historischer Zinssenkungszyklen

Die EZB ist Anfang Juni der US-Notenbank Fed zuvorgekommen: Sie hat die Zinsen gesenkt und einen – vorerst sukzessiven – Zinssenkungszyklus eingeleitet. Um einen historischen Vergleich anzustellen, lohnt sich ein Blick auf Phasen und Entwicklungen nach Zinssenkungen.

Die nachstehende Grafik zeigt den Renditeverlauf verschiedener Renten- beziehungsweise Zinsanlagen für die letzten sechs Zinssenkungszyklen der US-Notenbank Fed seit dem Jahr 1980. Gemessen wurde der Dreijahreshorizont ab der letzten Zinserhöhung. Das Bild ist ziemlich eindeutig: Geldmarktanlagen schneiden gegenüber anderen wichtigen Rentenkategorien schlechter ab.
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Obwohl aktuell viele Anleihen niedrigere laufende Renditen als Cash aufweisen (aufgrund der ungewöhnlichen Zinskurve und hoher kurzfristiger Zinsniveaus), konnten sie in den vergangenen Zinssenkungszyklen im Durchschnitt eine höhere Rendite generieren.
Dies lässt sich anhand von drei Faktoren erklären: Erstens durch den schnellen Rückgang der laufenden Geldmarkt-Verzinsung, sobald die Leitzinsen sinken. Zweitens sehen wir einen positiven Renditeeffekt für Rentenanlagen mit längerer Zinsbindung, wenn das Zinsniveau sinkt. Dies wird auch positiver Durationseffekt genannt, da bei Anleihen die Preise steigen, wenn die Zinsen fallen. Drittens unterstützt eine längere Phase von Zinssenkungen gewöhnlich das Wirtschaftswachstum. Dies wiederum führt typischerweise zu stabilen oder sich einengenden Kreditspreads (gemeint ist die Renditedifferenz zwischen einer risikolosen und einer risikobehafteten Anleihe) und steigenden Preisen bei Unternehmensanleihen.

Lohnt sich eine Beschäftigung mit dem Thema Duration?

Eingangs habe ich den Begriff Duration bereits eingeführt. Diese Kennziffer misst, wie Anleihen auf Veränderungen des Zinsniveaus reagieren. Mehrere Größen wie etwa die Laufzeit, also die Kapitalbindungsdauer, fließen hier hinein. In der obigen Analyse hat sich gezeigt, dass Standardindizes mit höherer Duration den Geldmarkt sowie Anleihen mit kürzeren Laufzeiten (sogenannte Short-Duration-Anleihen) renditeseitig übertrafen. Berücksichtigt man jedoch die höhere Volatilität, die mit längerfristigen Anleihen verbunden ist, schneiden Short-Duration-Unternehmensanleihen bei den risikobereinigten Ergebnissen (Sharpe Ratio) attraktiver ab.
Auch Short-Duration-Anleihen sind mit Risiken verbunden und können an Wert verlieren. Sie bieten jedoch eine geringe Volatilität und die Chance, für einen etwas längeren Zeitraum als bei Geldmarktalternativen von den höheren kurzfristigen Zinssätzen zu profitieren. Hier wäre ein Zeitrahmen von bis zu drei Jahren denkbar. Für solche Laufzeiten ist das Universum der auf Euro lautenden Unternehmensanleihen deutlich kleiner als die globalen Pendants, auf die circa viermal so viel Marktvolumen entfällt – eine globale Umsetzung kann daher durchaus sinnvoll sein.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Inflationsraten sinken (wenn auch nicht so schnell wie von den Währungshütern erhofft): Graduelle weitere Zinssenkungen sind nun erwartbar.

Es lohnt sich, über Alternativen zu Geldmarktanlagen nachzudenken. Wer sich damit beschäftigen möchte, der findet zu dem Thema einen breiten Markt festverzinslicher Wertpapiere. Die Suche nach dem attraktivsten Punkt auf der Renditekurve ist zwar sinnvoll, sollte aber nicht das einzige relevante Kriterium sein. Stattdessen ist es oftmals klug, die Auswirkungen auf den Gesamtertrag in verschiedenen Szenarien zu berücksichtigen. Bei der konkreten Umsetzung sind zudem das Diversifizierungspotenzial und die Liquidität weitere wichtige Punkte.

Lesen Sie auch: Sind Roboter die besseren Anleger?

Die Kolumne „Verkehrte Finanzwelt“ entsteht in Zusammenarbeit mit der CFA Society Germany.

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