Investor Relations Ranking 2024: Welche Unternehmen Anleger am besten informieren
RWE gewann drei Auszeichnungen. Im Bild: Die Zentrale des Konzerns in Essen.
Foto: dpaSchon im Januar musste Finanzvorstand Michael Müller die Euphorie dämpfen: 2024 könnte der Gewinn gegenüber dem Vorjahr um bis zu 40 Prozent einbrechen. Hauptgrund: die überraschend schnell gefallenen Preise für Strom und Energie. Was Kunden freut, schmerzt den Konzern. Der Aktienkurs steht heute etwa auf dem Niveau von vor vier Jahren. Allein in den vergangenen sechs Monaten hat er um 20 Prozent nachgegeben.
Viel zu tun also für die Menschen, die sich vor allem mit der Unternehmenskommunikation des Dax-Konzerns beschäftigen. Satte Gewinne zu verkünden fällt schließlich leichter, als im Crash Kursverluste einzudämmen und Anleger bei der Stange zu halten. Investoren sind sich dabei aber ziemlich einig: RWE gelingt es wie keinem anderen Konzern aus dem deutschen Leitindex, den Finanzmarkt mit realistischen Einschätzungen zur Unternehmenslage zu versorgen. Anders gesagt: RWE führt in Sachen Börsenkommunikation.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Fachinformationsdienstes Institutional Investor. Finanzmarktprofis aus 25 Ländern, vorrangig aus Großbritannien, den USA und Deutschland, verteilten Punkte an die Investor-Relations-Abteilungen und -Manager im Dax, MDax und SDax. Wichtige Kriterien bei der Auswertung waren etwa die Transparenz und Genauigkeit der Jahres- und Quartalsberichte, die Verlässlichkeit der Prognosen und das Fach- und Branchenwissen der Ansprechpartner. Die WirtschaftsWoche veröffentlicht das Ranking exklusiv.
Platz zwei und drei im Dax hinter RWE belegen der Halbleiterhersteller Infineon und das Softwareunternehmen SAP. Im MDax für mittelgroße Unternehmen heißt der Sieger Flughafenbetreiber Fraport, gefolgt von Hugo Boss und Gerresheimer. Im SDax wurde der Düsseldorfer Elektronikhändler Ceconomy ausgezeichnet, zu dem auch Marken wie MediaMarkt und Saturn gehören. Nach rund zehn enttäuschenden Jahren konnte Ceconomy in den vergangenen Monaten endlich mal wieder erfreulichere Umsatz- und Gewinnergebnisse verkünden. Die Aktie hat zuletzt aufgewertet. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Flatexdegiro und Süss Microtec.
Drei Auszeichnungen für RWE
Erstmals wurde in diesem Jahr auch die ESG-Kommunikation der Unternehmen mit einer eigenen Kategorie ausgezeichnet. Nach etlichen kleineren und größeren Skandalen rund um das Thema Greenwashing – etwa bei der Deutschen-Bank-Tochter DWS – will Institutional Investor damit die Bedeutung des Themas hervorheben. Die ESG-Taxonomie ist ein in der kompletten Europäischen Union gültiges System, das Investitionen nach sozialen und ökologischen Gesichtspunkten klassifiziert.
Der Energiekonzern RWE, der sich künftig vor allem auf den Ausbau des Erneuerbaren-Energien-Geschäfts konzentrieren will, aber auch maßgeblich am Aufbau der neuen deutschen LNG-Terminals beteiligt war, erreichte auch in dieser Kategorie den ersten Platz. Zudem darf sich Thomas Denny, Leiter Investor Relations bei RWE, über den dritten Platz in der Kategorie „bester IR-Manager“ freuen.
Angesichts der Herausforderungen, die auf RWE in den nächsten Jahren zukommen, kann er sich einer Sache sicher sein: Langweilig wird die Arbeit nicht.
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