Exit von KKR: Bei Axel Springer kündigt sich eine neue Ära an
Springer-Chef Mathias Döpfner
Foto: APZwei Wochen ist es her, dass Johannes Huth in einem LinkedIn-Beitrag vom Beginn eines „neuen Kapitels in meinem Leben“ schrieb. Nach 25 Jahren habe er beschlossen, sich als Chairman von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) in Europa zurückzuziehen, verkündete der 64-Jährige. Der deutsche Manager war es gewesen, der den Einstieg des US-Finanzinvestors beim deutschen Medienkonzern Axel Springer 2019 eingefädelt hatte. Und nun, fünf Jahre später? Mission erfüllt?
Ja und nein. Tatsächlich hatte sich Huth bereits Anfang des vergangenen Jahres aus dem operativen Geschäft bei KKR zurückgezogen. An den derzeit kolportierten Gesprächen über einen Exit der Private-Equity-Firma von Axel Springer war Huth laut Konzernkreisen nie beteiligt. Und dennoch: Das Timing von Huths LinkedIn-Post passt in jedem Fall.
Wie zuerst die „Financial Times“ am Donnerstagabend berichtete, verhandeln Springer-Chef Mathias Döpfner und KKR derzeit über eine Aufspaltung des Medienkonglomerats Axel Springer. Vorgesehen sei eine Trennung der Medienaktivitäten von den digitalen Rubrikangeboten des Konzerns.
Im Rahmen der diskutierten Trennung würden Axel-Springer-Chef Döpfner und Verlagserbin Friede Springer wieder mehr Kontrolle über die Medienobjekte des Konzerns übernehmen, zu dem neben den Zeitungen „Bild“ und „Welt“ auch die US-Medien „Politico“, „Business Insider“ und der Newsletterdienst „Morning Brew“ gehören. KKR und der über eine Holding des Finanzinvestors beteiligte kanadische Pensionsfonds CPPIB würden derweil die Kontrolle über das sogenannte Classifieds-Geschäft bekommen. Dazu gehören die Jobplattform Stepstone und das Anzeigengeschäft mit Immobilien (Aviv).
Mit der Angelegenheit vertraute Personen bestätigten diese Gespräche gegenüber der WirtschaftsWoche. Ein Sprecher des Springer-Konzerns derweil will auf Anfrage zwar „keine Marktgerüchte“ kommentieren. Ein Dementi aber ist auch das nicht.
Absehbarer Exit
Überraschend sind die Gespräche über eine Aufspaltung des Springer-Konzerns ohnehin nicht. So war KKR 2019 bei Axel Springer eingestiegen. Dass die US-Beteiligungsfirma nach fünf Jahren Wege auslotet, wie ein Exit aussehen könnte, ist kein Affront, sondern Teil des Private-Equity-Geschäftsmodells: Üblicherweise liegt der Investmenthorizont für Private-Equity-Investments zwischen drei und sieben Jahren.
Auch wurden ähnliche Aufspaltungspläne erst jüngst bei einem anderen großen deutschen Medienkonzern zum Thema: ProSiebenSat.1. Dessen Großaktionär Media for Europe (MFE) hatte im April gefordert, das Geschäft mit Dating- und E-Commerce-Plattformen vom Kerngeschäft des Unternehmens abzuspalten.
Dennoch: In der Branche löste die Nachricht Reaktionen aus, die von Überraschung bis Empörung reichten. Ein Sprecher des Deutschen Journalistenverbands (DJV) spricht davon, von den Verhandlungen über eine Aufspaltung des Springer-Konzerns „genauso überrascht“ gewesen zu sein „wie alle anderen“. Am Freitagmorgen forderte die Gewerkschaft den Konzern auf, für Klarheit über mögliche Aufteilungspläne zu sorgen. „Sowohl die Beschäftigten als auch die Öffentlichkeit haben ein Anrecht auf Klarheit“, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende, Mika Beuster. „Wir haben es hier nicht mit einem Hinterhof-Tüftler, sondern mit Deutschlands größtem Medienkonzern zu tun.“
Eine Abspaltung der digitalen Werbeplattformen sieht der DJV derweil nicht grundsätzlich kritisch. „Wenn das zu einer stärkeren Fokussierung des Konzerns auf seine Medien führt, ist das nicht zu verurteilen“, sagte Beuster. Sollte es in den Verhandlungen mit KKR jedoch auch um journalistische Medien gehen, sei hier „eine rote Linie überschritten, die nicht überschritten werden darf“.
Generell herrsche schon seit Monaten eine „permanente Unsicherheit über die Zukunft des eigenen Arbeitsplatzes“, heißt es aus der Springer-Belegschaft. Die jüngsten Berichte über eine mögliche Aufspaltung hätten dieses Gefühl noch verstärkt. Der DJV führt diese unsichere Stimmung vor allem auf das Gebaren von Konzernchef Mathias Döpfner zurück. Der Springer-Chef habe „massivsten Anteil daran“, weil er in der Vergangenheit durch sein unternehmerisches Handeln klar gemacht habe, dass „Profit an allererster Stelle steht“ und die soziale Verantwortung hinten anstehe, heißt es von einem Gewerkschaftssprecher.
Expansionspläne wohl nicht beeinträchtigt
KKR war 2019 bei Axel Springer eingestiegen und hatte den Medienkonzern 2020 nach 35 Jahren von der Börse genommen. Mathias Döpfner schwärmte seinerzeit von einer „neuen Ära“, einem „Befreiungsschlag“. Das Kapital, das der US-Investor in den Konzern brachte, hatte der Springer-Chef in den vergangenen Jahren genutzt, um seine Vision von Springer als „transatlantisches Medienhaus“ wahrzumachen. Bereits 2015 hatte er das US-Medienunternehmen „Business Insider“ übernommen. 2019 folgte die amerikanische Digitalzeitung „Politico“, 2020 der Newsletterdienst „Morning Brew“.
Springer sei damit zu einem „wichtigen Player“ in den USA aufgestiegen, konzedierte der US-Medienjournalist Ben Smith im vergangenen Jahr gegenüber der WirtschaftsWoche. Womöglich werde man in einigen Jahren an Döpfner als einen „großen Visionär der amerikanischen Medienlandschaft“ zurückdenken, spekulierte ein anderer Branchenkenner. In jedem Fall sei der Springer-Manager inzwischen eine „echte Macht im amerikanischen Mediengeschäft“.
Döpfner gab seinerzeit deshalb direkt noch größere Ziele aus: Vielleicht könne Springer „eines Tages“ sogar zum Marktführer in den USA reifen. Unmöglich sei das nicht. Man wolle jedenfalls weiter wachsen. Auch wolle man ,„neue publizistische Angebote dazu kaufen“ oder „selbst gründen“.
Sorgen um seine Expansionspläne müsste sich Döpfner auch nach einer möglichen Abspaltung der Bereiche jenseits des Mediengeschäfts nicht machen – obwohl das womöglich abzuspaltende Rubrikengeschäft diese Pläne bislang in nicht unwesentlichen Teilen querfinanziert.
Sofern es tatsächlich zu einer Abspaltung käme, gelte es mögliche Bewertungsunterschiede zwischen den beiden Unternehmensblöcken zu berücksichtigen, so ein Insider gegenüber der WirtschaftsWoche. Mathias Döpfner und Verlagserbin Friede Springer würden dann voraussichtlich weiterhin Minderheitsanteile am abgespaltenen Rubrikengeschäft halten.
Ohnehin: Die Verhandlungen über den bestmöglichen Exit von KKR seien gerade noch in einem Anfangsstadium, so der Insider weiter. Bis es etwas zu verkünden gebe, werde es womöglich noch Monate dauern.
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