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Übernahmeverhandlungen mit AdnocCovestro-CFO Baier: „Uns geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Qualität“

Covestro macht die geringe Nachfrage zu schaffen – der Konzern muss seine Jahresziele knappen. Ein schnelles Ende der Verhandlungen mit dem arabischen Ölkonzern Adnoc ist nicht in Sicht.Nele Antonia Höfler 30.07.2024 - 13:14 Uhr

Covestro steckt aktuell in finalen Übernahmegesprächen mit dem arabischen Ölkonzern Adnoc.

Foto: dpa

Inmitten der Übernahmeverhandlungen mit dem arabischen Ölkonzern Adnoc muss Covestro einen weiteren Ergebnisrückgang verdauen: Den Kunststoffkonzern belasteten im zweiten Quartal die geringere Nachfrage und dementsprechend niedrigere Verkaufspreise. „Die Nachfrage hat sich bislang nicht entwickelt, wie wir uns das wünschen würden“, sagte Covestro-Finanzvorstand Christian Baier im Gespräch mit der WirtschaftsWoche am Dienstag. Der Konzern verzeichne weiterhin ein sehr geringes Margenniveau.

Gesunkene Rohstoffpreise konnten das nur teilweise aufwiegen: Der operative Gewinn (Ebitda) sank um knapp 17 Prozent auf 320 Millionen Euro, teilte das Leverkusener Unternehmen am Dienstagvormittag mit. Analysten hatten mit 311 Millionen weniger erwartet. Der Umsatz fiel um 0,8 Prozent auf 3,7 Milliarden.

„Das Marktumfeld bleibt sehr herausfordernd“, sagte Covestro-Chef Markus Steilemann. Infolgedessen muss Covestro seinen Ausblick auf das Gesamtjahr eindampfen: Für 2024 erwartet der Konzern nun einen operativen Gewinn zwischen 1,0 und 1,4 Milliarden Euro. Bisher war ein Ergebnis zwischen 1,0 und 1,6 (Vorjahr: 1,1) Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden.

Covestro auf Sparkurs

Aus der Krise schaffen will es Covestro mit einem Sparprogramm. Eine Reaktion auf ein „sich rasant veränderndes Marktumfeld“, hieß es in einer Konzernmittelung Anfang des Monats. Bis 2028 will das Unternehmen weltweit jährliche 400 Millionen Euro bei Sach- und Personalkosten einsparen. Davon 190 Millionen Euro in Deutschland.

Adnoc und Covestro

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von Nele Antonia Höfler und Lukas Zdrzalek

Der Stellenabbau soll hierzulande sozialverträglich umgesetzt werden, also in Form von freiwilligen Aufhebungsverträgen oder Arbeitszeitreduzierungen. Eine Vereinbarung mit der Arbeitnehmerseite schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 aus.

Das Sparprogramm war Ende Juni angekündigt worden. Nur einen Tag später gab Covestro bekannt, vertiefte Übernahmegespräche mit Adnoc aufzunehmen. Einen Zusammenhang gebe es aber nicht, betonte der Konzern: „Das Programm mit Fokus auf Effizienz ist eine Hygienemaßnahme, die es in unserer Branche kontinuierlich durchzuführen gilt.“ Dazu wäre es sowieso gekommen – auch ohne die Verhandlungen mit Adnoc.

Der Ölkonzern hat nach monatelangem Werben eine mögliche Offerte über 62 Euro je Aktie in Aussicht gestellt, durch die Covestro mit 11,7 Milliarden Euro bewertet würde. Eine genaue Überprüfung der Transaktion könnte jedoch noch mehrere Wochen dauern: „Uns geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Qualität“, kommentierte Baier. Um allen Stakeholdern gerecht zu werden, brauche es Zeit. „So eine Due Diligence Prüfung dauert normalerweise um die drei Monate. Wir gehen davon aus, dass wir schneller sein werden.“

Keine Erholung in Sicht

Covestro will sobald wie möglich komplett auf Kreislaufwirtschaft und alternative Rohstoffe umstellen und muss dazu in den kommenden Jahren kräftig in die nötigen Technologien investieren. „Wir sind absolut überzeugt, dass wir eine sehr gute Zukunft haben werden – sowohl mit als auch ohne eine Transaktion von Adnoc“, sagte Baier. Fakt ist aber: Um den Wandel möglichst schnell umzusetzen, könnte der Konzern einen finanzstarken Investor gut gebrauchen – insbesondere in den aktuell herausfordernden Zeiten für die Chemiebranche.

Die Chemieindustrie kämpft in Deutschland und Europa mit dauerhaft höheren Energiekosten. Zugleich wächst die Konkurrenz vor allem in Asien und dem Nahen Osten. Das Ifo-Institut hatte kürzlich ein verbessertes Geschäftsklima in den Chemie-Unternehmen festgestellt. Dessen Angaben zufolge planten die ersten Firmen für die nächsten Monate bereits mit steigenden Verkaufspreisen.

Die Freude darüber währte aber nicht lange, das Klima verschlechterte sich im Juni unerwartet wieder. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen rutschten in den negativen Bereich. Die Nachfrage ist wieder zurückgegangen, der Auftragsbestand eingebrochen. „Der Aufwärtstrend in der deutschen Chemiebranche ist somit unterbrochen“, sagte ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.

„Von einem kräftigen Aufschwung sind wir immer noch meilenweit entfernt“, kommentierte zuletzt auch VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Laut Branchenverband VCI seien insbesondere die Inlandsumsätze und die Verkäufe in die europäischen Nachbarstaaten enttäuschend. Die industriellen Kunden auf dem wichtigsten Markt für die deutsche Chemie hielten sich zuletzt mit Bestellungen zurück, weil viele Branchen ihre Produktion drosselten.

Lesen Sie auch: Wieso die Covestro-Übernahme so lange dauert

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