Staatsbeteiligung: Jetzt endet die Commerzbank-Blüte

Der Commerzbank-Tower in Frankfurt.
Foto: imago imagesDer 8. Januar 2009 war ein Tag, den Medien später als Tabubruch beschrieben: Mitten in der Finanzkrise verkündete der Bund, Aktien der Commerzbank zu kaufen, um das todkranke Institut vom Sterbebett zu hieven. Dennoch löste der Schritt ehedem heftige Debatten aus, war es doch das erste Mal in der Geschichte der Republik, dass die Regierung einer so großen Privatbank beisprang. Inzwischen gilt der Tabubruch von einst bloß noch als Krisen-Altlast, deren Gewicht nun schrumpfen soll: Die Bundesregierung beginnt überraschend mit dem Ausstieg bei der Commerzbank, hieß es vergangene Woche Dienstag.
Da verkündete die Finanzagentur des Bundes, die dessen Anteil an dem Institut verwaltet, einen Teil der Commerzbank-Aktien veräußern zu wollen. Der Schritt kam unerwartet: Zwar kursierten in Finanzkreisen bereits vor einigen Wochen entsprechende Gerüchte. Allerdings hieß es dann doch, ein Teilverkauf sei vor der nächsten Bundestagswahl kein Thema mehr. Deshalb ist der Schritt nun umso bemerkenswerter – und ein Fanal: Er symbolisiert das Ende der Blüte, derer sich die Commerzbank in den vergangenen Jahren erfreuen durfte.
Genau eine Woche später hat der Bund dann mit dem angekündigten Verkauf seiner Beteiligung begonnen. Rund 53,1 Millionen Commerzbank-Aktien aus dem Bestand des Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS) würden in einem beschleunigten Verfahren bei Großinvestoren platziert, teilte die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland am Dienstagabend mit. Entsprechend werde der Anteil des FMS von rund 16,5 Prozent auf 12 Prozent sinken.
Für die These, dass es bei der Commerzbank bald eher wieder schlechter als besser läuft, gibt es drei Gründe. Der erste und offensichtlichste davon lautet: Der Rückenwind durch die gestiegenen Zinsen lässt nach.
Zwar gibt sich die einst dauerkriselnde Bank größte Mühe, ihr gigantisches Gewinnwachstum der vergangenen Jahre als Ergebnis eben jener Sanierung darzustellen, die Vorstandschef Manfred Knof exekutiert hat. Und sicherlich hat er Anteile daran, dass es dem Konzern heute besser geht als noch vor wenigen Jahren. Allerdings hat der Commerzbank-Anführer vor allem Glück gehabt.
Nachdem das Institut jahrelang unter den Null- und Minuszinsen der Europäischen Zentralbank gelitten hatte, haben die wieder gestiegenen Leitzinsen seit Sommer 2022 zu einem Gewinntaumel bei der Bank geführt – allerdings ganz ohne das Zutun von Knof. Allein: Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen im Juni schon wieder ein wenig abgesenkt. Und weitere Zinssenkungen könnten folgen – mit der Konsequenz, dass die Bank wieder mit geringeren Einnahmen auskommen muss.
Dass der Teil-Ausstieg des Bundes ein Fanal ist, zeigt auch eine zweite Feststellung: Der Bank dürfte es schwerfallen, die perspektivisch rückläufigen Zinserträge zu kompensieren, indem sie ihre Gebühreneinnahmen steigert, die sie beim Verkauf von Finanzprodukten erzielt. Zwar versucht sich das Institut daran: Das Geldhaus ist etwa bei mehreren kleinen Vermögensverwaltern eingestiegen, um den eigenen Kunden in diesem Bereich bessere Produkte zu offerieren. Allerdings sind die zugekauften Firmen derart klein, dass sich der Eindruck aufdrängt, es handele sich dabei um eine Show.
Und dann gibt es noch einen dritten Grund, der auf die These von den wieder schwieriger werdenden Zeiten einzahlt: Es ist die schwächelnde Wirtschaft der Republik. Die dürfte schon bald dazu führen, dass bei der Commerzbank – so wie bei allen Geldhäusern – wieder mehr Kredite ausfallen, Schuldner häufiger als bislang ihre Darlehen nicht zurückzahlen können. Auch das kostet ein Institut Geld – und senkt die Gewinne.
Die Mixtur dieser drei Gründe macht die Commerzbank zwar nicht wieder zum Sanierungsfall. Selbst wenn die Zinsen nun weiter fallen, dürften sie vorerst nicht wie im vergangenen Jahrzehnt Richtung Nulllinie absacken. Und deshalb dürfte sich die Commerzbank weiter auf eine leicht schrumpfende, aber dennoch halbwegs stabile Ertragsbasis stützen können. Zugleich dürfte diese dazu beitragen, dass das Institut die höheren Kreditausfälle einigermaßen verkraften würde, solange die Konjunktur nicht gleich kollabiert.
Dennoch formt diese Mixtur aus der derzeit noch prächtig verdienenden Bank bald wieder eine mittelprächtig verdienende. Damit aber kehrt das altbekannte Problem des Instituts zurück, dass es nicht so richtig weiß, woher das eigene Wachstum kommen soll. Für den Commerzbank-Anteil des Bundes ist das keine gute Perspektive.
Der Aktienkurs des Instituts, der die zentrale Größe dafür ist, wie viel Geld der Bund bei seinem Verkaufsversuch einnimmt, dürfte in naher Zukunft nicht mehr allzu stark steigen. Es wäre angesichts der Aussichten sogar nicht überraschend, wenn der Kurs nun tendenziell sinken würde – mit der Folge, dass die Einnahmen nicht so üppig ausfallen, wie mancher Politiker hoffen mag.
Der Bund hätte besser schon im vergangenen Jahr angefangen, Aktien loszuschlagen. Damals hätte er die Papiere noch verkaufen können, als etliche Experten einen steigenden Commerzbank-Kurs prognostizierten. Jetzt wirkt die Bundesregierung mal wieder wie eine Getriebene, die einen richtigen Schritt zu spät geht.
Dieser Artikel erschien erstmals am 3. September 2024. Wir haben ihn am 10. September redaktionell aktualisiert und zeigen ihn nun erneut.
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