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  4. Stromverbrauch: So viel Strom wird für das Münchner Oktoberfest benötigt

Öffentliche LadesäulenOktoberfest verbraucht mehr Strom als die Münchener E-Autos zu laden

Häufig gibt es Zweifel, ob das Stromnetz für E-Autos ausgelegt ist. Aber niemand schaut auf den Strombedarf des Oktoberfests. Dabei lohnt sich ein Blick.Anabel Schröter 27.09.2024 - 15:43 Uhr

Können E-Autos das Stromnetz zum Erliegen bringen?

Foto: dpa

Das diesjährige Oktoberfest ist in vollem Gange. Zahlreiche Lichter erleuchten das Gelände. Neben den Strahlern in den Festzelten sind auch die Fahrgeschäfte hell erleuchtet. Aber: Diskussionen über eine Überlastung des Stromnetzes wegen der Wiesn gibt es nicht.

Anders sieht es beim Thema Elektroautos aus. Skeptiker behaupten, dass es zu einem sogenannten Blackout kommen könnte, wenn die Zahl der E-Autos steige. Ist das nur ein Mythos oder steckt mehr dahinter?

Im vergangenen Jahr verbrauchte das Oktoberfest nach Angaben der Veranstalter an den 18 Volksfesttagen rund 2,8 Millionen Kilowattstunden. 7,2 Millionen Besucher strömten 2023 auf die Theresienwiese. Die Besucher reisten mit den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln an. Auch mit Elektroautos.

Der Ladenetzbetreiber Digital Charging Solutions (DCS) hat für den Oktoberfestzeitraum vom 16. September bis 3. Oktober 2023 den Stromverbrauch an den öffentlichen Ladesäulen gemessen. DCS betreibt 99 Prozent aller Ladepunkte in München. Während der Wiesn 2023 wurden nach Angaben des Betreibers an den Ladesäulen im Münchner Stadtgebiet 193.000 Kilowattstunden Strom für das Aufladen von Elektroautos verbraucht. Somit hätte der Stromverbrauch der Wiesn rund 14-mal die öffentliche Ladeinfrastruktur in der bayrischen Landeshauptstadt zu diesem Zeitraum abdecken können.

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Allerdings werden Elektroautos nicht nur an öffentlichen Ladesäulen geladen, sondern auch an privaten Wallboxen. Diese sind in der Auswertung des Betreibers nicht berücksichtigt. Eine typische Heim-Wallbox hat im Schnitt eine Leistung von rund elf Kilowatt. Andreas Weiß, Leiter Verteilnetze und Elektromobilität bei der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München, hat den durchschnittlichen Wochenverbrauch errechnet: „Im Schnitt hat ein Elektroauto eine Kapazität von etwa 50 Kilowattstunden und verbraucht zwischen 16 und 23 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Im Bundesdurchschnitt fahren die Deutschen rund 14.000 Kilometer im Jahr. Umgerechnet auf eine Woche müsste ein E-Auto etwa 43 bis 62 Kilowattstunden verbrauchen.“ Daraus ergebe sich, dass ein E-Auto maximal elf Stunden pro Woche an der heimischen Wallbox hängt – bei Ladesäulen ist die Zeit sogar kürzer, da diese eine höhere Leistung bieten.

Das zeigt auch, dass die Fahrzeuge nicht jeden Tag ans Netz müssen. Zwar steigt dadurch der Stromverbrauch insgesamt, eine Gefahr für das Stromnetz sieht Weiß darin aber nicht: „Grundsätzlich kann jeder Netzteilnehmer durch Fehlverhalten eine Störung verursachen. Ich halte es aber für sehr unwahrscheinlich, dass es zu einer Überlastung kommt, weil zu viele Elektrofahrzeuge gleichzeitig laden, da die Netzbetreiber die installierte Leistung der Ladeeinrichtungen im Netz kennen.“

Denn die Ladepunkte müssen bei den Netzbetreibern angemeldet werden, sodass diese sogenannte Worst-Case-Abschätzungen vornehmen können. Besteht eine Gefahr für den Betrieb, kann der Netzbetreiber die Installation untersagen, bis das Netz darauf ausgelegt ist. Darüber hinaus erlaubt das Energiewirtschaftsgesetz den Betreibern, die Leistung von neuinstallierten Wärmepumpen und Ladepunkten für eine gewisse Zeit zu reduzieren.

„Es gibt aber eine garantierte Mindestleistung, die den Verbrauchern zusteht. Das heißt, die Fahrzeuge können trotzdem weiter geladen werden, nur eben mit verringerter Leistung, wodurch kritische Situationen im Netzbetrieb entschärft werden“, erklärt der Experte. Eine dauerhafte Abregelung müssen Verbraucher demnach nicht befürchten. Für die Zukunft sieht er dennoch Handlungsbedarf. „Wenn irgendwann 40 Millionen Elektroautos geladen werden müssen, wird es eng. Deshalb muss das Netz massiv ausgebaut werden, und dafür braucht es Ressourcen und Tempo beim Netzausbau“, sagt Weiß.

Der Ausbau sei eine Aufgabe, die es bisher noch nicht gegeben habe. Durch das Energiewirtschaftsgesetz bekommen die Betreiber mehr Zeit für den Ausbau. Zudem gibt es bereits sogenannte Energie-Management-Systemen (EMS), die Ladeleistungen der Stromer verteilen. So werden beispielsweise die EMS an den Netzanschlusspunkt installiert, um die Verteilung in der Tiefgarage von Mehrfamilienhäusern zu regulieren.

Und auch das Oktoberfest setzt auf Maßnahmen, um Strom zu sparen. So wurde im vergangenen Jahr bereits zwölf Prozent weniger Strom verbraucht als 2022.

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