Trotz Ukrainekrieg: Was machen die Firma Knauf und die KfW im Land von Putins engstem Verbündeten?
Gips für Putins Bunker? Säcke mit Rotband-Haftputz von Knauf für den russischen Markt.
Foto: imago imagesDer bayerische Baustoff- und Gipshersteller Knauf macht trotz Ukrainekrieg bis heute Geschäfte im Land von Russlands engstem Verbündeten Belarus. Der Mittelständler mit Stammsitz im fränkischen Iphofen ist an zwei Firmen in Minsk beteiligt. Das zeigen vertrauliche Dokumente, die der WirtschaftsWoche vorliegen.
Konkret geht es um die Firma OOO Danogips, die zu 100 Prozent zu Knauf gehört, und OAO Belgips, an dem Knauf 50 Prozent hält. Auf Anfrage bestätigt eine Sprecherin von Knauf die Wiwo-Recherche. „Bei einem Geschäft von Knauf in Belarus ist die DEG seit 2019 beteiligt. Einzelheiten zu Finanzierungen veröffentlichen wir grundsätzlich nicht“, sagt die Sprecherin auf Anfrage. Knauf stellt in Belarus Gipsplatten her.
Die KfW macht Kasse
Unternehmensinsider berichten, dass das Geschäft der Bayern in Belarus von einer Tochtergesellschaft der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der DEG, finanziert wurde. Mehr noch: Die DEG ist an dem Geschäft von Knauf in Belarus substanziell beteiligt. Die KfW äußerte sich dazu auf Anfrage nicht, erklärte lediglich, seit Beginn des russischen Angriffskrieges keine neuen Kredit- und Geschäftsbeziehungen in Belarus aufgebaut zu haben.
Belarus und sein Diktator Alexander Lukaschenko sind treue Verbündete des Kreml. Russische Truppen griffen von Belarus aus die Ukraine an. Russland und Belarus haben in den vergangenen Monaten eine gemeinsame Kampftruppe gegründet und verstärkten ihre Truppenübungen in den vergangenen Monaten.
Das Engagement der KfW-Tochter DEG in Belarus ist bei der KfW auf Führungsebene offenbar ein Konfliktthema, berichten Insider. Ein Argument: Man könne heute nicht kontrollieren, wie der produzierte Gips und Baustoff in Belarus verwendet wird und welche Absichten die belarussischen Auftraggeber verfolgen. Erst im April hat das ARD-Magazin „Monitor“ berichtet, dass Materialien von Knauf durch russische Truppen in der ukrainischen Stadt Mariupol verwendet wurden.
Fehlende Kontrolle
Die fehlende Kontrolle räumt eine Sprecherin des Baustoff-Konzerns ein: „Unsere Produkte gelangen über verschiedene, von Knauf unabhängige Händler zu den Endkunden und wir haben keine Kontrolle darüber, wo unsere Produkte letztlich eingesetzt werden.“
Auf Nachfrage, weshalb Knauf und die KfW ihr Geschäft in dem Land vor diesem Hintergrund nicht aufgeben, verweisen das Unternehmen und die KfW auf im Jahr 2022 erlassene Gesetze in Belarus, die dazu führen würden, dass ausländische Firmen „de facto“ ihre Anteile an Unternehmen im Land nicht veräußern können. Nachfragen, ob die Gesetze auch untersagen würden, das Geschäft zu verschenken oder nach Russland zu verkaufen, blieben unbeantwortet.
Jüngste Recherchen der WirtschaftsWoche haben gezeigt, dass Knauf auch noch in Russland aktiv ist, obwohl der Konzern eigentlich bereits im April angekündigt hat, das Geschäft dort wegen der "aktuellen Entwicklungen" verkaufen zu wollen. Das Russlandgeschäft des Baustoffherstellers aus Bayern will der Kreml offenbar einem linientreuen Oligarchen zuschlagen, allerdings frühestens Mitte nächsten Jahres.
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