Management-Moment der Woche: Null Bock auf Schulungen? Es geht auch anders
Das ist passiert
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat in den USA Dutzende Mitarbeiter entlassen, weil sie bei der beruflichen Weiterbildung geschummelt haben sollen: Nach Recherchen der „Financial Times“ hatten sie sich während einer Schulungswoche auf mehreren Bildschirmen parallel in Onlinekurse eingewählt – vermutlich, um das vom Unternehmen vorgegebene Soll schneller zu erreichen.
Dass Fortbildungen häufig als lästiger Zeitfresser angesehen werden, ist kein amerikanisches Phänomen. Deutschland hinkt bei Weiterbildungen sogar besonders hinterher: Für die Europäische Arbeitskräfteerhebung werden jedes Jahr Menschen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren befragt, ob sie in den vergangenen vier Wochen an einer (Weiter-)Bildungsmaßnahme teilgenommen haben – in Deutschland antworteten zuletzt acht Prozent mit „Ja“, deutlich weniger als im EU-Durchschnitt. Dabei ist der Bedarf unbestreitbar.
Das können Sie daraus lernen
Damit Weiterbildung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern als sinnvolle Investition wahrgenommen wird, kommt es vor allem auf zwei Punkte an:
1. Weiterbildung sollte Probleme des Alltags lösen
„Viele Schulungen sind vom Arbeitsalltag sehr weit entfernt“, moniert Joachim Pawlik. Er berät seit vielen Jahren Unternehmen in der Personalentwicklung und ist zugleich Chef des E-Learning-Anbieters Pinktum. Von einer Schulungswoche wie bei EY, in der abgegrenzt von der eigentlichen Arbeit Kurse zu allen möglichen Themen angeboten werden, hält er nicht viel. „Wenn ich an einem Kurs zu Konfliktmanagement teilnehme und dann ein halbes Jahr lang gar kein Konflikt aufkommt, habe ich schon wieder alles vergessen.“ Effektiver sei es, wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, das Gelernte unmittelbar einsetzen zu können. Wer sich gerade in einem Konflikt befindet, wird an einem Konfliktmanagementkurs vermutlich interessiert teilnehmen – und sich nicht parallel noch in andere Schulungen einwählen.
2. Führungskräfte sollten den Sinn vermitteln
„Die Rolle der Führungskräfte bei der Weiterbildung wird völlig unterschätzt“, sagt Joachim Pawlik. „Häufig wissen Führungskräfte noch nicht einmal genau, worum es in der Schulung ihrer Mitarbeiter geht.“ Kein Wunder also, dass Angestellte der Weiterbildung oft nur einen geringen Wert beimessen – und sie so schnell wie möglich abhaken wollen.
Führungskräfte sollten in den gesamten Prozess eingebunden sein, rät Pawlik. Das heißt: Vor der Schulung sollten sie sich selbst mit dem Kern des Trainings auseinandersetzen und mit ihren Mitarbeitern besprechen, welche Erwartungen daran geknüpft sind. Anschließend sollten Vorgesetzte gezielt nachfragen, was die Mitarbeiter mitgenommen haben. „Am besten sogar in einer Teamrunde, dann profitieren alle vom Gelernten und bekommen auch mit, dass Weiterbildung geschätzt wird“, sagt Pawlik.
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