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KonjunkturWeniger Firmengründungen und kaum neue Jobs

Die Stimmung in der Industrie ist schon lange gekippt, neuerdings schwindet allerdings auch die Hoffnung. Das drückt inzwischen auch auf den Arbeitsmarkt. 15.11.2024 - 12:27 Uhr aktualisiert Quelle: dpa

Ein Metallbauer bearbeitet einen Stahltraeger mit einem Trennschleifer, aufgenommen in einer Schmiede in Klitten.

Foto: imago images

Die schwache Konjunktur in Deutschland kommt zunehmend auf dem Arbeitsmarkt an. Die Zahl der Unternehmen geht zurück und der Pessimismus bei den Firmen nimmt zu. Weniger Menschen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit.

Stagnation bei der Zahl der Erwerbstätigen

Im dritten Quartal dieses Jahres sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt kaum noch zusätzliche Jobs entstanden. 46,1 Millionen Menschen waren zwischen Juli und September erwerbstätig, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Das waren nur noch 23.000 mehr als im Frühsommer, gerundet eine Stagnation. Bereinigt um Saisoneffekte sei die Zahl der Erwerbstätigen sogar um 45.000 Personen oder 0,1 Prozent gesunken. Das hat es seit dem Jahresbeginn 2021 nicht mehr gegeben. Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug der Zuwachs noch rund 66.000 Menschen (0,1 Prozent).

Mehr Beschäftigung hat es ausschließlich in den Dienstleistungsbereichen gegeben, berichtet das Amt. In der Industrie wurden 73.000 Personen (minus 0,9 Prozent) weniger registriert und im Baugewerbe sank die Beschäftigung innerhalb eines Jahres um 1,1 Prozent oder 30.000 Personen. Zudem setzte sich der Trend fort, dass immer weniger Menschen selbstständig sind. Ihre Zahl einschließlich der mithelfenden Angehörigen ging um 0,6 Prozent auf 3,8 Millionen zurück.

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Weniger Existenzgründungen

In dem eingetrübten wirtschaftlichen Umfeld wagen weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Zahl der Gründungen sank in den neun Monaten von Januar bis September um 0,9 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum auf 456.000. Besonders bei Kleinunternehmen gab es laut Statistischem Bundesamt einen Einbruch um gut ein Viertel (minus 25,4 Prozent). Für Gründer haben sich die Perspektiven mit dem Zinsanstieg und der schwächelnden Konjunktur eingetrübt.

Die Zahl der Gewerbeanmeldungen fiel laut der Statistik ebenso - um 1,0 Prozent auf rund 547.500. Dazu zählen neben Neugründungen auch Betriebsübernahmen, Umwandlungen und Zuzüge aus anderen Meldebezirken. Die Gesamtzahl der Gewerbeabmeldungen stieg dagegen leicht um 0,7 Prozent auf rund 443.000.

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

Firmen kämpfen ums Überleben

Derzeit sieht sich fast jedes vierzehnte Unternehmen in seiner Existenz bedroht. 7,3 Prozent der befragten Betriebe äußerten sich in einer Erhebung des Münchner Ifo-Instituts im Oktober entsprechend. Das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor und 2,5 Prozentpunkte mehr als Anfang 2023.

Der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, betonte: „Der kontinuierliche Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen dürfte sich fortsetzen.“ Neben fehlenden Aufträgen mache der steigende internationale Wettbewerbsdruck vielen Unternehmen zu schaffen. Schon jetzt liege die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich über dem Niveau der Vorjahre.

Der aktuelle Anstieg der Existenzsorgen geht der Umfrage zufolge unter anderem auf das Verarbeitende Gewerbe zurück. Im Einzelhandel hat die Sorge ebenfalls deutlich zugenommen.

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dpa
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